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Malcolm Hall
„It will. I promise.“
Malcolm war vielleicht der Letzte, der irgendein Versprechen diesbezüglich abgeben konnte. Er war genauso unwissend über alles, was hier vor sich ging, wie Clara selbst, doch fühlte er Verantwortung ihr gegenüber. Hätte er sie nicht überredet mitzukommen, wären sie gar nicht in dieser Lage. Auch wenn diese Lage besser war als in dem kleinen Vorort zu sein, wo niemand mehr war. Hier waren wenigstens andere Menschen. Kinder. Zusammenhalt fand er in einer Situation wie dieser äußerst wichtig. Alleine schon aus diesem Grund hatte er es für eine gute Idee gehalten herzukommen. Draußen tobte der Kampf ums Überleben. Jegliche Läden waren geblündert worden und sogar in Häuser wurde mittlerweile eingebrochen. Hier zu sein, konnte also nur Vorteile bringen, so hoffte er. „Sleep now, Clara. It's late and we will have to be up again early enough.“, lächelte er. Wenn er Cages Worte richtig verstanden hatte, war mit Ausschlafen hier nämlich nichts. Sie alle würden noch eine Aufgabe erhalten und das war ihm viel lieber als nutzlos herumzusitzen.
Sam grinste schief. Nur zu gut konnte sie sich vorstellen wie man reagierte, wenn man einfach im Stich gelassen wurde. Obwohl ihre Mutter unwillentlich aus dem Leben gerissen worden war, hatte sie ähnlich empfunden. Hatte getobt wie unfair es war und das sie doch nicht einfach so gehen konnte. Damals war sie zu klein gewesen um in den ersten Monaten zu verstehen, dass ihre Mutter nie freiwillig gegangen wäre. Für sie war es die beste Art um mit der Trauer umgehen zu können. „I bet she deserved all of that.“, stimmte sie scherzend zu, ohne zu wissen was genau vorgefallen war.
„For someone who has a brother who never lets her know anything you did a lot, Eli.“, sagte die Blonde ehrlich. Wer wusste schon um Cage ihr Morgen tatsächlich mehr erzählte? „But now I'm really going to leave you alone. I see you in the morning.“, verabschiedete sie sich mit einem Lächeln bevor sie sich zu ihrem Vater und Clara umdrehte.
Malcolm hatte bemerkt das seine Tochter sich ihnen zugewandt hatte und sah zu dieser „You're alright?“, wollte er von ihr wissen. Vorhin war sie so aufgebracht gewesen, aber jetzt schien sie viel besänftigter auch wenn ihre Augen vor Müdigkeit ganz klein geworden waren. „I will be.“, antwortete sie zuversichtlich. Vieles war noch ungewohnt, aber sie war davon überzeugt, dass sie sich hier schon arrangieren würde, wenn mehr Menschen so nett und aufgeschlossen waren wie ihr Nachbar. Er streckte nochmal kurz die Hand zu ihr aus und drückte ihre kurz. „Good night, Dad.“, lächelte sie sanft bevor sie sich endlich zum Schlafen hinlegte und sich so gut es ging unter der Wolldecke verkroch.

Mehr widerwillig als aus nächstenliebe folgte Troy Liza in den Nebenraum. Neugierig auf den Ausgang der Situation war er allerdings. Mit den Neulingen hatten sie sich wohl wirkliche Wildtiere eingefangen, was die langweilige Routine der Zone endlich unterbrach. Mehr als die Hand an seine Waffe zu legen, tat er aber nicht. Michael konnte er auf seine Art ganz gut leiden und was mit Mike geschah, war ihm herzlich egal. Nur ganz unttätig herumstehen konnte er nicht, behielt also alles wachsam im Auge.
Michael spannte sich unterdessen immer mehr an als Liza den Raum betrat. Ihr zuliebe versuchte er seine Launen immer im Zaun zu halten. Seine Wut darüber, dass sein Junge keine Gerechtigkeit erfuhr, hatte sich vom Täter auf Mike übertragen. Ihn sah er als den Schuldigen an, der den Mörder hatte entkommen lassen. Immer mehr drückte er dem Anwalt die Luft ab, was es für diesen unmöglich war auf das Flehen seiner Freundin einzugehen oder gar zu ihr zu sehen. Nur stumpf vernahm Mike, was sie sagte, konnte aber deutlich ihre Angst hören. Er wollte sie in den Arm nehmen und beruhigen, wagte es aber nicht sich auch nur ein Stück zu bewegen, so lange der kalte Lauf der Waffe sich gegen sein Hemd presste.
„Porter.. I'm sorry.. for what happend with your... child.“, presste Mike raus, dem es schwer fiel bei so wenig Luft zu sprechen. „But that man.. was innocent.“ Was der Beruhigung dienen sollte, machte Michael nur noch wütender. Sein Kiefer war angespannt und seine Gesichtszüge so sehr von Hass und Wut verzogen, dass man kaum glauben mochte, dass er vor dem Tod seines Kindes einen stets herzlichen Ausdruck gehabt hatte. Nur weil seine Frau hinter ihm stand und er ihr den Anblick eines Mordes ersparen wollte, beließ er es dabei Mike so fest mit der geladenen Waffe gegen den Kopf zu schlagen, dass dieser zu Boden ging. „He needs to pay for what he did, Liza. Everyone has to eventually!“, richtete er endlich das Wort an seine Frau. „William deserved to find his peace and he denied him that!“ Obwohl er nicht vor hatte Mike in diesem Moment zu erschießen, hielt er ihm jetzt die Waffe gegen die Stirn als er sich endlich aufgerichtet hatte. Über seiner Augenbraue war die Haut aufgeplatzt. Ein dünner Streifen Blut suchte sich den Weg über sein Gesicht, was aber nichts zu den Kopfschmerzen und den schwarzen Lichter war, die vor seinem Auge tanzten. „This is not going to bring your son back.. you know that.“, versuchte Mike es erneut. „Shut up!“, fuhr Michael ihn aber dafür nur an und drückte den Lauf noch ein Stück mehr gegen seine Stirn, sodass dort später sicherlich ein Abdruck entstehen würde. „Come on, man.. Cage is going to freak out when we have to carry his dead body out of here.“, mischte Troy sich jetzt doch ein, der aber mehr genervt von dem ewigen hin und her war. „This is none of your business, Troy.“

Tess Blick blieb auf Jakes Hand hängen. Er hatte ja Recht. Anders als Troy konnte er keiner Fliege etwas zuleide tun. Einen besseren Mensch als ihn hatte sie nie getroffen. Selbst wenn sie jähzornig und wütend auf Troy war, hatte er es noch immer geschafft sie wieder zu beruhigen. Sie schämte sich dafür zu denken, dass Jake Cassie etwas angetan hätte oder tatenlos zu sah, wenn jemand anderes es tat. Sie wusste es so viel besser als das, aber sie war aufgewühlt und das war noch nie ein Gefühl gewesen, mit dem sie gut hatte umgehen können. Angriff empfand sie als die beste Verteidigung, weswegen sie so oft mit Troy stritt und gerade Jake beschuldigt hatte, anstatt seinen grausamen Worten Glauben zu schenken. Doch war er der einzige Mensch, dem sie momentan vertrauen konnte. Würde sie dies auch noch verlieren, würde sie sich nur noch mehr alleine fühlen als sie es sowieso schon tat.
Die Brünette griff fest nach seiner Hand als befürchtete sie, dass er ihr einfach wieder entgleiten konnte. Dabei beließ sie es aber nicht, sondern überbrückte den letzten Abstand um beide Arme um seine Mitte zu schlingen. Gerade waren seine Arme der Ort, an dem sie sich am sichersten fühlte. Jake würde sie niemals anlügen und seitdem sie ihn kannte, war er immer an ihrer Seite gewesen. Hinterfragt hatte sie das noch nie.
„What are we going to do?“, fragte sie flüsternd. Sie hasste das Gefühl der Angst, dass sich immer mehr in ihr breit brachte und das sie zuvor noch nie so erlebt hatte. Niemanden gegenüber zeigte sie sich gerne so verletzlich wie gerade und hatte es immer vermieden. Troy gegenüber, damit dieser sie nicht für schwach hielt, ihrem Vater gegenüber, damit dieser stolz auf sie war und wusste, dass er sich stets auf sie verlassen konnte und Jake gegenüber, damit niemand erfuhr das ihre Sorge für ihren Freund in manchen Situationen in Zuneigung für ihn umschlug. Heute konnte sie all das aber nicht aufrecht halten. Ein Stück löste sie sich von ihm.
Verwirrt und ängstlich sah sie ihn an, wagte es aber nicht ihn ganz loszulassen. „My dad..“, sprach sie vorsichtig aus, konnte den Satz aber nicht vervollständigen. Was, wenn ihrem Vater das gleiche geschehen war wie Cassie? Wie konnte sie ihn da zurücklassen? Sie hatte ihn ja nichtmal begraben sondern einfach auf der alten Couch liegen lassen.
Healey Smith
Selbst wenn Liza es hätte vermeiden wollen, schaffte sie es dennoch nicht, dass sich Tränen in ihren Augen bildeten und diese so ganz glasig wurden. Nicht etwa, weil sie traurig über das Verhalten ihres Mannes war, sondern viel mehr weil in ihr die gleiche Wut aufkochte wie in Michael. Aber ihre Wut richtete sich hierbei nicht gegen Mike. Ganz am Anfang, als das Urteil getroffen wurde, hasste sie den jungen Anwalt mindestens genau so sehr wie es ihr Ehemann gerade tat. Anders als bei Michael hatte das aber nicht sehr lange angehalten. Sie wusste das Mike als Anwalt ja nur seinen Job gemacht hatte, egal ob das Ergebnis einem gefiel oder nicht. Er selbst hatte ja nicht den Wagen gefahren, der ihrem kleinen Jungen das Leben gekostet hatte. Dennoch war die Wut nun allgegenwärtig. Auf den Mann der betrunken hinter dem Steuer gesessen hatte. Aber es war nicht Mike und deshalb musste Liza verhindern, dass ihr Mann etwas tat das er am Ende bereuen würde.
"Michael" stieß die Dunkelhaarige aus, doch man konnte wohl von Glück sprechen, dass Michael nur nach Mikes Kopf geschlagen hatte, um ihn so zu Boden zu befördern. Dabei war sie dem Geschehen noch etwas näher gekommen. Sie stand nun ungefähr auf einer Höhe mit dem umgekippten Wagen, immer noch weit genug entfernt also um ihren Mann nicht weiter zu provozieren. Sie war zwar Ärztin, aber Michael war ein Polizist. Liza würde wohl lügen wenn sie sagte das sie nicht doch das ein oder andere von ihm gelernt hatte.
Auf der anderen Seite der Trennwand hatte man unterdessen Healey ganz fürchterlich zusammen zucken gesehen, als der Lauf der Waffe den Kopf ihres Freundes getroffen hatte. Mittlerweile weinte sie ganz bitterlich, versuchte sich aber irgendwie zu beherrschen. Vergebens. Sie hatte sich einen Weg zwischen der Liege und einigen herumstehenden Kisten und Wägen gebahnt, damit sie bis ans andere Ende der Scheibe gelangen konnte. So stand sie quasi direkt neben den Männern und doch war es unmöglich für sie einen der beiden zu erreichen. Ihre Hände waren noch immer an das Plastik gepresst, doch ihre Worte waren verstummt. Sie sah flehend zu Michael, wobei dieser sich für sie jedoch nur herzlich wenig zu interessieren schien. Also sah sie zu ihrem Freund, an dessen Stirn sich nun der Lauf der Waffe, welcher sich eben noch in seinen Magen gebohrt hatte, wiederfand. Eine Hand presste Healey sich nun vor die Lippen um sich dazu zu zwingen sich zu beruhigen. Klappen tat dies aber nicht wirklich.
"Honey, Troy is right" versuchte Liza ihren Mann unterdessen weiter davon abzuhalten etwas Dummes zu tun. "And we both know that Mike Ross is not the man who killed our son." Es schien als hätte Michael vollkommen vergessen, dass der Anwalt nicht der Schuldige bei der ganzen Sache gewesen war. Es brach ihr förmlich das Herz ihren Mann so leiden zu sehen. "Please, Michael .. Take the gun down" bat sie ihn ruhig. "I know that you're angry, so am I. But killing him won't change anything for William .. or for us. And taking him away from her -" fuhr Liza fort und deutete nun auf Healey, welche damit rang sich nicht vollkommen an die Angst um Mike zu verlieren. "- will break her! Don't do this, Michael .. You know better than that!"

Jake schloss instinktiv die Arme um die zierliche Tess kaum, dass diese sich in den seinen wiederfand. Schon ein dutzend Mal hatte er sie getröstet, wann auch immer sie in einen Streit mit Troy geraten und dieser eskaliert war. Meistens versuchte er dabei aber diplomatisch zu sein und traf sich deshalb, kaum nachdem er Tess beruhigt hatte, mit seinem Freund auf ein Bier um auch diesen wieder gnädig zu stimmen. Aber dieses Mal war es anders.
Es gab gerade keinen Troy mehr, um den er sich genau so kümmern musste, wie um Tess. Er konnte all seine Zeit und Geduld und seinen Trost nun in sie setzen. So strich er ihr also sanft über den Rücken der jungen Frau und küsste sie sanft auf ihr Haar. Nichts ungewöhnliches für die beiden oder überhaupt für sehr gute Freunde. Aber irgendetwas in ihm sagte Jake, dass er dabei war diese eine Grenze zu überschreiten, welche er stets gemieden hatte. Troy zur Liebe. Denn immerhin war es er, der versuchte hatte die Beziehung seiner beiden Freunde immer wieder aufs Neue zu wahren. Deshalb durfte er diese Grenze nicht überschreiten, auch wenn er mit einem Bein schon so gut wie auf der anderen Seite gewesen war. Und gerade in diesem Moment an so etwas überhaupt zu denken, ließ es Jake übel werden. Normalerweise war er so nicht. Aber dieser Gedanke war in seinem Kopf so tief verankert, dass er ihn nicht mehr los wurde.
Tief seufzte Jake. "We're gonna go to that zone and we find Troy. He will explain to us what is going on and how we survive it" erklärte er leise, doch so entschlossen das er da nicht sehr viel Freiraum für irgendwelche Diskussionen ließ. Wenn es sein musste würde er Troy zu einer ehrlichen Antwort zwingen. Jake war fest davon überzeugt, dass sein Freund mehr wusste, als er Tess gesagt hatte oder als er irgendwem gesagt hatte. Nicht einmal ihn hatte er gewarnt. Troy war es den beiden also schuldig. Egal wie diese Antwort auch lauten mochte, aber sie würde die Wahrheit sein, dafür würde Jake schon sorgen.
Erneut legte Jake der jungen Frau in seinen Armen eine Hand an die Wange, als sie so bitterlich traurig zu ihm auf sah. Es brach ihm das Herz Tess so zu sehen. Dennoch hatte er keine Antwort auf die eine Frage die in ihrem Kopf herumschwirrte. "I don't know if it happens to everyone" sagte er vorsichtig. "Maybe not if you ..." doch Jake wusste, dass jedes seiner Worte die Situation nur noch schlimmer machen würde. "I will go back immediately when I brought you to that zone, okay? I will burry your dad like he deserved it" versprach er stattdessen. Denn ihr Blick und der abgebrochene Satz ließen darauf schließen, dass sie ihren Vater einfach so hatte zurück gelassen, nachdem er verstorben war. Jake würde ihn finden und begraben. Und wenn es sein musste würde er dafür sorgen, dass tot bleiben würde. Das war aber etwas das er bewusst nicht erwähnte. "I promise you, Tess. I will take care of this."
Michael Porter
Ein Psychologe hätte Michael nach wohl einer Sitzung sagen können, dass es gar nicht der Anwalt war, auf den er so wütend war. Viel mehr richtete sich seine Wut gegen ihn selbst. Der Anwalt war lediglich das Ventil dafür. Vor allem seitdem er wusste, dass Mike nichts weiter war als ein Betrüger. Ohne richtigen Abschluss oder das Recht als Anwalt zu praktizieren. Vielleicht hätte ein richtiger Anwalt anders entschieden. Darum lenkte er seinen Hass immer mehr auf ihn, anstatt ihn bei sich selbst zu suchen. Seit Jahren war es sein Job, die Menschen zu beschützen. Viele Menschen hatte er gerettet. Nur seinem Sohn hatte er nicht helfen können. Gerade seinen Sohn, den er als Vater hätte beschützen müssen. Die Schuld dessen lastete schwer auf seinen Schultern.
Erst jetzt, da Liza Healey ansprach, wandte er seinen Blick zu dieser. Diesen Blick der Verzweiflung hatte er schon oft gesehen und es erinnerte ihn daran, dass er niemand war, der ein unschuldiges Leben nahm. Egal wie wütend er auf diese Person war. Darum senkte er schließlich die Waffe, sicherte sie wieder und schob sie zurück in die Halterung des Schultergurtes. Seine Uniform trug er schon lange nicht mehr. Nur noch der Waffenhalter um seine Schultern deuteten daraufhin, was er vor der Apokalypse gewesen war. „Let her in.“, wies er Troy an und klang jetzt mehr müde anstatt wütend. „Cage said to keep them seperate.“, erwiderte dieser. „And I said to bring her in. Go!“ Unmerklich verzog Troy das Gesicht zu einer Grimasse. Wenn es eine Sache war, die er nicht leiden konnte, war es wenn man über hin hinweg entschied. Er hatte seine eigenen Befehle wozu Michael nicht das Recht besaß sich zu äußern. Murrend wandte er sich aber doch ab um die Tür zu Healeys Kammer zu öffnen.
In der Zwischenzeit zog Mike sich an der Wand wieder nach oben. Vorsichtig fasste er mit den Fingern an den Schnitt über seine Augenbraue. Ein kleiner Schmerz durchzog seinen Kopf, den er mit dem Einziehen von Luft kommentierte. „I know what you're going through.. more than you know. I tried to find the driver but he was nowhere to be found and sending an innocent man to prison would've been wrong.“, erklärte Mike sich ein weiteres Mal, dabei sprach er ruhig und verständnisvoll. „I am deeply sorry for your loss.“
„We don't need your empty words.“, unterbrach Michael ihn kühl. Nur weil er sich dazu entschlossen hatte ihn nicht umzubringen, hieß dies nicht, dass er ihn deshalb mehr leiden konnte. „You are still a fraud. You had no right to attend our case or even be in the court.“ Mike nickte. Die Schuld seines Verbrechens hatte ihn schlußendlich ja dazu gebracht willentlich ins Gefängnis zu gehen. Viele waren ihm deshalb böse gewesen, aber für ihn war es das Richtige.
Michael hatte sich seiner Frau wieder angenähert und legte eine Hand an ihren Arm als Zeichen, dass die Situation wieder unter Kontrolle war. Er hatte sie damit nicht ängstigen wollen. „I will keep an eye on you, Mike Ross. You and your terrorist friend.“ Wieder machte sich Verwirrung in Mike breit. Michael hatte das nicht zum ersten Mal gesagt. Er war nur mit Healey und Roman hier eingekommen. Keiner von ihnen hatte irgendwelchen Draht zu Terrororganisationen. Nicht einmal durch einen ihrer Fälle, daran würde er sich erinnern. „I still don't know what you're talking about.“, dementierte Mike deshalb sofort und konnte dabei ehrlich sprechen, denn von Romans geheimen Leben wusste er nichts. Der Polizist schnaubte nur noch. „Every lie comes out eventually.“
Darauf reagierte Mike gar nicht mehr, denn endlich hatte man Healey zu ihm gebracht. Sofort ging er zu ihr und schloss sie in seine Arme. Vermutlich hatte sie größere Angst gehabt als er. Fest hielt er sie, damit niemand in der Welt ihr mehr etwas antun konnte. „I'm okay.. it's all good.“, versprach er ihr flüsternd.

Zum ersten Mal gehörten Tess Gedanken nicht Troy. Sie war nicht sonderlich erpicht darauf ihn zu sehen. Wie Jake es vermutete, wusste ihr Freund über all dies bestens Bescheid und doch hatte er nichts gesagt. Keinen von ihnen hatte er gewarnt. Wäre sie nicht durch die Aufregung so unfassbar wütend, wäre sie jetzt wütender auf ihn als eh und je. Stattdessen beruhigten sie aber Jake's Berührungen und das Streicheln über ihren Rücken. Sogar sein Geruch hatte etwas tröstendes. Gerade hätte sie gar nichts dagegen eine Weile so stehen zu bleiben und den Rest auszublenden.
„What? No..“, widersprach sie ihrem guten Freund sofort als er von seiner waghalsigen Idee erzählte. „No no no no no no.“ Tess glaubte, würde sie mehrere Male sagen, dass er nicht gehen konnte, würde es ihm auch selbst klar werden. Ihre Arme hatte sie von ihm gelöst und legte nun ihre Hände an seine Brust. Bis auf Umarmungen hatte sie es bisher immer vermieden ihn an Stellen zu berühren, die so intim waren. Jetzt dachte sie darüber aber gar nicht nach. Oft schon hatte sie sich ihm gegenüber so gefühlt wie gerade, hatte es aber immer in ihren Hinterkopf verbannt um keines der Mädchen zu sein, die ihren Freund wegen dessen Kumpel verließ. So jemand hatte sie nie sein wollen, doch war es Troy selbst, der sie immer weiter in seine Arme trieb. „You can't go alone. It's way too dangerous. If you go, I'm going with you.“, verlangte die Braunhaarige mit fester Stimme, die sie jetzt, da es um Jake's Leben ging, wiedergewann. Ihn alleine gehen zu lassen, kam nicht in Frage. Nicht jetzt, da sie ihn doch gerade erst gefunden hatte. Sarah wäre diesbezüglich sicherlich auf ihrer Seite. Das Wichtigste war es jetzt, zusammen zu bleiben.
„Please, Jake.. don't. I cannot lose you too.“
Dabei hielt sie sich jetzt an seinem T-Shirt fest als könne sie ihn dadurch hindern zu gehen. Ihren Vater hatte sie erst kürzlich verloren. Troy war ihr schon vor Monaten entglitten und besonders viele Freundinnen besaß sie nicht. Zu keinen von ihnen hatte sie Kontakt seitdem jegliche Form der Kommunikation abgebrochen war. Irgendwie würde sie auch alleine klar kommen, da war sie sich ganz sicher. Tess war clever und dickköpfig. Jedoch wollte sie nicht noch einen weiteren Verlust beklagen müssen. Vorallem nicht, wenn es Jake war, für eine Sache die sinnlos war. Wenn es stimmte, was er sagte, war ihr Vater nicht mehr er selbst und stellte eine Gefahr für jeden dar, der ihm zu nahe kam. Sollte es nicht stimmen, blieb Zeit genug ihn zu begraben, sobald ein Heilmittel gefunden war. Ihr war nicht wohl bei dem Gedanken ihren Vater verrottend zurück zu lassen, aber sie konnte genauso wenig schlafen, wenn Jake sich ihretwegen in Gefahr begab.
Healey Smith
Liza atmete sichtlich erleichtert aus, als Michael endlich wieder zu Sinnen kam. Er war einer der Guten und das schon immer gewesen. Nie hatte er einfach verurteilt. Schon immer hatte er sich dafür eingesetzt, dass die Richtigen verurteilt wurden und nur sehr selten ging er ans Äußerste. Gott sei Dank hatte Michael eingesehen, dass dies nicht einer dieser Momente in seinem Leben gewesen war. Mike konnte am Ende des Tages nichts für den Tod ihres Jungen und auch sein Tod hätte dies nicht mehr geändert. Es hätte lediglich dafür gesorgt, dass dessen Freundin an dem Verlust zerbrochen wäre und niemand konnte wohl sagen welches Ausmaß dies am Ende noch genommen hätte.
Auch Healey auf der anderen Seite der Plastikwand stand die Erleichterung förmlich ins Gesicht geschrieben, auch wenn dies immer noch von Panik zerfressen war. Ihr Blick lag nur auf Mike weshalb sie für einen Moment gar nicht realisierte, dass Troy zu ihr geschickt wurde. Erst als dieser sie ansprechen musste, nahm sie seine Anwesenheit überhaupt wahr. Und auch wenn sie den Soldaten noch nicht besonders lange kannte, war dies wohl das erste Mal seit ihres Zusammentreffens, dass sie froh über seine Gesellschaft war. Denn dies hieß, dass sie zu Mike durfte und das musste er ihr nun wirklich nicht zwei Mal sagen. Sofort eilte sie an Troy vorbei in den kleinen Nebenraum. Und obwohl sie sich so beeilte und große Schritte ging, kam es Healey wie eine halbe Ewigkeit vor, bis sie sich endlich in Mikes Armen wiederfand. Das letzte Stück war sie sogar beinahe gesprintet, um ihm schließlich verzweifelt um den Hals zu fallen. Dies war auch der Moment in dem alle Dämme brachen. So sehr sie auch vorher versucht hatte gegen die Tränen anzukämpfen gelang es ihr nun nicht mehr. Das Gesicht vergrub sie in seiner Halsbeuge. Ihre Finger vergrub sie in Mikes kurzem Haar und hielt sich so verzweifelt an seinem Hemd im Nacken fest, dass sie drohte es mit ihren Nägeln noch zu durchbohren würde sie nur noch etwas mehr zupacken. Die Blonde wollte einfach ganz sicher gehen, dass niemand mehr ihr jetzt Mike entreißen würde. "I was so scared" murmelte sie schluchzend.
Liza beobachtete das Geschehen für einen Moment und war nun nur noch überzeugter davon, dass Michael das Richtige getan hatte. Mike zu verschonen hätte mehr Unheil angerichtet, als dass es am Ende für Frieden gesorgt hätte. Schwach lächelnd legte sie deshalb ihrem Mann eine Hand an die Seite. Mehr konnte auch sie einfach gerade nicht aufbringen, da durch die Begegnung mit dem jungen Paar alles wieder aufgewühlt wurde. Dennoch musste sie ihrem Job nachkommen. Mike untersuchen würde sie an diesem Abend nicht mehr, aber sie musste den beiden wenigstens die Möglichkeit bieten die Wunde an seiner Stirn zu säubern und zu verschließen. Also löste sie sich von Michael und ging noch einmal in den Nebenraum, wo sie alle Medikamente gelagert hatte, während der Raum, in welchem die anderen waren, viel mehr wie eine Ausnüchterungszelle wirkte. Mit einer kleinen Flasche Desinfektionsmittel und einem ausreichend großem Pflaster kam sie zurück. Es würde reichen, bis sie sich das ganze am nächsten Tag genauer ansehen würde.
Die Sachen legte sie auf einen Stuhl, der mit dem Rücken zur Plastikwand stand. "For your head .." sagte sie schlicht an Mike gewandt, da Healey so neben der Spur war, dass diese ihr sowie so nicht mehr zuhören würde. "The check up is tomorrow. I let one of the soldiers bring you blankets" beendete sie das Gespräch, denn mehr hatte auch Liza Mike nicht mehr zu sagen. Zumindest nicht an diesem Abend. Stattdessen nickte sie ihrem Mann zu, dass er ihr nach draußen folgen sollte und auch Troy gab sie ein ähnliches Zeichen. Der Junge brauchte eben so Feierabend, wie die beiden. Der andere Soldat bei ihnen war von der Nachtschicht und würde sich um alles weitere kümmern.

Sanft umschloss Jake eine von Tess' Händen an seiner Brust mit seiner eigenen. Er merkte wie ihr Vertrauen in ihn zurückkam und das beruhigte ihn ungemein. Zwar sollte sie sich auch nicht um ihn sorgen, aber es war schon einmal besser, als dass sie sich vor ihm fürchtete. "You will never lose me, Tess" versprach er mit einem optimistischen Lächeln. Vielleicht irrte er sich ja und Menschen, die zwar durch den Virus starben aber nicht von einem Biss infiziert wurden, kamen überhaupt nicht zurück. Dies würde bedeuten, dass Tess' Vater einfach nur leblos zu Hause liegen und gar keine Gefahr darstellen würde. Sicher konnte er sich darüber wirklich nicht sein, aber er musste diese Möglichkeit einfach genau so in Betracht ziehen, die das was er bereits bei Cassie miterlebt hatte.
"But fine" willigte er schließlich ein. "I won't go alone. Maybe someone in the zone can help us with this" überlegte er. Zumindest Troy würde er überreden können noch einmal zurück zu gehen, wenn sie ihn dort denn finden würden. Sein Freund war zwar manches Mal furchtbar anstrengend und konnte ein Arsch sein, aber Jake glaubte daran, dass ihre Freundschaft und dessen Beziehung zu Tess ihn vielleicht doch davon überzeugen konnten einmal etwas zu tun, dass seiner Freundin viel bedeuten würde. Denn auch Jake hatte das Gefühl, dass das letzte Mal, seit Troy sowas für die Brünette getan hatte, schon eine halbe Ewigkeit her gewesen war.
Jetzt fiel sein Blick aber auf ihre Hände. Ihm war bislang gar nicht aufgefallen, wie nahe die beiden sich standen und dass sie normalerweise vermied ihn so zu berühren. Denn wenn sie mal ganz ehrlich miteinander waren, taten die beiden schon seit Monaten nichts anderes als zu versuchen dem anderen soweit aus dem Weg zu gehen, dass es nicht merkwürdig wurde. Es war wie auf rohen Eiern zu laufen. Jake war nicht blöd. Er merkte, dass da irgendetwas bei Tess sein musste, dass sie ähnlich wie ihn fühlen ließ. Und sie beide wussten ganz genau, dass diese Gefühle falsch waren und Troy gegenüber nicht fair.
Er atmete kurz durch, doch Tess musste fühlen, dass sein Herzschlag sich beschleunigt hatte. Denn er selbst hatte ja bereits das Gefühl, dass sein Herz ihm jeden Moment aus der Brust springen würde. "Tess ..." sagte er leise, was nicht viel mehr als ein Flüstern war. "You'll be okay. I make sure you will be" versprach er, wobei sein Gesicht dem ihren gefährlich nahe kam. Doch diese Grenze in seinem Kopf hinderte Jake erfolgreich daran die letzten paar Zentimeter zu ihren Lippen einfach zu überbrücken. Nicht jetzt und nicht hier, redete er sich immer wieder ein und es schien zu funktionieren.
RPG-Admin
Fest schlang Mike seine Arme um den zitternden Körper seiner Freundin. Eine Hand hatte er dabei schützend an ihren Hinterkopf gelegt. Ihm war es schwer gefallen die Ruhe zu bewahren als man zwei Mal hintereinander eine Waffe auf ihn richtete. Healey zuliebe hatte er sich bemüht seine eigene Angst nicht zu zeigen, fühlte aber auch jetzt wie die Erleichterung ihn durchströmte. „I know.. I know.. it's all okay now.“, flüsterte er der Blonden beruhigend zu und küsste sie sanft aufs Haar. Seinen Blick wandte er dann Liza zu, die ihm wenigstens ein paar Utensilien da ließ, damit er seinen Kopf versorgen konnte. Als Dank nickte er ihr nur gut zu. Der Anwalt konnte sich gut vorstellen, dass jedes Wort das er nun sagte, zu viel war. Niemand bat um seine Meinung. Schon zuvor hatte das Ehepaar jedes seiner Worte ignoriert, darum sparte er sich jetzt jedes weitere. Noch einen Moment wartete er, bis alle das Zimmer verlassen hatten und er hörte wie der Schüssel im Schloss umgedreht wurde. Endlich waren sie alleine.
Mike löste sich ein Stück von Healey. Nur damit er ihr tränenüberströmtes Gesicht zwischen seine Hände zu nehmen. Er hasste es sie so zu sehen. Davor hatte er sie beschützen wollen. Genau darum hatte er geglaubt in die Zone zu kommen wäre eine gute Idee. Wie sehr er sich doch geirrt hatte. Sanft wischte er ihr mit den Daumen die Tränen von den Wangen. „Stop crying, Healey.“, bat er sie ruhig. „It's all okay. Roman is being taken care of and we will spent the night here in peace. Everyone will have calmed down until tomorrow, I'm sure of it.“
Es war schon spät und er konnte sich nicht im Traum vorstellen, was die Arbeiter hier täglich erlebten. Michaels Reaktion nahm er ihm nichtmal sonderlich übel. Das Einzige, was ihn noch beschäftigte waren seine Worte, die nur Roman gegolten haben konnten. Healey hatte sie auf der anderen Seite sicher nicht gehört, aber ansprechen wollte er es nicht, bevor er nicht wusste worum es ging. Roman hatte schon immer seine Geheimnisse gehabt und die Befürchtung, dass etwas größeres dahinter steckte war nun mehr als groß. „I love you.“, sagte er stattdessen um die dunklen Gedanken zu vertreiben und hoffte, Healey wieder zum Lächeln zu bringen.

„You will explain this to Cage tomorrow.“, verlangte Troy, nachdem die kleine Gruppe das Zimmer verlassen hatte. Michael zog seinen Schlüssel vom Bund und versperrte die Tür. „Good night, Troy.“, erwiderte der Polizist bloß, da er nicht vor hatte sich auf irgendwelche Diskussionen mit dem Jungen einzulassen. Viel zu oft spielte er sich auf als hätte er ihr das Sagen. Niemand musste erfahren, dass der Check Up noch gar nicht stattgefunden hatte oder das Michael den Neuling bedroht hatte. Wütend schnaubend wandte Troy sich von dem Ehepaar ab und verließ den Keller.
Um sich später nichts anhängen lassen zu müssen, überprüfte er nochmal ob die Tür fest verschlossen war. Danach erst steckte er den Schlüssel zurück. Ausbrüche wie den gerade, machten ihn in der letzten Zeit immer müde. Beinah war er froh um den Ausbruch des Virus gewesen, denn es hatte ihn von all dem Schmerz und der Schuld abgelenkt. Aber seine Vergangenheit holte ihn wieder ein. Sowie es immer mit diesen Dingen zu sein schien. Auf dem Weg zum gemeinsamen Apartment verfiel er in Schweigen, wie er es so oft tat seitdem William gestorben war. Er hatte stets versucht auch Liza zu stützen, die unter dem Verlust genauso leiden musste wie er. Jeden Tag gelang ihm das aber nicht und jetzt war alles wieder aufgewühlt. Noch dazu zu wissen, dass sie einen durchaus gefährlichen Menschen in die Zone gelassen hatte, beunruhigte ihn. Darüber musste er mit Cage reden. Die Leute die hier reinkamen mussten noch strenger gecheckt werden bevor man sie hineinließ.
„The man you treated before.. the one with the gun shot.“, durchbrach er die Stelle während er die Tür aufschloss. Ganz hatte er seine alte Art nicht vergessen und hielt Liza die Tür auf damit sie in die Wohnung eintreten konnte. „Did he say anything to you?“, wollte er von ihr wissen. Michaels Weg führte ihn direkt zum Kühlschrank, der dank eines Stromgenerator noch funktionierte und ihm immerhin eine Flasche Bier spendierte. Er war kein Trinker, nie gewesen, aber nach einem anstrengenden Tag hatte es ihm immer geholfen etwas herunterzufahren und zu entspannen. Er lehnte sich an die Küchenthecke und sah prüfend zu seiner Frau. Sie noch mehr zu belasten lag ihm fern, aber er musste es wissen. Irgendwie hoffte er, dass er Roman vielleicht einfach nur verwechselt hatte. Als er diesen aufgesucht hatte, hatte er schon längst geschlafen und so hatte er nicht mehr mit ihm reden können.

Tess konnte schon Jake's warmen Atem auf ihrer Haut spüren. Alles in ihr schrie danach einfach dem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, welches von ihm ausging, nachzugeben. Von Troy konnte sie dieses schon seit Wochen nicht mehr erwarten. Wenn sie ehrlich war, gab es keinen Grund warum sie überhaupt noch mit ihm zusammen war. Vielleicht aus Gewohnheit. Vielleicht damit sie Jake weiterhin sehen konnte. Sie wusste es nicht. Jetzt war ihr zum Greifen nah. So nah wie noch nie zuvor. Ein wenig fester umschloss sie seine Hände. „You always have..“, erwiderte sie leise. Seitdem sie ihn durch Troy kennen gelernt hatte, war er immer für sie da gewesen. Viel mehr als es ihr eigentlicher Freund war. Doch nachgeben konnte sie nicht, aus Angst was Troy tun würde, wenn er es jemals erfuhr, aber Jake loszulassen fiel ihr unheimlich schwer.
„There is nothing here!“, war es schließlich Sarah die, die Zweisamkeit durchbrach. Schon beim Verlassen des Diners hatte sie zu ihnen herübergerufen. Von dort aus konnte sie nur sehen das Jake und Tess nah beieinander standen. Tess ließ sofort Jakes Hände los und entfernte sich einige Schritte. Nun war es auch ihr Herz das raste. Sie fühlte sich als wäre sie bei etwas furchtbar unartigem erwischt worden. „Nothing?“, fragte sie nach, wobei ihre Stimme noch etwas desorientiert klang. Die Welt um sich herum hatte sie für einen Moment ganz vergessen. Für immer hätte sie so bei Jake stehen bleiben können und sie wünschte sich, dass es gar keinen Troy gäbe, der es ihnen übel nehmen konnte oder keine Sarah, die sie unterbrach. „Nothing. There is not even running water and everything usuable has been raided already.“, berichtete Sarah. Es erklärte, warum sie noch immer voll mit Blut war. In der Dunkelheit war es erst zu erkennen als sie näher gekommen war. „Is everything okay with you?“, fragte sie Tess, da diese vollkommen durch den Wind zu sein schien. „Yeah.. yeah.. I was.. just thinking of my dad. That's all.“, sagte sie schulterzuckend. Eine verwirrte Haarsträhne strich sie sich hinters Ohr um ihre Hände irgendwie für einen Moment zu
beschäftigen. Bewusst vermied sie jetzt jeden Blick zu Jake. Sie hatte das Gefühl, dass jede kleinste Bewegung in seine Richtung verraten konnte, was fast geschehen wäre. Gleichermaßen fragte sie sich aber, was so schlimm daran gewesen wäre.
Verständnisvoll nickte Sarah. Es war nicht so, dass sie nicht merkte das etwas bei den beiden ganz und gar nicht stimmte, aber sie beschloss Jake darauf später alleine anzusprechen. Wenn es das war, wovon sie ausging, war es alles andere als gut. „We should keep driving.“, richtete Sarah stattdessen das Thema auf ihren eigentlich Wunsch. „It's only one or two hours until the zone.“
„I can drive if you want to rest.“, schlug Tess vor, die über Ablenkung gerade sehr froh wäre.
Healey Smith
Die Stimme der jungen Frau zitterte schon beim Versuch ruhiger zu atmen. So nah einer Panikattacke war Healey wohl das letzte Mal gewesen, als man Mike in ein Gefängnis gesteckt hatte und sie nicht wusste wie es weitergehen sollte. An diesem Abend war es ganz ähnlich, nur dass das Adrenalin ihren Körper davon abhielt nun schlapp zu machen. Denn nicht nur hatte man gerade gedroht Mike umzubringen, sondern hatte man ganz ähnliches zuvor schon mit ihrem Bruder getan und von dem wusste sie nicht einmal wo genau er sich gerade aufhielt. Ihr ganzes Leben hatte sie sich nichts zu schulden kommen lassen. Während ihres Studiums hatte sie immer versucht sich für die kleinen Leute in ihrer Kanzlei einzusetzen, für jeden der anders vielleicht gar nicht angehört wurde. Healey wusste um ihre guten Karmapunkte auf ihrem Konto und trotzdem wurden sie alle hier behandelt wie Schwerverbrecher. Dabei hatten sie nichts weiter getan als ganz berechtigt alles in Frage zu stellen, was die Soldaten da taten. Denn so wie sie Roman behandelten verletzten sie einfach seine Rechte. Vielleicht war es dumm gewesen mit einem juristischen Denken an die Sache heran zu gehen, aber ganz ausstellen würde man das wohl nie können.
Und widerwillig löste Healey also die Hände aus Mikes Nacken, aber nur um sich im nächsten Moment an seinen Seiten festzuhalten. Trotz des Adrenalins fühlten sich ihre Beine nämlich an wie Pudding und sie wollte es nicht riskieren vielleicht doch dem ganzen Stress am Ende nachzugeben. "I love you too" presste sie unter einem tiefen Schluchzer heraus, wobei sie sich zu ihm hoch streckte und ihre Lippen auf seine presste. Die Hände ließ sie dabei zu seinen Wangen wandern, berührte diese aber nur sehr zaghaft. Immerhin blutete er noch immer und Healey befürchtete, dass es Mike eventuell schmerzen könnte, würde sie ihn zu grob berühren.
Sie küsste ihn mehrere Male, als würde sie ihm so zeigen wollen, wie sehr sie ihn liebte. Für einen Moment blieb sie einfach so mit ihm stehen. Mike zu verlieren war zu einer von Healeys größten Ängsten geworden. Wirklich erklären wo diese innige Bindung herkam, konnte sie nicht aber wollte es auch nie. Sie war da und darum war sie froh. "Let me take care of your head" flüsterte sie schließlich in den letzten Kuss hinein, bevor sie Mike schon wieder viel erleichterter ansah als zuvor. Selbst ein seichtes Schmunzeln hatte sich dabei auf ihren Lippen gebildet, auch wenn sie noch immer ab und zu schluchzen musste.

Obwohl keiner der drei wirklich entspannt war, musste Liza doch über das Verhalten Troys schmunzelnd den Kopf schütteln. Michael und Cage würden ganz sicher miteinander sprechen, dass er also der Auffassung war er müsse das ganze noch einmal deutlich erwähnen, war fast schon etwas niedlich. Troy glaubte von Anfang an er sei besser gewesen als die meisten hier. Liza tat das mit seinem jungen Alter ab und solange er damit keinem schadete fand sie es auch überhaupt nicht schlimm. Sollte er sich austoben, Cage würde ihn schon zurecht weisen, sollte er zuweit gehen. Deshalb befasste sie sich auch gar nicht weiter mit dessen Worten, sondern folgte stattdessen ihrem Mann.
"What about him?" fragte Liza, als sie an Michael vorbei das die Wohnung betrat. Diese Frage erübrigte sich jedoch, da ihr Ehemann gleich auf den Punkt kam. Ihren Kittel, den sie normalerweise auf der Krankenstation ließ, zog sie aus und hing ihn erst einmal ordentlich an den Haken hinter ihrer Haustür, bevor sie Michael in die Küche folgte. Dort setzte sie sich auf einen der Stühle an den dunklen Esstisch und zog die Beine auf die Sitzfläche, so dass sie ihre Arme auf ihren Knien ablegen konnte. So saß Liza immer am Tisch, wenn sie versuchte sich selbst aufzufangen, da sie etwas aus der Bahn geworfen hatte. Je kleiner man sich machte, desto kleiner war die Angriffsfläche die man einem bot. Nicht, dass Michael sie angriff, aber es war einfach ein Schutzmechanismus, welchen die Ärztin in den Jahren in ihrem Job aufgebaut hatte.
"He didn't" beantwortete sie schließlich Michaels Frage. "He was unconscious when they brought him to me" erklärte sie weiter, damit ihr Mann wusste, wieso Roman nichts hatte zu ihr sagen können, selbst wenn dieser gewollt hätte. "I stiched him up and made sure he sleeps until tomorrow. He lost a lot of blood .. The only thing I know about him is that he's the girl's brother. I checked him, he had nothing on him that said who he is." Normalerweise berücksichtigte Liza immer die Privatsphäre ihrer Patienten, aber wenn jemand mit einer Schussverletzung in ihre Behandlung kam, musste sie einfach ein paar Dinge über diese Person wissen. Aber bei Roman gab es da nicht allzu viel zu finden. Das hatte Michael sicher schon selbst festgestellt. Denn woher sollte er sonst von Roman wissen, wenn er nicht längst bei ihm gewesen war? Liza kannte ihren Mann gut genug um zu wissen, dass sein Instinkt als Polizist ihn schon längst zu ihrem Patienten geführt hatte. "But back with Mike .. you said something about a terrorist? You think that guy is one ..?"

Mindestens genau so schnell wie Tess sich einige Schritte von Jake entfernt hatte, tat er ihr dies gleich kaum das er Sarahs Stimme gehört hatte. Nicht nur, dass er Tess und ihn beinahe zu etwas gebracht hätte, wovon sie nicht mehr hätten zurückkommen können. Sondern fühlte er sich jetzt auch noch schuldig Troy und Cassie gegenüber. Für einen Moment wünschte er sich es wäre alles weniger kompliziert. Jetzt standen sie aber hier und trauten sich nicht einmal mehr den anderen anzusehen, aus Angst Sarah könnte sie sofort durchschauen. Und genau aus diesem Grund verschränkte Jake auch die Arme vor der Brust. Denn es sollte erstens sein rasendes Herz vertuschen und zweitens wollte er seriöser wirken, als er sich gerade vorkam.
"If Troy is in the zone" setzte er nun an und tat so als wolle er Sarah darüber aufklären zu welcher Erkenntnis die beiden gerade gekommen waren. "He will know more about all of this. He must have when left Tess already" fuhr er fort und wagte nun doch einen kurzen Blick zu der Brünetten. Er wollte sie damit nicht wieder kränken, aber irgendwie mussten sie so normal wie nur möglich wirken. Falls sie der Gedanke also wieder traurig stimmen würde, war in diesem Falle also gar nicht so schlecht, aber Jake wollte noch immer nicht der Grund für ihre Traurigkeit sein.
Jetzt überbrückte er aber erst einmal den Abstand zu seiner Schwester. Vorsichtig hob er mit Daumen und Zeigefinger ihr Kinn an, um die Wunde an ihrem Kopf etwas genauer zu beäugen. "How do you feel?" wollte er erst einmal wissen, bevor sie einfach so wieder losfuhren. Das Blut an ihrer Schläfe begann bereits zu trocknen und wurde viel dunkler als noch im frischen Zustand. Jake konnte sich nur ansatzweise vorstellen, wie sehr es in ihrem Kopf hämmern musste. "But that's a good idea" wandte er sich nur für einen kurzen Moment erneut an Tess und schenkte ihr ein dankbares Lächeln. "Thank you" bedankte er sich, denn auch er konnte wohl eine gute Mütze Schlaf gebrauchen. Eigentlich wollte er keinen der beiden fahren lassen, damit die beiden Frauen sich ausruhen konnten. Aber in einer Diskussion mit Tess zog er meist den Kürzeren und er hatte jetzt auch überhaupt kein Bedürfnis danach mit ihr darüber zu diskutieren. Wenn Sarah also fit genug war für eine Weiterreise, dann sollte Tess ruhig fahren. Wahrscheinlich würde Jake sowie so nicht schlafen können und bleib am Ende mit ihnen zusammen wach.
Mike Ross
Für einen kurzen Moment hatte Mike die Wunde an seinem Kopf ganz vergessen. Wichtiger war es, dass Healey bei ihm war. Die aufgeplatzte Haut sah vermutlich schlimmer aus als es war. Ein paar Tropfen des Blutes waren auf seinen Pullover getrofft, was durch die schwarze Farbe der Wolle jedoch kaum zu sehen war. Sanft erwiderte er Healeys Küsse. Ehrlich gesagt war er froh, sie jetzt bei sich zu haben. Seitdem er sie kannte, hatte sie ihm immer beigestanden. Ganz egal wie schwer es auch geworden war und sie hatten wahrlich schlimme Zeiten überstanden. Deshalb war er aber auch so zuversichtlich, dass sie auch all das hier gemeinsam überstehen würde. Wie, wusste er noch nicht, aber mit diesem Gedanken wollte er sich auch heute nicht mehr quälen.
„I guess I kinda deserved that.“, schmunzelte er damit die Situation wieder etwas lockerer wurde. Healey sollte auf andere Gedanken kommen. So müde hatte er sie lange nicht mehr gesehen. Nichtmehr seitdem sein Prozess zuende gewesen war. Leichte Kopfschmerzen machten sich breit, aber es war nichts, was er nicht ertragen konnte. Gänzlich löste er sich nun von seiner Verlobten, nahm aber ihre Hand und führte sie zur Pritsche auf der sie heute zu zweit nächtigen würden. Mit einem tiefen Seufzen ließ er sich darauf nieder. Bequem war es nicht. Viel mehr fühlte es sich an wie eine Metallplatte auf die man einer dünne Matratze gelegt hatte, die genauso gut auch nur eine Decke hätte sein können. Es war nicht die kleine Verletzung, die ihm zu schaffen machte, sondern vielmehr die Gedanken, die Michael in ihm gesäht hatte.
„How are you feeling? Is your back alright?“, fragte er Healey um von sich selbst abzulenken. Es würde ihm nicht gerade leicht fallen, ihr zu verschweigen was er wusste und gehört hatte. Da hielt es für die beste Idee, erst gar keine Fragen in ihr aufkommen zu lassen. Zumal sie zur Ruhe kommen musste, das sah er ihr deutlich an. Nur ungern war er der Grund dafür, dass sie so durcheinander war. „My head isn't as bad as it looks.“, versicherte er ihr. Es hatte bereits aufgehört zu bluten, was er als gutes Zeichen empfand. Anscheinend musste es nichtmal mehr genäht werden, sonst wäre Liza sicherlich geblieben. Sie mochte noch so wütend auf ihn sein, aber sie war ein guter Mensch, dessen war Mike sich sicher. Genauso wie ihr Mann, auch wenn dieser sich nicht von der besten Seite gezeigt hatte. Er hatte nicht wirklich daran geglaubt, dass Michael abdrücken würde. Zum Glück hatte sich dies bewahrheitet.

Stumm nickte Michael. Er hatte schon damit gerechnet, dass Liza kein Wort mit ihm gewechselt hatte. Zum Glück, dachte er sich. Seine Frau war eine gute Ärztin mit Durcsetzungsvermögen. In einem Raum mit einem Terroristen, wollte er sie aber trotzdem nicht haben. Das Risiko war zu groß. Vor allem mit jemandem wie Roman. Er war gut in dem was er tat, das musste er ihm lassen. Eine Herausforderung für jeden Ermittler. Nichtmal das FBI hatte es geschafft ihn für mehr als ein paar Tage festzuhalten. Nochmal nahm er einen Schluck aus der Flasche bevor er Antwortete. „I'm afraid so.“
Das Bier stellte er auf dem Esstisch ab. An diesem lief er aber vorbei in sein Arbeitszimmer. Aus einem der verschlossenen Aktenschränke holte er einen Ordner und kam mit diesem zurück. Es war nicht so, dass er Liza nicht vertraute, aber er unterstand ähnlich wie Ärzte einer Schweigepflicht. Je weniger seine Frau also wusste, desto besser war es für sie. Hin und wieder erzählte er ihr von der Arbeit, doch nie zeigte er ihr Bilder oder ließ sie ganz in die Ermittlungen. Dafür war es viel zu gefährlich. In der Situation in der sie nun waren, empfand er es aber als wichtig, dass sie Bescheid wusste. Den Ordner öffnete er und breitete Dokumente und Bilder vor ihr aus. Einiges war von Tatorten von Anschlägen und Schießereien, anderes Bilder die, die Verkehrskameras von Roman gemacht hatten. Keines der Bilder war besonders scharf, bis auf eines. Es war bei einem Fall vor wenigen Monaten in Venedig aufgenommen worden. Obwohl das Foto eine gute Qualität besaß, war Roman recht gut getarnt. Eine Sonnenbrille und Kappe verdeckten die Sicht auf sein Gesicht. „He goes by the name Arnold Edwards or Roman Kruger. We don't know if either of that is his real name.“, begann er zu berichten und befand sich schlagartig in einer konzentrierten Phase. „Identiytheft, murder, assault and robbery are just some of his minor crimes. As much as we know.. which isn't a lot to be fair, he belongs to one of the biggest and most dangerous terroristic organisations we have ever seen. Extremely hard to catch, very well prepared and ruthless. They have been trying to bring down the government for months now.“ Nichts davon kam je an die Öffentlichkeit. Man hielt es für bessere dem einfachen Volk zu verschweigen, was ihm eigenen Land vor sich ging. Bombenanschläge und entführte Flugzeuge ängstigten sie genug. „The FBI didn't manage to hold him for more than a week before he escaped and just.. vanished. There is nothing to really pin him down. Or the people he is working with for that matter. They got a few but they killed themselves before they could say anything. Or were killed by their so called friends.“
Michael machte eine Pause um durchzuatmen. Es waren viele Informationen auf einmal, dass wusste er und ihm selbst rasten die Gedanken. „When I saw him with Mike I thought there was a connection. He's a fraud after all but he seemed genuinly confused.“ Müde ließ er sich auf den Stuhl sinken. Mit der Hand rieb er sich über die Augen. „The fact is that we have a terrorist chained to a hospital bed. Someone unpredictable without any kind of remorse.“, beendete er seinen kleinen Vortrag über Roman. Schon viele Nächte hatte er sich über ihn den Kopf zerbrochen. „Maybe his sister is in on it too, maybe she isn't and maybe she isn't even his sister at all.. we don't know anything about his life.“ Sie wussten nicht einmal, wie viele dieser Organisation tatsächlich angehörten oder wem sie hier jetzt noch vertrauen konnten. Jemanden wie Roman hier zu haben, gefährdete die ganze Zone.

„I am fine, brother.“, erwiderte Sarah und schob Jakes Hand von ihrem Kinn. Noch immer pochte ihr Kopf wie verrückt, aber ihre Knie fühlten sich wenigstens nicht mehr so weich an. Mit einem festen Stand fühlte sie sich gleich viel besser. Das getrockente Blut spannte auf ihrer Haut, war aber gewillt dies vorerst zu ignorieren. „A headache is nothing I can't handle. Stop worrying.“, bat sie ihn mit einem leichten Lächeln. Sie hatte auch die letzten Stunden der Fahrt überstanden, da schaffte sie auch noch das letzte Stück. Gerade die Sicht auf eine Dusche, ließ sie durchhalten. Im Spiegel hatte sie gesehen, wie gespenstisch sie mittlerweile aussah. An Tess Blick konnte sie sehen, dass sie jetzt auch den Grund dafür kannte und sie war dankbar, dass sie es nicht selbst hatte erklären müssen.
Nur schwach erwiderte Tess Jakes Lächeln. Etwas zwischen ihnen fühlte sich jetzt anders an. Gleichzeitig machte sich ein unfassbar schlechtes Gewissen in ihr breit. Sie liebte Troy, oder so hatte sie geglaubt für lange Zeit. Jetzt war sie sich überhaupt nicht mehr sicher. „It's the least I can do after you picked me up.“, erwiderte sie und ließ sich von Jake die Schlüssel geben. Wenn sie fuhr, konnte sie den Blick gerade aus auf die Straße halten. Im Grunde der einzige Grund, warum sie es angeboten hatten. Der Plan hätte auch super funktioniert, hätte Sarah nicht andere Ideen.
„Do you mind if I take the back seat? I feel good but laying down might not be the worst of ideas.“, bat sie, hatte aber andere Beweggründe. Das etwas zwischen Jake und Tess war, konnte selbst ein Blinder sehen. Dazwischen wollte sie jetzt nicht stehen. Später konnte sie ihren Bruder darauf ansprechen, aber sie war zu müde um dem jetzt im Weg zu stehen. Vielleicht hatte sie sogar tatsächlich die Chance ein wenig zu schlafen, bis sie ankamen. Im ersten Moment schien Tess erschrocken über ihre Bitte als würde sie es auf gar keinen Fall wollen, wusste es aber besser als sich dagegen zu wehren. „Not at all. You need the rest the most.“, erwiderte die Dunkelhaarige, klang dabei aber sehr unbehaglich. Also teilte sie sich mit Jake die vorderen Sitze. Immer noch konnte sie stur gerade aussehen, aber es war etwas anderes in direkt neben sich zu wissen.
Sarah nickte dankend und kletterte auch gleich auf die Rückbank. Die Taschen stellte sie in den Fußraum damit sie genug Platz hatte. Besonders viel Platz brauchte sie ja nicht und somit hatte sie die perfekte Größe um sich hinten auszubreiten. „We should go.“, sagte nun auch Tess und stief auf dem Fahrersitz ein.
Healey Smith
"We don't deserve death treats because we did our jobs" mahnte Healey ihren Verlobten gleich, auch wenn sie dies genau wie Mike mehr mit einem Schmunzeln meinte. Sie verstand Michael und wieso er so wütend war. Vielleicht war die ganze Sache, als Mike angeklagt wurde, nicht einmal ansatzweise mit dem zu vergleichen, was dem Ehepaar passiert war, Healey wollte sich auch überhaupt nicht mit ihnen vergleichen, aber irgendwie hatte sie doch das Gefühl sie würde verstehen was in ihnen vorging. Und auch wenn nichts weiter passiert war, saß der Schrecken immer noch tief. Ob der Mann wirklich abgedrückt hätte, war dahin gestellt. Wut machte komische Dinge mit dem menschlichen Verstand, wenn dieser drohte darunter zu zerbrechen. Healey war einfach nur froh, dass jetzt alles vorbei war. Zumindest fürs Erste.
Ohne weiteres ließ sie sich also von Mike mit zu der nicht sehr einladenden Pritsche ziehen. Vielleicht hatten sie ja Glück und der Tag steckte ihn so tief in den Knochen, dass sie einfach fest wie ein Stein einschlafen würden. Wahrscheinlich würden sie hier aber noch die halbe Nacht lang wach liegen, so wie sie sich kannte, selbst mit Mike an ihrer Seite. Anders als dieser setzte sie sich auch gar nicht erst hin. Sie war noch so unter Strom, dass einfach hinsetzen für sie noch überhaupt nicht in Frage kam. So schob sie sich also zwischen seine Beine und musterte kritisch seine Stirn. Ihr Gesicht sah immer noch verheult aus, aber immerhin fand ihre Stimme an Kraft wieder. "Just a bad bruise I guess" antwortete sie. "She just put some ointment on it. She probably would have said something if it was worse." Denn Liza schien ihr nicht weniger professionell, nur weil sie wegen Mikes Anblick für einen Moment die Fassung verloren hatte. Mit Sicherheit hätte sie Healey mitgeteilt wenn es schlimmer als eine Prellung gewesen wäre. "But now let me fix this" sagte sie noch einmal und klopfte ihm kurz mit beiden Händen auf die Oberschenkel, bevor sie sich die Materialien dafür von dem Stuhl holte, auf welche Liza die Sachen zuvor gelegt hatte. Mit ihnen im Arm kehrte sie schließlich zu Mike zurück und legte alles neben ihm ab. Wieder nahm sie die Position zwischen seinen Beinen ein und nahm sich einen der Tupfer, auf welchen sie ein wenig von dem Desinfektionsmittel träufelte. Wahrscheinlich würde es brennen, deshalb tupfte Healey so sanft sie nur konnte über den Schnitt an der Stirn ihres Verlobten. "You still look very handsome" stellte sie amüsiert fest und hoffte so die Stimmung etwas mehr noch zu verbessern. Sie beide hatten es wohl bitter nötig auf andere Gedanken zu kommen. Da war sie hiermit sicher auf einem guten Weg.

Für Liza war immer wichtig gewesen, dass sie und Michael einander so sehr vertrauten, dass sie des jeweils anderen Privatsphäre was ihren Job anging akzeptierten. Sie beide hatten Fälle über die sie aus bestimmten Gründen nicht reden konnten oder wollten. Wenn es einmal anders war, waren sie aber immer für einander da gewesen und hatten ein offenes Ohr für ihren Partner. Deshalb machte es ihr auch überhaupt nichts aus, dass Michael bestimmte Akten unter verschluss hielt. Sie tat es im Krankenhaus ja ganz ähnlich. Nur selten kam es also vor, dass ihr Mann ihr so viel Einblick in irgendeinen seiner Fälle gewährte. Kaum das er zurück war, setzte Liza sich also auf ihre Knie, damit sie besser über den ganzen Tisch sehen konnte. Es war ein Haufen von verschiedenen Beweisen und Bildern, Berichten und allem was eben dazu gehörte. Ihr Blick galt aber nur den Fotos, hauptsächlich denen wo man mehr erkannte, als auf denen die vollkommen unscharf für sie wirkten. Auf diesen sah ihr Mann wahrscheinlich viel mehr als sie.
"Murder?" wiederholte Liza besorgt. Mit den Fingerkuppen des Zeige- und Mittelfingers zog sie nun das Bild zu sich, auf dem Mann Roman am besten erkannte. Zwar hatte er sich verkleidet, sah man aber genauer hin und konzentrierte man sich, konnte man ihn auch unter der Kappe und der Sonnenbrille erkennen.
Besorgt seufzend ließ sie sich nun ganz in den Stuhl zurück sinken. Die Arme schlang sie um ihre Mitte und schaffte es nach ein paar weiteren Minuten endlich den Blick von dem Bild abzuwenden, um Michael wieder anzusehen. "Yes, Mike Ross is a fraud but this? This is much worse .." überlegte sie. Auch wenn Mike ein Betrüger war, war es für Liza doch nur sehr schwer vorstellbar, dass er mit einem Terroristen unter einer Decke steckte. Ihre Menschenkenntnis konnte sie hier auch täuschen, aber das Gesicht des Mannes, als Michael ihn darauf ansprach, schien ehrlich verwirrt und für sie machte er nicht den Eindruck, als wisse er von was ihr Ehemann da überhaupt sprach. "I mean, not that it couldn't be possible. I don't know how people like this guy think but Mike truly did seem confused when you accused him of working together with a terrorist" versuchte sie den Gedanken weiter zu spinnen. Sie hoffte, dass Michael wusste, dass sie hierbei nicht versuchte Mike in Schutz zu nehmen. Nur konnte ihr Mann auch nicht einfach durch die Weltgeschichte rennen und alles und jeden zu beschuldigen, der mit Roman auch nur ein Wort wechselte. "Still .. you have to tell Cage, no matter if that guy tells you anything tomorrow. About all of them" seufzte sie. "They are all a potential danger to the people that live here."

"You hit your head pretty hard, Sarah" wies Jake sie gerne noch einmal darauf hin, was ihr nur wenige Stunden zuvor passiert war. Das er da nicht einfach abschalten und sich nicht mehr sorgen würde, passierte da so schnell nicht. "I only worry for your well being" schmunzelte er. Er wollte sie ja auch nicht bemuttern, aber Sorgen machte er sich dennoch. Immerhin war es wohl irgendwie seine Schuld gewesen, dass ihr sowas überhaupt erst hatte passieren können. Noch immer machte er sich Vorwürfe. Hätte er sich selbst um Cassie gekümmert, wäre Sarah nie die Treppe rauf zu seinem Schlafzimmer gegangen. Und sie hätte niemals glauben müssen, dass sie einen Menschen getötet hatte, auch wenn sie immer noch nicht sagen konnten, was Cassie nach ihrem eigentlichen Tod nun gewesen war. Jake würde es untot nennen, aber er hatte zu viele Filme geschaut, als dass er seine tote Freundin einen Gehirn fressenden Zombie nennen würde.
Mit der Aussicht auf den Rücksitz übergab er Tess also den Autoschlüssel. Nicht ahnend, dass seine Schwester ihm gleich den Plan durchkreuzen würde. So wie sie gerade noch beteuert hatte, dass es ihr gut ging, wollte sie nun doch schlafen. Das Gefühl ließ Jake einfach nicht los, dass Sarah wahrscheinlich doch mehr mitbekommen hatte, als sie eigentlich sollte. Würde er dem jetzt aber widersprechen, würde er sich nur noch verdächtiger machen. Das Risiko konnte er nicht eingehen. "Maybe you can even sleep a little" bestärkte er stattdessen Sarahs Idee, da es einem eigentlichen Plan wohl am nähsten kam. Seine Meinung darüber zu ändern würde nämlich am Ende nur genau so auffällig sein, als gleich die ganze Idee abzulehnen. So nahm er also neben Tess auf der Beifahrerseite platz und ganz wie er schon geahnt hatte, tat er kein Auge mehr zu. Er blieb wach, wahrscheinlich der Brünetten zu liebe, damit sie nicht alleine im Dunkeln fahren musste, bis sie an der Zone waren. Aber spätestens durch das grelle Licht der Scheinwerfer vor dem Tor, wäre er dann wohl wach geworden. Diese blendeten so grell in den Wagen, dass Jake ein wenig die Augen zusammenkneifen musste, um überhaupt etwas erkennen zu können.
Cage hatte eigentlich auf eine ruhige restliche Schicht gehofft. Noch ein Wagen war wohl das letzte, was ihm den Abend versüßen würde. So stand er also von dem Stuhl auf, mit welchem er gegen den Zaun gelehnt hatte. Auch die anderen Soldaten, die in dieser Nacht Schicht am Tor hatten, machten sich auf dem Weg zum Wagen. Mit dem Fingerknöchel seines Zeigefingers klopfte er also an die Scheibe der Fahrertür, damit Tess die Scheibe runterließ, um mit seiner üblichen Befragung zu beginnen.
Mike Ross
Seine Hände hatte Mike an Healeys Hüfte gelegt als diese sich zwischen seine Beine schob. Dabei hatte er die jeweiligen Zeigefinger in die Gürtelschlaufe der Jeans verharkt. Nur um sicher zu gehen, dass sie auch wirklich bei ihm blieb. Zu oft hatte man sie ihm in der letzten Zeit entrissen. Jetzt wollte er spüren, dass sie auch wirklich bei ihm war. Im Gefängnis hätte ihm schon ihre Stimme ausgereicht, doch heute musste er fühlen, dass sie wahrhaftig vor ihm stand. Ganz unberührt, ging alles nämlich nicht an ihm vorbei, auch wenn er sich bemühte eine ruhige Fassade aufrecht zu halten. Um sich dies zu vereinfachen, ließ er jetzt auch das Thema Michael fallen. Es war eine Sache, die nur er alleine klären konnte. Falls überhaupt.
Das Brennen, verursacht durch das Desinfektionsmittel, ließ ihn scharf die Luft einziehen. Schon als Kind hatter diese Art der Wundbehandlung immer gehasst und er kam nicht umhin sich zu fragen, warum man nicht schon längst ein Mittel entwickelt hatte, dass nicht schon bei dem kleinsten Kratzer wie die Hölle brannte. Kurz hatte er dabei ein Auge zugekniffe, dass sogar ein wenig tränte. „Makes me look badass, doesn't it?“, stimmte er in den Versuch seiner Verlobten mit ein, alles etwas aufzulockern. Wenn sie es tat, fiel es auch ihm leichter die finsteren Gedanken aufs Erste zu verdrängen. „Who knows, maybe it will turn into a scar, almost like Romans.“, scherzte er mit seinem typischen Grinsen, dass er in der Gefängniszeit fast verloren zu haben schien. Dabei fiel ihm zum ersten Mal auf, dass er gar nicht wusste wie Roman zu der Narbe gekommen war, die sich über sein rechtes Auge zog. Im Grunde wusste er überhaupt nichts über Healeys Bruder, was ihn zusätzlich beunruhigen sollte. Nicht aber jetzt, wo die Blonde ihm so nah war Mithilfe seiner Beine zog er sie noch ein Stück näher zu sich heran, sodass sie ganz am Bett anstieß. Hintergedanken hatte er dabei keine wirklich. Er brauchte sie nur nah bei sich und musste ihre Wärme spüren, die ihn jedes Mal beruhigte, wenn er nicht wusste, wie es weitergehen sollte. „I'm glad you're okay.“
Das musste er los werden. Nach dem Angriff hatte sich kaum die Zeit gefunden nach ihr zu sehen. Umso froher war er jetzt, dass sie nur blaue Flecken und Prellungen davon getragen hatte und ihr nichts schlimmeres zugestoßen war. Verzeihen könnte er sich das nie.

In tiefen Gedanken versunken fuhr Michael sich über seinen stoppeligen Bart. Früher hatte er ihn jeden Tag abrasiert, doch seit des Prozesses, so musste er zugeben, hatte er sich in solchen Dingen etwas gehen lassen. Ein oder zwei mehr Bartstoppeln, schienen ihm jetzt wie eine Nebensächlichkeit. Mit dem Virus, der sie jetzt rund um die Uhr bedrohte, würde es noch viel unwichtiger werden, auch wenn er immernoch wert darauf legte ordentlich auszusehen. Seither hatte er sich angewohnt über den kurz gewachsenen Bart zu streichen oder gar zu kratzen, wenn er in Gedanken war.
„I know, I know...“, antwortete er seine Frau so ruhig, dass offensichtlich war wie viele Möglichkeiten er im Kopf gerade hin und her wälzte. Natürlich würde er Cage von alledem erzählen. Nicht nur von Roman, sondern auch von Mike. Mit der Verbindung zu einem Terroristen, ob gewollt oder nicht, traute er dem Anwalt nur noch weniger über den Weg. „I want to talk to the girl first. Before I tell anyone else. In case they are working together they should stay seperate.“, erklärte er Liza, worüber er gerade so nachgegrübelt hatte. Im Grunde hätte er sich sofort mit der Blonden unterhalten können, doch hatte er erst nochmal sicher gehen wollen, was Roman anging. Da nun auch Liza zuzustimmen schien, das er der Mann auf dem Bild war, war er erleichtert, dass sein Kopf ihm keinen Streich spielte. Zu der Schwester hatte er kaum Kontakt gehabt, bis auf ihren verzweifelten Versuch ihn davon abzuhalten ihren Freund zu erschießen. Dies machte sie noch lange nicht unschuldig. Auch Terroristen hatten ihre eigenen Emotionen, auch wenn diese meistens nur sehr schwer nachzuvollziehen waren.
Seine Bierflasche hielt der Polizist immernoch mit einer Hand umschlossen. Jetzt konnte er kaum noch spüren, dass es vor einigen Minuten einmal kühl gewesen war. Trotzdem nahm er noch einen Schluck daraus. „I have secured him for now and put a few soldiers in front of his room. Are you sure he's going to stay asleep until tomorrow?“ Er hatte sogar schon überlegt nochmal zum Zimmer zu gehen und die Nacht selbst dort zu verbringen. Nur für den Fall, dass er doch aufwachen würde und versuchte zu fliehen. Angekettet aufzuwachen, würde ihm sicherlich nicht gefallen, dass stand wohl außer Frage. Ginge es nach Michael, hätte er ihn sofort in ein Veröhrzimmer auf der Station gezerrt, doch hatte seine Erfahrung gezeigt das sich mit schlafenden, bewusstlosen oder gar Toten nur sehr schwer verhandeln ließ. So dumm war er also nicht und verschwendete seine Energie an solche Taten.

In den letzten Stunden bis zur Zone machte sich eine unangenehme Stille im Wagen breit. Sarah war für diese aber dankbar, wenn sie ehrlich war. Ihre Kopfschmerzen verhinderten, dass sie ganz einschlief, aber sie schaffte es ein wenig zu dösen, wenn Tess das Auto nicht gerade durch irgendwelche Schlaglöcher fuhr. Zum Glück war um diese Uhrzeit niemand mehr auf der Straße und so wurde niemand durch die riskante Fahrweise der Brünetten gefährdet. Schon von weitem konnte sie die Lichter der Zone sehen und hatte in diesem Moment noch mehr aufs Gas getreten. Erst als sie das Tor erreicht hatten, hielt sie den Wagen an.
Wie von ihr verlangt ließ sie die Scheibe nach unten. Wie auch Jake hatte sie Probleme wirklich klar zu sehen. „We have someone injured with us. Can you take a look at her first?“, platzte es aus Tess heraus noch bevor Cage sie etwas fragen konnte. Womöglich würde es Sarah nicht gefallen, aber jetzt waren sie endlich hier und aufgrund ihrer Verletzungen hatte sie sich extra beeilt. Die Geschichte, die Jake ihr erzählt hatte, hatte ihr nur noch mehr Sorge gemacht. „She needs medical attention.“
Äußerlich hatte Sarah keinerlei Verletzungen bis auf die Kopfwunde, die durch all das Blut aber sehr verdeckt war. Dennoch hatte auch sie selbst festgestellt, dass ihr Kopf ihr mehr zu schaffen machte als gedacht. Das grelle Licht störte wohl jeden, doch hatte sie das Gefühl kaum die Augen öffnen zu können. Fest presste sie ihre Lider aufeinander in der Hoffnung so viel Licht wie möglich draußen zu halten. Ein Soldat kam gleich zu ihr nach hinten um die Tür zu öffnen. „Please get out of the car.“, bat er sie ruhig, hielt jedoch seine Waffe im Anschlag. Nachdem sie heute schon eine Rauchgranate hatten verwenden müssen, waren sie alle nur noch vorsichtiger. Sarah musste sich jetzt eine Hand vor die Augen halten, damit sie diese wenigstens einen Spalt öffnen konnte um sicher aus dem Wagen zu steigen. Andernfalls wäre sie wohl einfach herausgefallen. „Can someone turn the lights off?“, fragte sie. Es war so hell, dass sie die Männer nichtmal richtig erkennen können und so sah so auch nicht, wie skeptisch sie aufgrund ihrer blutenden Erscheinung angesehen wurde. Die Dunkelheit war für ihre Kopfschmerzen bei weitem besser gewesen als dieses grelle Licht. Selbst wiederholtes Blinzeln brachte ihre Augen nicht dazu sich daran zu gewöhnen.
Was wohl noch niemand bemerkte war, dass Troy anstatt wie Michael es sich dachte, nicht ins Bett gegangen war, sondern zurück zu seinem Posten am Tor kam. Da die kleine Gruppe mit Sarahs Auto gekommen war, welches er nicht kannte, ahnte er auch nicht das ein bester Freund gerade dabei war in die Zone zu kommen. „Need any help?“, rief er stattdessen nur rüber, falls sie noch Männer brauchten, die bei der Kontrolle der Neuankömmlinge mithalfen.
Healey Smith
"Totally" schmunzelt Healey über Mikes kleinen Scherz. Wahrscheinlich würde nicht einmal eine Narbe zurückbleiben und sein Gesicht so Markellos bleiben, wie es zuvor gewesen war. Er war einfach nicht der Typ für irgendwelche Narben, die zeigten wie tough er war. Mikes stärke lag definitiv in seinem Kopf. Wenn er die Chance hatte, schlug er einen nur mit seiner Intelligenz. Dafür brauchte man keine Narben, um zu zeigen wie überlegen man jemandem war. Zu ihrem Bruder widerrum passte es dagegen ganz hervorragend. Er war so zu sagen die Muskeln während Mike das Hirn war. Nie würde sie Roman als dümmlich betiteln, wirkte neben Mike doch jeder als hätte er nicht einmal die High School geschafft. Aber das Körperliche passte einfach viel besser zu ihrem Bruder. Und all diese unnötigen Gedanken und Vergleiche kamen wohl nur deshalb zu Stande, da Healey nicht darüber nachdenken wollte wo Roman gerade war. Wenn sie schon in so einem Loch untergebracht wurden, ging es ihm sicherlich nicht besser. An diesem Abend würde sie aber nichts mehr unternehmen können und so versuchte sie diese Gedanken einfach so weit nach hinten zu schieben, wie es ihr nur irgendwie möglich war.
"Not that you start to like it and turn yourself into Scarface" scherzte Healey deshalb und legte den Wattetupfer zur Seite. Gerade rechtzeitig, bevor Mike sie auch schon näher an den Tisch heran zog. Sie hatte noch nach dem Pflaster greifen können, was nur dafür dienen sollte, dass die Wunde an seiner Stirn nicht wieder begann zu bluten oder sich zu entzünden.
Die Klebestreifen löste sie, um ihm das Pflaster sanft über den Schnitt zu kleben. Jetzt sah es gleich viel harmloser aus. Es senkte Healeys Sorgen um ein vielfaches und die Erleichterung darüber sah man ihr deutlich an. "I'm glad that you're okay, Mike" wiederholte die Blonde seine Worte und legte ihm dabei eine Hand an die Wange.
Seit das ganze hier angefangen hatte, waren die beiden sich nicht mehr so nahe gewesen wie jetzt gerade. Natürlich schliefen sie nebeneinander oder küssten sich hier und da. Aber man konnte wohl sagen, dass sie für alles andere viel zu gestresst gewesen waren. Hauptsächlich aus Sorge und Angst vor dem Ungewissen. Vorher war es Healey gar nicht so sehr aufgefallen, doch hatte sie es unendlich vermisst Mike so nahe zu sein. Durch seine Zeit im Gefängnis fehlten ihnen sowie so bereits kostbare Monate. Monate in denen sie ihre Hochzeit hätten planen oder verreisen können. Und kaum das er wieder bei ihr war, überkam sie schon das nächste Unglück mit diesem Virus, den keiner erklären konnte und es nichts zu geben schien, was ihn zu heilen vermochte.
Langsam näherte sie sich also seinem Gesicht, wobei sie sich etwas nach oben strecken musste, mehr noch als sonst, da er auf der alten Pritsche sitzend einfach so viel größer war als sie, wo sie normalerweise nur ein paar Zentimeter von einander trennten. "I love you" hauchte sie, endlich nahe genug bei ihm, dass sie nicht viel lauter sprechen musste als das. Für einen Moment suchte Healey noch den Blick ihres Verlobten. Erst danach legte sie sanft die Lippen auf seine, um ihn nur kurz darauf in einen kuss zu verwickeln.

"She is probably the weakest of them" stimmte Liza der Überlegung ihres Mannes zu. Der Gedanke daran, wie Michael eventuell an Informationen kommen wollte, verdrängte sie schnell wieder. Mit all dem wollte sie nichts zu tun haben. Jeder hatte andere Grenzen. Würde sie ihre eigenen überschreiten, was sie damit definitiv tun würde, würde sie von dort nicht wieder zurückkehren können. Michaels Grenzen waren da deutlich ausgeprägter, alleine schon weil er ein Polizist war und sie nur eine Ärztin. Er musste gewillt sein bis ans Äußerste zu gehen, wenn nötig und dabei in sekunden Schnelle zu reagieren. Bei ihr widerrum musste jeder Handgriff sitzen und es brauchte ein wenig Planung, bevor sie einfach drauf los hantieren konnte. Deshalb vertraute sie in Michaels Fähigkeiten. Ihr einziges Ziel war es, ihn davon abzuhalten seine Grenzen zu überschreiten, was er in einem Verhör aber sicher nicht tun würde. Darauf vertraute sie.
Seufzend löste Liza das Haargummi aus ihren langen schwarzen Haaren und wuschelte sich mit einer Hand durch dieses, damit es aus der Form und ihr locker über die Schulter fiel. Sie wirkte gleich ein wenig jünger und viel liebevoller, als zuvor. Nicht, dass sie nicht auch sonst ein doch sehr herzliches Auftreten hatte, aber mit einem strengen Pferdeschwanz sah wohl jede Frau aus, als fresse sie kleine Kinder zum Frühstück. "He will sleep till tomorrow. I needed to make sure he won't wake up during that small operation to get him stiched up. And after I heard that he caused Cage trouble I decided it would be the best for him to sleep for the rest of the night" erklärte sie, da sie mehr aus eigenen Stücken gehandelt hatte. Natürlich hätte sie Roman weniger Narkosemittel spritzen können, aber wäre er aufgewacht, hätte ihm jemand erklären müssen wo seine Familie war und wo er gerade selbst war. In seinem Zustand wäre das mehr als nur ungesund gewesen. Sollte er sich erst einmal ausschlafen, Bedrohung hin oder her. Michael hatte ja dafür gesorgt, dass er blieb wo er war.
Also stand Liza auf und ging um den Tisch herum, damit sie sich hinter ihren Mann stellen konnte. Die Hände legte sie ihm an die Schultern und begann diese beherzt ein wenig zu massieren. Schon immer war Michael fürchterlich verspannt gewesen, was wohl durch das Tragen des Holsters kam in welchem sich die schwere Waffe befand. Solange es ihm aber keine Probleme bereitete, behielt sie diesen Fakt einfach für sich. "But you should get your mind off this for tonight, Michael" riet sie leise, doch auch ihr Blick suchte immer wieder die Beweise und Bilder auf dem Esstisch. "He won't go anywhere so as the other two .." sagte sie und hauchte ihm einen Kuss aufs Haar.

"Was she bitten or scratched by someone infected?" fragte Cage gleich, wirkte aber alles in allem viel ruhiger als noch bei der Gruppe zuvor. Es gab auch eine ganz einfache Erklärung dafür: Sarah, auch wenn etwas quengelig, befolgte gleich der Aufforderung aus dem Wagen zu steigen. Keiner der anderen beiden machte irgendein Anzeichen danach, dass er jeden Moment ausflippen würde und sonst schienen die drei wesentlich ruhiger, als die drei von zuvor zu sein.
"No, sir" antwortete Jake gleich auf Cages Frage. Er verstand ja nur zu gut, wieso man gerade danach fragte, wusste er doch was genau das bei einem Menschen verursachte. Sarah würde wahrscheinlich schon unter enormem Fieber leiden, wäre sie infiziert worden. Zumindest war es so bei Cassie gewesen. Er wollte nicht behaupten, dass er die Zeichen für den Virus kannte, aber egal was ihm diese Soldaten sagen würden, Sarah war nicht krank. Würden sie es anders sehen, würden sie eben nicht in die Zone gehen. Aber etwas anderes ließ er sich hier ganz sicher nicht einreden.
Cage dagegen gab Troy das Zeichen, dass er ruhig her kommen konnte. Er sollte ja nicht gleich mit seiner Waffe herumfuchteln, aber ihm war es lieber sie hatten genug Männer in der Nähe, falls es doch wieder zu Ausschreitungen kommen würde. "Please get out as well" bat der Soldat die beiden Insassen des Wagens, bevor er hinten um diesen herum ging, damit er einen besseren Blick auf Sarah bekam. "Miss" sprach er diese ruhig an, da er sie nicht erschrecken wollte. Sie schien durch die Scheinwerfer nur schlecht zusehen. Er vermutete, dass sie sich wohl hart den Kopf angehauen haben musste und jetzt mit einer Gehirnerschütterung kämpfte. Sie alle hatten bei ihrer Ausbildung durch einen mehrtägigen Erstehilfekurs gemusst, denn nicht immer war ein Sanitäter auf dem Schlachtfeld bei ihnen. So musste jeder also einfache medizinische Kenntnisse erlernen und bei dem Stand den Cage hatte und den vielen Kursen die er belegen musste, konnte er zumindest sagen, dass man eine Gehirnerschütterung bei dem vielen Blut nicht ausschließen konnte. Doch Liza würde später mehr dazu sagen müssen. Diese hatte aber soweit er wusste jetzt Feierabend. Wenn Sarah die paar Fragen die er also hatte gut überstehen würde, würde er die drei einfach auf die Krankenstation bringen und sie dort übernachten lassen, bis die Ärztin sich den Kopf der jungen Frau am nächsten Morgen genauer ansehen konnte. Mit verschlossener Tür zwar, aber immerhin nicht so eingesperrt wie die anderen drei. "How did this happen?" fragte er also und deutete auf ihre Stirn.
Während dessen stieg auch Jake aus. Immernoch hielt er sich schützend die Hand vor die Augen um sie so ein wenig abzuschirmen. Nur langsam gewöhnte er sich an das grelle Licht. Er vermutete fast, dass es Absicht war, dass das Licht einem so ins Gesicht strahlte. Die Soldaten standen alle gegen das Licht und ihre Augen waren daran gewöhnt. Wahrscheinlich diente es aber mehr die Neuankömmlinge zu erst zu sehen, bevor diese ein eigenes Bild von der Lage bekommen konnten. Ein taktischer Vorteil eben. Deshalb hatte er auch Troy nicht gleich sehen können, welcher sich hinter dem Lichtkegel aufgehalten hatte. Für Jake war alles hinter dem Licht einfach für einen Moment nur schwarz. Erst nachdem er begann die Hand herunter zu nehmen begannen sich auch mehr Umrisse zu zeichnen und Dinge, die hinter dem Strahler lagen, bekamen für ihn eine Form.
Mike Ross
Healey wieder Lächeln zu sehen war Erleichterung für Mike. Nach den letzten Stunden fühlte er sich als hätte ihn ein Truck überrollt, aber durch ihr Lächeln fühlte er sich gleich viel besser. Leichte Kopfschmerzen machten sich in seinem Kopf breit, doch war es nichts, dass er nicht verkraften konnte und er wusste, solange seine Verlobte in Ordnung war, würde er es auch sein. Für zu lange Zeit hatte er sie alleine gelassen. Nicht nur an diesem Tag. Schon als er ins Gefängnis ging und nicht das Urteil abgewartet hatte, dass ihm einiges erspart hatte. Nochmal würde er sie aber nicht so im Stich lassen. Er sollte es sein, der sie beschützte und doch war sie es, die mehr auf ihn Acht gab. Ohne sie würde er heute gar nicht erst hier sitzen, da war er sich sicher.
„Don't worry so much.“, bat er sie. „I should have done more for you today.“ Eine Entschuldigung fand er er als angebracht. Schon früher hätte er zu Roman gehen sollen. Vielleicht wäre er dann nicht angeschossen worden. Er hätte vorrangehen sollen, dann wäre es nicht Healey, deren Rücken komplett blau von ihrem Sturz war. Nochmal würde er soetwas nicht geschehen lassen. Es galt sie zu beschützen. Sicherlich wird Roman ihm da zustimmen und sie konnten gemeinsam darau achten, die Blonde heil durch den Virus zu bekommen. In den vielen, einsamen Stunden im Gefängnis hatte er schmerzlich erfahren, wie dunkel die Welt ohne sie war. Nicht bei ihr zu sein war das schlimmste an seiner ganzen Strafe. Es war eine Zeit, die sie nicht wieder bekamen. Man konnte wohl von Glück reden, dass er früher als geplant rausgekommen war. Sonst wären es volle zwei Jahre getrennt gewesen und auch wenn er sie über alles liebte wusste er nicht, welche Beziehung so eine Zeit überstehen konnte.
Umso mehr war er froh, sie jetzt in den Armen zu halten. Sanft erwiderte ihren Kuss. Sachte, um sie nicht zu verletzen, in dem er einen ihrer blauen Flecken berührte, strich er ihren Seiten entlang und schob so ihr Oberteil nach oben. Dabei war er langsam und behutsam, da er sie weder zu etwas drängen wollte, noch wollte er ihr Schmerzen bereiten. Das einzige was gerade Mikes Verlangen war, war es nah bei ihr zu sein, wie er es schon seit Monaten nicht mehr gewesen war um zu wissen, dass sie wirklich bei ihm war.

Michael lehnte sich in seinem Stuhl zurück als Liza begann seine Schultern zu massieren. Er musste zugeben, dass es gut war Roman schlafen zu lassen. Ihm gab es die Zeit einen klaren Kopf zu kriegen. Vor wenigen Minuten war er kurz davor gewesen Mike zu erschießen. Einen Unschuldigen, der mit dem Tod seines Sohnes nichts zu tun hatte. Er wusste es, hatte sich von seiner Wut aber verleiten lassen. Ob er Mike nun mochte oder nicht, spielte keine Rolle. Irgendwann hätte er es bereut. Mit Romans Tod war nicht viel verloren, dem war er sich sicher. Dennoch musste er es gut durchdenken. Bevor er nicht wusste inweit dessen Schwester und der Anwalt in alles verwickelt waren, war es dumm zu handeln. Wenigstens konnten sie heute Nacht noch in Ruhe schlafen, denn Roman war dank seiner Frau außer Gefecht gesetzt und die anderen würden eine Flucht aus dem Keller nicht schaffen. Würde er die Sache anders sehen, hätte er sie gar nicht alleine gelassen.
„No.. it's a good distraction.“, antwortete er Liza. Eine Hand legte er auf ihre an seiner Schulter. Nicht um sie von der Massage abzuhalten, sondern um auch ihr in dieser schwierigen Zeit eine Stütze zu sein so wie sie es, seitdem er sie kennen gelernt hatte, für ihn gewesen war. Mike zu sehen hatte all die dunklen Gedanken wiederhervorgeholt, die er so krampfhaft versucht hatte zu unterdrücken. Bisweilen hatte er geglaubt es sei ihm gut gelungen, musste jetzt aber feststellen, dass er sich täuschte. Noch lange war nichts verarbeitet und ob er es jemals könnte, wusste er nicht. „And I can't let them destroy the zone. We have to prevent that at any cost. I can't get new information now but I at least can go through everything I have.“ Sein Drang die Datenbanken zu durchsuchen war groß, aber vollkommen nutzlos. Telefone funktionierten nicht mehr, genauso wenig wie das Internet und so musste er erst gar nicht daran denken seinen Laptop einzuschalten. Alle Daten die er auf diesem gespeichert hatten, lagen ausgedruckt vor ihm auf dem Tisch. An mehr würde er nicht kommen solange die Situation so blieb, wie sie gerade war.
Sanft zog er Lizas Hand ein Stück nach vorne und hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken. „But you should go to sleep. It's been a long day for you. I don't want to keep you awake.“, bat er sie. Ja, sie war ihm eine unheimliche Stütze, aber er dachte trotzdem immer noch, dass er mit seinen Dämonen alleine auskommen musste. Sie von ihrem wohlverdienten Schlaf abzuhalten, war ihm da fern.

Eine Hand legte Sarah an die Tür des Autos. Die Lichtstrahler blendenden sie so sehr, dass diese ihre einzige Hilfe zur Orientierung war. Der aufkommende Schwindel, nachdem sie nun so schnell aufgestanden war, machte es ihr nicht viel leichter. Sollte etwas passieren, wäre sie gerade nicht in der Lage den Brieföffner in ihrer hinteren Hosentasche zu greifen, dass wusste sie und war beunruhigend. Auch den Soldaten ihr gegenüber, der jetzt wohl die passende Zeit fand ein Verhör zu halten, hatte sie nur für einen Moment gesehen in dem sie es gewagt hatte die Augen einen Spalt zu öffnen. Er war groß und breit gebaut, so viel konnte sie ausmachen, schloss ihre Augen aber lieber wieder und schirmte das Licht zusätzlich mit ihrer Hand ab. „I was attacked.“, antwortete sie ihm wahrheitsgemäß. Von wem, hielt sie nicht für notwendig. Jake hatte genug durchlitten. Vor Fremden dieses Thema nochmal aufzuwühlen, emfand sie als unnötig. „She.. it.. it just came at me. An infected?“ Die junge Frau formulierte es als Frage, da sie nicht wusste wie genau sie Cassies Zustand beschreiben sollte. „I fell down the stairs and hit my head. So did the.. the thing. She was on top of me and.. and then I.. I stabbed her.“, fasste sie kurz zusammen was passiert war. Sie stammelt nicht, weil sie nervös war oder Angst war. Sarah befürchtete ihre Erinnerung würde sie aufgrund des Traumas vielleicht im Stich lassen und sie versuchte sich an jedes Detail zu erinnern, dass von Wichtigkeit war.
Nun griff sie doch nach dem Brieföffner und streckte diesen Cage entgegen. „It went.. straight through her eye. After that she didn't move anymore.“, erklärte sie, wie sie die Untote dazu gebracht hatte endlich von ihr abzulassen. Ein Auge öffnete sie jetzt und zwang sich dazu ihn anzusehen. Sie musste seine Reaktion sehen und wissen, ob sie etwas schlechtes getan hatte. Ob sie nicht vielleicht doch einen Menschen getötet hatte.
Nur langsam gewöhnten sich Tess Augen an das helle Licht nachdem sie den Wagen verlassen hatte. Mit jeder Sekunde wurde alles deutlicher. Die Gebäude im Hintergrund,, aber auch die Soldaten. Einer davon stach ihr sofort ins Auge, obwohl sie immer noch geblendet waren. Kaum das sie Troy gesehen hatte, ging sie zielstrebig auf diesen zu. „Tess..“, kam es von diesem, der auch sie gesehen hatte, doch noch bevor er seinen Satz beenden konnte landete ihre Hand mit viel Schwung in seinem Gesicht. Genugtuung durchströmte sie als sein Kopf durch den Schlag zur Seite flog. Die Soldaten um sie herum wurden sofort, doch Troy ob eine Hand um ihnen zu symbolisieren, dass er mit der Situation schon klar kam. „I'm glad you made it here.“, beendet er jetzt seinen Satz. Seine Wange brannte und wurde durch den Schlag in ein tiefes Rot getaucht. „My father died. HE DIED!“, schrie sie ihm wütend entgegen. „And you knew. You knew what would happend. You knew everything and you didn't tell me!“ Kräftig schubste sie ihn von sich damit er es nicht wagte ihr näher zu kommen, wie sie wusste, dass er es tun würde. Diesmal blieb er aber zurück und sah sie mit seinen typischen, entschuldigenden Augen an. „I couldn't.. I wasn't allowed to!“, begründete er seine Entscheidung seine Freunde im Dunkeln zu lassen. Tess schnaubte nur. „Bullshit!“
„Hey look.. I shouldn't have left but you are here now. And you found Jake!“, sagte Troy jetzt und deutete auf seinen besten Freund, dessen Anwesenheit ihm natürlich nicht entgangen war. „It's all going to be okay now, I promise.“, versuchte er sie zu beschwichtigen. Trotzig verschränkte Tess ihre Arme. Sie wollte ihm nicht wieder nachgeben, wusste aber genau, dass sie es ohnehin tun würde.
Healey Smith
Wahrscheinlich gab es weitaus romantischere Orte als den Keller, in dem sie sich gerade befanden. Vielleicht gab es auch weitaus geeignetere Zeitpunkte als diesen. Aber Healey wollte Mike gerade einfach nur so nahe wie möglich sein. Und wie ging dies besser als so? Der Schmerzt, der dabei eventuell in ihrem Rücken entstehen könnte, nahm sie dafür gerne in Kauf. Es war zwar eine unangenehme Stelle für eine Prellung, überleben würde sie es aber trotzdem. Für Mike hatte sie schon wesentlich mehr ertragen als ein unangenehmes Ziehen im Rücken.
Auf ihrer Haut bildete sich gleich eine Gänsehaut, kaum das ihr Verlobter diese berührte. Eine angenehme Wärme durchströmte ihre Glieder und veranlasste ihren Körper sich noch mehr in seine Arme sinken zu lassen.
"It wasn't your fault" hauchte Healey sanft in den Kuss. Nur für einen kurzen Moment löste sie sich von ihm, um ihm in die Augen zu sehen. "I love you, Mike" betonte sie deutlicher als noch zuvor. Es sollte Mike klar machen, dass sie wusste, dass er alles für sie tun würde wenn es in seiner Macht stand und so würde auch sie alles für ihn tun. Es gab für Healey überhaupt gar keine Zweifel daran. Nicht einmal, als er im Gefängnis gewesen war, zweifelte sie an seiner Liebe zu ihr. Das er es nicht geschafft hatte sie vor ihrem Nachbarn zu beschützen hatte einzig und alleine daran gelegen, dass er ihrem Bruder helfen musste auf den Beinen zu bleiben. Und gegen die Soldaten hätte er sowie so keine Chance gehabt. Sie waren viel zu viele und dazu noch stark bewaffnet. Nicht einmal mit Roman zusammen hätte er also etwas tun können. Und deshalb nahm sie es ihm auch überhaupt nicht übel. Wieso auch? Sie wusste, dass er alles in seiner Macht stehende getan hätte und das zu wissen, reichte vollkommen aus.
Für einen Moment noch sah sie ihn einfach nur an. Dann griff sie den Saum ihres Shirtes und zog sich dieses einfach über den Kopf aus, bevor sie es wahllos neben sich zu Boden fallen ließ. Der Verband unter ihrer Brust sah wohl wahrlich nicht besonders verführerisch aus, das war ihr aber egal. Mit einem Handgriff hatte sie ihr blondes Haar aus dem zerzausten Zopf gelöst und ließ es wellig über ihre Schultern fallen. Erst danach nahm sie wieder sein Gesicht zwischen ihren Händen und verwickelte ihn erneut in einen Kuss.

"I'm your wife, Michael" belächelte Liza die Bitte ihres Mannes. Mit ihm zu diskutieren war unnötig, das wusste sie selbst. Aber ihr Argument hatte mehr Gewicht als das seine. Und das rieb sie ihm auch gerne immer wieder unter die Nase. Michael glaubte alles alleine durchstehen zu müssen, obwohl sie in dem gleichen Boot saßen. Sie beiden hatten damals ihr Kind verloren und Liza kämpfte seither genau so mit dem Verlust, wie Michael es tat. Nur anders als er, hatte sie ihre Ablenkung in ihrer Arbeit gefunden. Er hatte dagegen ständig damit zu tun, dass irgendwelche Verbrecher hinter Gitter gebracht werden mussten und wenn es ganz blöd lief, diese auch noch wieder auf freien Fuß kamen. Michael hatte quasi Tag täglich mit Männern und Frauen zu tun, die genau so gut am Lenkrad des Wagens hätten sitzen können, welcher ihren Jungen totgefahren hatte. Das man da nicht auf andere Gedanken kam oder gar einen Weg fand das ganze zu verarbeiten war für Liza ganz eindeutig. Und genau deshalb wollte sie eben für ihren Mann da sein und das so gut sie konnte.
"At least do it on the sofa" bat sie ihn als kleinen Kompromiss. "I can read a book while you're working till I get dead tired" schmunzelte sie bevor sie ihn ein weiteres Mal aufs Haar küsste. Ob Michael jetzt einwilligen würde oder nicht, darauf wartete Liza gar nicht mehr. Sie begann sämtliche Akten wieder zusammen zu räumen und sie als Stapel zusammen mit der Bierflasche aus der Hand ihres Mannes nebenan ins Wohnzimmer zu bringen. Dort legte sie alles auf dem kleinen Couchtisch ab und begann rings herum im Raum ein paar Kerzen anzuzünden. Zwar hatten einige wenige Häuser, darunter auch ihres, auch Nachts noch Strom, doch wollte Liza es vermeiden diesen, außer für ihren Kühlschrank, zu benutzen. Es hieß an allen Ecken und Enden zu sparen. Liza wusste dies und half so gut sie es konnte.
Sie nahm sich eine der Wolldecken vom Ende des Sofas, das Buch an dem sie gerade laß und kuschelte sich in eine der Ecken der dunkelbraunen Couch. Später würde sie sowie so wieder mit dem Kopf auf Michaels Schoß liegen, während sie verzweifelt versuchte die letzten Seiten eines Kapitels zu lesen, bevor die Müdigkeit sie übermannte und ihn so mehr von der Arbeit abhalten, als sie wollte. Aber sie fand der Wille zählte und so begann sie immer erst einmal in einer der Ecken des Sofas zu lesen.

"So you killed her" stellte Cage trocken nach Sarahs kleiner Rede fest. Jedoch entging ihm Jakes Gesichtsausdruck bei diesem Satz nicht. Scheinbar war es nicht einfach irgendjemand gewesen, den Sarah hatte töten müssen. Zumindest Jake schien die Frau, wer auch immer sie gewesen sein mochte, etwas bedeutet zu haben. "I'm sorry for your loss" entschuldigte er sich deshalb bei ihm und tat ihm sein Mitleid kund. Es wahr ehrlich gemeint. Cage wollte sich gar nicht vorstellen wie es wäre, wenn er Sam oder Malcolm verloren hätte. Es musste schlimm sein einen Menschen so zu verlieren. Vor allem wenn man ihn zuvor bereits durch den Virus verloren hatte. Jake antwortete auf Cages Worte jedoch nicht, nickte diesem lediglich zu.
"You did right to defend yourself, Ma'am" wandte der Soldat sich schließlich wieder an Sarah und nahm ihr den Brieföffner aus der Hand, den er gleich zu einem seiner Männer weiter gab. "But of course we must check if the infected really didn't injured you and if your head is better than it looks from here" schmunzelte er etwas und deutete auf ihre Stirn. Ein wenig versuchte er die bedrückte Stimmung wieder zu kippen. "We need to check all of your, for saftey reasons and of course to make sure that, in case you need anything, you get medical care immediately" erklärte er kurz in die Runde, doch viel weiter kam er überhaupt nicht, als er aus dem Augenwinkel sah, wie Tess bereits auf Troy losging. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Nicht nur das sie eben schon Ärger mit einem hartnäckigen Paar gehabt hatten, jetzt gab es auch noch Drama in seinen eigenen Reihen. "Otto?! What is going on there?" rief er diesem jetzt genervt zu.
"Please, sir" wandte Jake sich nun doch an Cage. "Take care of my sister. Let me handle this" bat er ihn, was der Soldat nur zu gerne dankend annahm. Denn das hieß, dass er sich das ganze Drama nicht antun musste. "Hey! Hey" mischte Jake sich deshalb sofort bei seinen Freunden in die Streitigkeiten ein und legte Tess eine Hand an den Bauch um sie so etwas zurück zu halten, damit sie im Notfall nicht doch noch auf Troy losgehen würde. "Tess, calm down" bat er sie ruhig. Natürlich war sie sauer, wer konnte ihr das auch verübeln? Jake selbst war wütend auf Troy. Nicht unbedingt deshalb, weil er ihn zurückgelassen hatte. Ihn störte es viel mehr, dass er wusste was los war und Tess trotz allem mit ihrem sterbenden Vater alleine gelassen hatte.
Cage wandte sich unterdessen wieder Sarah zu. "I would take you to our medical station now. We'll get your brother and your friend there as soon as they are done here. Is this okay with you, Ma'am?"
Michael Porter
Alleine durch Lizas Tonfall wusste Michael, dass sie nicht locker lassen würde bevor er nicht bei ihr auf der Couch saß. Für ihre Unterstützung in all der harten Zeit war er ihr so dankbar, dass er es nicht in Worte fassen konnte. Geschweige denn davon, dass er nicht glaubte ihr die gleiche Unterstützung bieten zu können. Ständig befand er sich in dunklen Gedanken gefangen. Fragte sich, ob er die richtige Entscheidung getroffen hatte, wenn er einen Verdächtigen anschoss oder ihm sogar das Leben nahm. Auch in Lizas Beruf musste sie Entscheidungen über Leben und Tod treffen, was er oftmals vergaß. Er war kein selbstsüchtiger Mensch, vergrub sich aber öfter als es ihm lieb war in seiner Arbeit. Früher seltener, dafür heute umso mehr. Er sah es wie eine Flucht an, obwohl es dieser wahrlich nicht war. Wohl eher glich es einer Selbstgeiselung. Viele Kollegen hatten ihm geraten aufzuhören oder sich zumindest eine Auszeit zu gönnen. Jeden dieser gutgemeinten Ratschläge hatte er in den Wind geschossen. Wenn er rumsaß, holten ihn nur Rachegelüste ein und dies empfand er als schlimmer als sich zu überarbeiten.
Mit einem schwachen Schmunzeln sah er der Frau hinterher, die er liebte. Ihre Geste, seine Papiere einzusammeln und ins Wohnzimmer zu bringen, war ein altes Ritual. Meistens diente es dazu, dass auch ihm bald die Augen zufallen würdenn, wenn er einige Zeit auf der bequemen Couch saß. Ein Vorteil an dieser Zone war es ganz klar, dass sie ihr Zuhause noch hatten. In den eigenen vier Wänden war es einfach, den Wahnsinn der Außenwelt wenigstens für eine Weile auszublenden.
Der Polizist erhob sich vom Küchentisch und folgte Liza. Eine Hand legte er an ihren Hinterkopf und hauchte ihr sanft einen Kuss aufs Haar. „I love your bullhead.“, lächelte er, bevor er sich schließlich neben sie setzte. So nah, dass er seinen Arm auf ihrem Oberschenkel wie auf einer Armstütze ablegen konnte. Heute war ein merkwürdiger Tag gewesen und er war beruhigte, wenn er sie gleich bei sich wusste. Die Akte nahm er sich auf den Schoß, musste aber feststellen, dass sie wohl Recht hatte. Lange würde auch er seine Augen nicht mehr aufhalten können. Bevor er aber nicht zu wenigstens einer neuen Erkenntnis gekommen war, würde er weiter gegen seine schweren Augenlider ankämpfen.

Die aufkommende Erschöpfung machte es Sarah schwer den Worten des Soldaten zu folgen oder gar irgendwelche Widerworte zu leisten als man ihr ihre Waffe abnahm. Sofern man den kleinen, metallischen Brieföffner als Waffe bezeichnen konnte. Das sie damit gegen die trainierten Männer nur wenig Chancen hatte, war ihr bewusst. Von ihnen ging keine Gefahr aus, auch das wusste sie. Trotzallem hatte ihr der Brieföffner in den letzten Stunden Sicherheit geboten. Sie machte eine kurze Bewegung in die Richtung der kleinen Waffe als würde sie es wieder greifen wollen, da sie zu keiner Sekunde vorgehabt hatte diese abzugeben, gab den Versuch aber schnell auf. Die Blendung war zu groß und auch ihre Kopfschmerzen waren keine große Hilfe.
„I don't really have a lot of a choice here, do I?“, fragte die Lehrerin, meinte es aber keinesfalls böse. Die Männer gingen hier ja nur ihrer Aufgabe nach und sorgten für Ordnung. In gewisserweise mit ihrer Aufsichtspflicht vergleichbar, wenn ihre Arbeit auch nicht so lebensbedrohlich war. Für einen Moment sah sie zu ihrem Bruder. Wie so oft war Jake in einem Streit zwischen Tess und Troy gefangen. Nichts besonders Neues und garantiert kein Grund sich zu sorgen. Zuversichtlich nickte sie ihm zu. Sie machte sich keine Sorgen. Ihr Bruder hatte sich nicht angesteckt. Wäre dem so, hätte sie es schon vor Stunden gemerkt, sowie sie es immer merkte, wenn etwas mit ihm nicht stimme. Als große Schwester war das irgendwie ihre Pflicht. „Promise to take good care of him.“, war das Einzige, was sie von Cage verlangte. „And please stop calling me Ma'am. It makes me sound awfully old.“, schmunzelte sie leicht. Zum Scherzen war sie zu müde, wollte aber auch nicht unhöflich erscheinen. Zumal sie es sowieso schon kaum schaffte den Mann vor sich anzusehen. Die erhöhte Lichtempfindlichkeit machte es ihr unmöglich ihn richtig anzusehen.
Unterdessen schlug Tess wütend Jake's Hand zur Seite. Nicht, weil er sie so vertraut berührt hatte, sondern weil er sich indirekt auf Troy's Seite schlug. Vor wenigen Stunden hatten sie noch einen Moment miteinander geteilt, von dem sie naivierweise geglaubt hatte, er hätte mehr bedeutet als ihnen bewusst war. Wie immer aber agierte er als Streitschlichter. Zwischen ihr und Troy gab es nichts mehr zu retten und sie wusste das schon längst. Würde man sie aber fragen, warum sie dann immer noch bei ihm blieb, fiele ihr keine Antwort ein.
„Calm down?“, schnauzte sie ihn wütend an. „Are you insane?! You said it yourself, Jake! It was irresponsible to leave us. We could be dead by now only because Troy is a selfish, narcisstic ass!“ Andere Menschen weinten, wenn sie wütend waren. Tess wurde beleidigend. Troy schien es ehrlich zu treffen was sie sagte. Ein schweres Seufzen entfuhr ihm. Beide Hände stützten er sich in die Hüfte. Einen Moment lang schien er ernsthaft zu überlegen, was die richtigen Worte waren. „So you two conspired against me.. well, that's nice.“, sagte er mit einem so enttäuschten Unterton, dass es Tess nur noch wütender machte. „Stop being so paranoid! You left me with my dying father. How could you do that? That one time I needed you!“
„You know how stubborn you are, Tess.“, entgegnete Troy ihr wieder. Immer noch bemüht ruhig mit ihr zu sprechen. Vor seinen Kollegen die Fassung zu verlieren, konnte er sich nicht leisten. „I had a job to do. I had to be here and I tried everything to make you come with me. It was your choice to stay behind, if I'm allowed to remind you of that.“
Cage Hall
Die kleine Bewegung in Richtung des Brieföffners entging Cage natürlich nicht. Aber wenn Sarah ihn wirklich dazu benutzt hatte eine Infizierte zu töten würde man ihn für sie säubern und wenn sie ihn unbedingt wieder haben wollte, konnte sie ihn gerne haben. Einige der Überlebenden die her gekommen waren, hatten darauf bestanden gewisse Gegenstände zurück zu bekommen und solange sie damit keinen Unfug anstellten, hatte Cage auch kein Problem damit. Hier galten strenge Regeln was das Tragen von Waffen anging, aber die Leute wussten, dass sie diese hier sowie so nicht bei sich tragen mussten. Es war einfach nur um ihnen ein Gefühl der Sicherheit zu geben, wenn sie wussten, dass sie sich zur Not selbst verteidigen konnten.
"Not if you'd like to stay" schmunzelte der Soldat. Er zwang niemanden hier zu bleiben wenn er nicht wollte. Auch Roman und die anderen beiden würde er nicht zwingen, jedoch war sowohl er als auch seine Schwester verletzt gewesen. Sie so wieder auf die Straße zu lassen kam gar nicht in Frage. Erst aber mal wieder auf den Beinen, würden sie gehen können wann immer sie wollten. Reisende sollte man ja bekanntlicher Weise nicht aufhalten. "We will" versprach Cage, als Sarah auf Jake zu sprechen kam. Er kannte keinen der drei, Troy schien sie dafür aber umso besser zu kennen. Es würde ihm vieles vereinfachen. Durchgecheckt mussten sie trotzdem werden, genau wie auch zuvor schon Sam, Malcolm und Clara. Nur weil man die Leute kannte konnten sie einfach keine Ausnahme machen. Aber so wie die drei sich gerade stritten, hielt der Soldat es durchaus für möglich den Check Up auf den nächsten Morgen zu verschieben, bis sich die Gemüter etwas abgekühlt und beruhigt hatten.
"But for now let's get you to bed. Check up will be tomorrow morning" erklärte er verständnisvoll. Sicher war es auch für Sarahs Kopf wesentlich angenehmer, wenn sie erst einmal ein wenig Ruhe bekam. Er würde ihr noch erklären, dass sie mit verschlossener Tür auf der Krankenstation schlafen mussten, aber mit einem verschobenen Untersuchungstermin sollte dies für sie wohl kaum schlimmer sein, als die Tatsache, dass sie überhaupt untersucht werden musste.
Unterdessen hatte Jake alle Hände voll mit seinen beiden Freunden zu tun. Er befürchtete Tess würde Troy jeden Moment an die Gurgel gehen und stellte sich deshalb jetzt vor sie, damit er sie direkt ansehen konnte. Sein Blick hatte diesen typischen und ernsten Ausdruck, der sie daran erinnern sollte, dass sie es besser wusste als das. "It was" stimmte er ihr dennoch zu. Natürlich hatte sie Recht und er hatte genau das übe Troy gesagt. Ihn hier jetzt jedoch zur Sau zu machen, hielt er für keine gute Idee. Ihm wäre es lieber gewesen sie würden sich irgendwo streiten, wo nicht die komplette Belegschaft der Zone es mitkriegen würde.
"Say again?" sah er jetzt jedoch ungläubig über seine Schulter zu seinem besten Freund, der ihm jetzt auch noch vorwarf gemeinsame Sache mit Tess zu machen und sie beschuldigte, sich gegen ihn verschworen zu haben. Als er dann auch noch beharrte im Recht gewesen zu sein, als er Tess zurück gelassen hatte, musste Jake sich komplett zu ihm umdrehen um zu sehen, ob er seine Worte wirklich gerade ernst meinte.
"Her choice? Are you kidding me, Troy?" wollte er wissen, doch Troy schien es genau so zu meinen, wie er es gerade von sich gegeben hatte. "Your job is to protect innocent people, Troy! She is your god damn girlfriend and you knew what would happen!" wurde er nun lauter, was doch wieder Cages Aufmerksamkeit auf ihn zog. "Otto, you either calm your friends down or I will end this now and you can talk to one another again, when you remembered where you are here" sagte er streng.
Tess Graysmark
Von Cage getadelt zu werden gefiel Troy überhaupt nicht. Warum man einen riesen Affen wie ihn die Verantwortung übernehmen ließ, verstand er sowieso nicht. Sein Sergeant würde nie die Wichtigkeit seiner Untersuchung verstehen, sollte er je davon erfahren. Das wusste er auch so schon. „I have this under control!“, rief er seinem Vorgesetzten vor, wandte seinen Blick aber nicht von seinen Freunden ab. Wenn er diese überhaupt als solche bezeichnen konnte. „We didn't know for sure, okay? And I am protecting innocent people. Here. In the zone where everyone is supposed to be and where we are all needed. If you'd had been to war you'd know that you can't put one life about a thousand others. But do you think that was easy for me?“
Sein Blick, der zuerst auf Jake gehaftet hatte, wandte sich jetzt zu Tess. Mit wutverzerrten Augen sah sie ihn an. Ein Ausdruck, der in den letzten Monaten schon zur Normalität geworden war. „Tess.. you gotta believe me. Please.“, bat er sie reumütig. Jetzt hatte er sich ihr sogar soweit genähert, dass er seine Hände auf ihre Schultern legen konnte. Die Braunhaarige musste ihren Kopf anheben, damit sie ihrem Freund noch in die Augen sehen konnte. Mit gesenkter Stimme, sodass niemand außer sie ihn hören konnte, redete er weiter auf sie ein. Er wusste genau, was er sagen musste, damit sie ihm wieder verzieh. Im Grunde konnte es ihm egal sein, ob sie ihn verließ oder nicht. Das einzige was ihn davon abhielt, war der Gedanke, dass Jake sie sich nehmen würde. Soviel sein bester Freund ihm auch bedeutete, aber dies konnte er auf keinen Fall zulassen.
Tess Stimmung schien umzuschlagen je mehr Troy auf sie einredete. Hatte sich ihre Brust zuvor noch schnell gehoben, wurde ihr Atem nun ruhiger und ihr Blick sanfter bis zu dem Punkt, an dem sie ihre Arme um den Soldaten schlang. Sie umarmte ihn so fest, dass sie problemlos über seine Schulter zu Jake sehen konnte. Ihr Blick sagte aus, dass sie genau wusste das sie dabei war einen Fehler zu begehen. Nie hatte sie einer dieser Frauen sein wollen, die immer wieder zu ihren missbrauchenden Männern zurückkehrten, weil sie Angst hatten, was danach kam. Missbrauch fand sie dabei aber das falsche Wort. So sehr sie auch stritten, Troy hatte sie nie irgendwie angerührt. Trotzdem war diese Art der Beziehung schon seit langem nicht mehr gesund. Sie gab sich immer als cool und tough. Umso mehr hasste sie darum diese Momente in denen ihr selbst klar war, dass sie nichts davon war.
„You should go with your sister, Jake.“, sagte sie ruhig nachdem sie sich von Troy gelöst hatte. „Yeah.. you two should stay together. You don't know anyone here and I will take care of Tess from here.“, stimmte Troy ihr zu und schien dabei schon sichtlich besser gelaunt.
Wenn sie es könnte, hätte Sarah in diesem Moment mit ihren Augen gerollt. Ihr Bruder hatte sein Herz am rechten Fleck und immer wieder gab es Menschen die es ausnutzten. Das Tess ihm auf irgendeine Weise wichtig war, sah sie als seine Schwester sofort. Wenn ihr Körper es ihr nur erlauben würde, wäre sie jetzt rasend vor Wut, dass man ihn so behandelte. Die Entscheidung wo er bleiben wollte, konnte sie ihm aber nicht abnehmen. Um ehrlich zu sein wäre es ihr sogar ganz recht, wenn sie die Nacht nicht alleine verbringen musste. In dieser Sache hatte Troy nämlich leider Recht. Hier kannten sie niemanden und alleine in einem Zimmer zu sein, machte ihr fast so viel Angst wie alles andere das sie heute erlebt hatte. „Let's go Jake.“, rief sie deshalb zu ihm rüber. „We should get sleep before the check up tomorrow.“ Sie versuchte versöhnlich zu sein. In der Situation in der er gerade war, wollte sie für Jake da sein. Das konnte sie aber nur, wenn er jetzt mit ihnen mitkam. Ihn alleine zu lassen gab ihr ein ungutes Gefühl und so hoffte sie, er würde sie begleiten. Nichts davon lag daran, dass sie Cage nicht vertraute. Jedoch wirkte alles hier wie ein böser Traum und nachdem was er an diesem Tag durchgestanden hatte, hielt sie es unverantwortlich ihn alleine zu lassen. Davon abgesehen würde sie selbst besser schlafen mit einem freundlichen Gesicht neben sich.
Jake Landlow
Jake hätte seinem besten Freund so gerne unter die Nase gerieben, dass Cassie jetzt nicht mehr unter ihnen weihte, weil Troy das Leben seiner Freunde unter das von Fremden gestellt hatte. In keinem Fall wollte er seine Arbeit hier schlecht reden. Aber hätte er reagiert und gehandelt, wie es ein Freund nun einmal getan hätte und hätte er Tess, Jake und Cassie nicht im Dunkeln gelassen, dann würde seine Freundin jetzt vielleicht noch leben. Im Gegenteil aber hatte es Troy nicht einmal für nötig gehalten bei Jake vorbei zu schauen ob alles in Ordnung war. Das hielt er ihm dennoch weniger vor, als die Tatsache, dass Tess alleine mit ihrem sterbenden Vater zurück geblieben war und der Soldat es so hinstellte, als wäre es ganz alleine ihre Entscheidung gewesen zu bleiben. Troy war größer und gewiss stärker als seine Freundin. In diesem Falle hätte er sich durchsetzen müssen, damit sie mit ihm gefahren wäre. Doch ließ er sie zurück.
Aber welches Bild sich Jake dann bot, warf ihn vollends aus der Bahn. Fassungslos musste er mit ansehen, wie Tess nach irgendeiner Flüsterei Troys ihm jetzt wieder um den Hals fiel. Gerade hatte sie nicht einmal gewollt, dass er ihr näher als eine Armlänge kam und jetzt das. Die beiden waren sich einig darüber gewesen, dass Troy dieses eine Mal zu weit gegangen war. Sie standen auf einer Seite. Bis zu dem Moment, als Tess ihrem Freund wieder gegenüberstand. Jake hätte es sich auch denken können, wenn er mal ehrlich mit sich selbst gewesen war. Denn egal wie schlimm die Streitigkeiten zwischen den beiden waren, sie ging jedes Mal zu ihm zurück.
"You know what?" setzte Jake an, der einen ganzen Moment lang gebraucht hatte um zu seiner Fassung zurück zu kehren. "I should really stay with Sarah. She's the only one I can trust, right?" stellte die Frage, fast als sollte es ein Scherz sein. Aber Jakes Augen spiegelten wieder, dass er sich gerade vollkommen verarscht vorkam. In einem Moment wurde er zusammen gefaltet dafür, dass er die Situation nur beruhigen wollte und im nächsten Moment stand man sowie so wieder gemeinsam gegen ihn, wie es immer war. Nicht, dass die beiden sich dann mit ihm stritten. Aber er war immer derjenige, der am Ende mit nichts da stand, nur um sich zwei Tage später wieder das gleiche Drama anhören zu dürfen. Jetzt hatte er einfach genug davon. Die ganze Zeit versuchte er stark für alle zu sein, hatte nicht mal richtig um Cassie getrauert, die das alles nicht verdient hatte und Jakes schlechtes Gewissen ihr gegenüber reichte genau in diesem Moment bis in die Unendlichkeit. "Enjoy your night" gab er den beiden noch mit auf den Weg, versuchte dabei aber nicht allzu sauer zu klingen. Dann ging er zurück zu Sarah, wich dabei aber gekonnt dem fragenden Blick Cages aus. "Is everything okay then?" wollte dieser wissen.
"Yeah, yeah" winkte Jake nur ab. "Give me the car keys."
"What?"
"The keys. One of my men brings the car in and I show you where you will sleep tonight" erklärte Cage, da Jake ihm kurz den Anschein machte, dass er gleich ihn anbrüllen würde, anstatt seine Wut an denen aus zu lassen, die ihn wütend gemacht hatten. Doch nichts passierte und stattdessen wechselten die Schlüssel die Besitzer und keine Minute später setzte sich der Wagen ohne die drei in Bewegung. "Can you walk?" wollte er noch von Sarah wissen, doch ihr Bruder war schneller als sie. "She can barely see anything .. I'll carry her" antwortete er und einen Augenblick später hatte er sie auch schon hochgehoben und trug sie auf den Armen an Troy und Tess vorbei, ohne sie dabei nochmal anzusehen. "You either wake up Liza for a god damn check up now or you put her in the medical station, like everyone else who wasn't checked" ließ Cage Troy nochmal wissen, bevor auch er ihm den Rücken zuwandte und mit Sarah und Jake die Zone betrat.
Sarah Landlow
In einem abgeschlossenen Zimmer zu schlafen machte Sarah nicht allzu traurig. Zum ersten Mal seit Stunden fühlte sie sich in dem kleinen Krankenzimmer tatsächlich sicher. Gemütlich war es nicht besonders, aber das musste es auch gar nicht sein. Für heute war ein Bett und Schutz mehr als genug. Ihr Kopf hate sich an dem Abend nach Ruhe gesehnt, die er dann endlich auch bekommen hatte. Der Schlaf alleine wirkte schon wahre Wunder. Ohne Kopfschmerzen war sie aufgewacht und konnte ihre Umgebung endlich richtig erkennen, da auch das Licht sie nicht mehr so blendete wie zuvor. Obwohl noch keiner für ihren Check-Up da gewesen war, hatte man sie unter der Bewachung von Soldaten immerhin duschen lassen. Ihre Verletzung sah ohne das ganze Blut viel harmloser aus und auch sie begann sich besser zu fühlen. Unordentlich hatte sie ihr braunes Haar zu einem Dutt zusammengefasst aus denen einige Strähnen in ihr Gesicht fielen. Auf jegliche Form von Make-Up oder sonstigem hatte sie verzichtete, auch wenn man ihr ihre Tasche zusammen mit dem Frühstück gebracht hatte. Nach dem gestrigen Tag schienen solche Dinge als unwichtig.
Die ganze Zone erwachte langsam wieder zum Leben, was sie aus einem Fenster beobachtete, auf dessen Fensterbank sie sich verzogen hatte. Jake war seitdem sie angekommen waren in schlecher Stimmung. Nur sehr selten hatte sie ihren Bruder mit einer solch wütenden Miene gesehen. Beinahe machte es ihr Angst. Ein sinnvolles Gespräch wäre an diesem Abend nicht mehr möglich gewesen also hatte sie ihn mit seinem Groll alleine gelassen. Bis jetzt.
„How are you holding up?“, fragte Sarah wobei sie den Blick vom Fenster abwandte und zu prüfung zu ihrem Bruder sah. „Don't tell me you're fine. I can clearly see that you're not and if you were I'd be even more worried.“ Es abzustreiten würde ihm nichts bringen. Dafür kannte sie ihn doch viel zu gut. Nun da es ihr wieder besser ging, konnte sie voll und ganz ihre Rolle als große Schwester einnehmen. „She is important to you, isn't she?“ Sie konnte sich seine schlechte Laune nur so erklären. Vorwürfe wegen Cassie wollte sie in diesem Moment gar nicht machen. Sie wollte lediglich wissen was Jake auf der Seele lastete damit sie ihm helfen konnte.

Die Nacht auf den dünnen Feldbetten war in der ersten Nacht wohl für keinen besonders bequem, wenn man sonst federweiche Betten gewöhnt war und trotzdem fühlte sich Malcolm um einiges ausgeruhter als zuvor. Von den dreien war er als erstes wach und ließ die beiden Frauen noch für eine Weile liegen. Die beiden nahm das alles doch etwas mehr mit als ihn selbst, was er nicht dem weiblichen Geschlecht zuschrieb, sondern eher ihrem Alter und der Sanftmütigkeit, die sie beide in sich trugen. Leise stieg er also aus dem Bett, was sich, so nah wie die Betten aneinander standen, als äußerst schwierig gestaltete. Endlich in seine Stiefel gestiegen verließ er das kleine Zelt. Weit würde er sich nicht entfernen für den Fall, dass die anderen auch schon bald wach wurden. Wenn es soweit war, wollte er gleich da sein. Auch wenn es hier sicher war und er vertraute Cage voll und ganz, war es ihm lieber, wenn sie erstmal zusammen blieben. In einer Sicherheitszone wie dieser fanden sich viele verschiedene Personengruppen nah beieinander. Auch solche, die sonst nie miteinander geredet hätten. Für Konflikt sorgte dies auf jeden Fall. Darum blieb er vor dem Zelteingang und sah sich die Gegend an.
Noch war früher Morgen aber umso mehr die Zeit verstrich, desto mehr Menschen kamen aus dem Zelt oder den umherstehenden Häusern. Wie in einem normalen Alltag auch schienen sie zur Arbeit zu gehen und Kinder begannen Bälle auf der Straße hin und her zu kicken. Es war ein friedliches Bild, dass ihn zutiefst beruhigte. Vielleicht würde ja doch alles noch gut werden, dachte er sich.
Ganz anders waren Sams Gedanken, die zum wiederholten Male aufwachte. Eli hatte versucht sie aufzumuntern, aber solange sie nicht für sich selbst gesehen hatte wie gut es sein konnte, wo sie nun waren, war ruhiger Schlaf nicht möglich. Immer wieder war sie aufgewacht, hatte sich umgedreht und war wieder für ein paar Stunden eingeschlafen. Dieser Zyklus hatte sich einige Male wiederholt bis sie beschloss wach zu bleiben, da sie auch ihren Vater nicht mehr neben sich entdecken konnte. Fast das komplette Zelt war schon wach und hatte sich zum Großteil geleert. Mit einem schweren Seufzen richtete die Blonde sich auf. Einerseits war sie froh, dass die Nacht vorbei war. Andererseits hätte sie gerne noch ein paar Stunden geschlafen um die Realität auszuschließen.
Die Klamotten vom Vortag behielt sie an, schlüpfe in ihre Schuhe und stand endlich auf. Jeder ihrer Knochen schmerzte dabei durch die ungewohnte Schlafhaltung, die sie hatte einnehmen müssen um überhaupt ein Auge zuzubekommen. Da Clara neben ihr noch immer schlief, lief sie um das Bett herum und legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter. Brutal aus dem Schlaf reißen wollte sie ihre Nachbarin nicht. „Clara.. it's time to wake up.“, sprach sie mit flüsternder Stimme. „Dad is already up. We should go looking for him and Cage.“ Weit war ihr Vater sicherlich nicht gegangen, dessen war sie sich sicher. Jedoch wollte sie ihn finden bevor Cage es tat, damit sie nichts der Informationen verpasste, die er ihr vorenthalten wollte.

Mal wieder auf der Couch eingeschlafen zu sein war für Michael keine Überraschung gewesen. Besonders lange hatte er seine Augen nicht offen halten können. So sehr er auch versucht hatte sich zu konzentrieren, am Ende trat genau das ein, was Liza ihm prophezeit hatte. Gemeinsam mit ihr war er auf der Couch eingeschlafen. Kein ungewöhnliches Bild für das Ehepaar. Ihre Jobs, die sowieso schon immer anstrengend gewesen waren, nahmen jetzt ganz neue Belastungsausmaße an. Ruhig schlafen ließ ihn das schon lange nicht mehr und so war es nichts Neues, dass er auch ohne Wecker früh auf den Beinen war. Im Normalfall begleitete er Liza nicht zu ihren Check Ups. Heute würde er aber eine Ausnahme machen, denn das Wohl der Zone konnte von diesem Besuch abhängen.
Mit seinen Akten unter dem Arm lief er gemeinsam mit seiner Frau die Treppen herunter zu dem Zimmer, in dem sie Healey und Mike am Abend zuvor zurückgelassen hatte. „In case anything happens, I will be in the next room. Just scream and I'll be there.“, versprach der Polizist seiner Frau. Solange sie nicht wirklich wussten ob Mike mit Roman gemeinsame Sachen machte, hatte er keine ruhige Minute, wenn Liza alleine mit ihm zusammen war. Ihr damit Angst zu machen lag ihm fern. Sie sollte nur wissen, dass er immer bei ihr war.
Schwungvoll öffnete er die Tür zu dem Zimmer. Kaum hatte er dies getan, schlug seine fürsorgliche Miene um. Der Anblick von Mike löste immer noch ein ungutes Gefühl in ihm aus, auch wenn er sich Mühe gab sich neutral zu halten. Andererseits gehörte es zu seinem Beruf dazu sich nicht von Verdächtigen einlullen zu lassen. „Morning.“, begrüßte er die beiden, was Mike veranlasste sich zu ihm umzudrehen.
Der Anwalt hatte mit jemand anderem in der Tür gehofft. Sogar der breite Soldat wäre ihm lieber gewesen. Stattdessen mussten sie mit dem Polizsten vorlieb nehmen, der ihn gestern noch bedroht hatte. „Liza will do your check up now. In the meantime I will have a little chat with your girlfriend.“, kündigte er gleich an, noch bevor Mike seinen Mund überhaupt aufmachen konnte um sich zu beschweren, was dieser aber sofort nachholte. „You're not going to seperate us again.“, erwiderte er. „And that's where you're wrong. I have a few questions for the blonde one here and we will get to them next door.“ Michael sah Healey mit einem falschen Lächeln an. „The faster we get this done, the fast you get to see your brother. So come on..“, forderte er sie auf und hielt er sogar die Tür auf damit sie vorran ging. Gewalt anwenden wollte er wirklich nicht, aber um die Wahrheit zu erfahren musste er die beiden einfach voneinander trennen.

Der Einzige, der in dem ganzen Chaos wohl gut geschlafen hatte, war Troy. Friedlich schlief er neben seiner Freundin. Tess dagegen lag fast die ganze Nacht wach und starrte die Wand an, gequält von ihrem schlechten Gewissen gegenüber Jake und der Angst vor dem was Troy tun könnte. Sie fühlte sich deswegen schon ganz paranoid. Eine Zeit lang hatte sie niemand anderem so sehr vertraut wie Troy und jetzt fürchtete sie sich fast vor ihm. Ihr Vater würde ihr jetzt sagen, dass sie einfach zu viele Horrorfilme gesehen hatte. Leider war dieser aber nicht hier um sie zu beruhigen. Genauso wenig wie Jake, der vielleicht nie wieder ein Wort mit ihr reden würde, wenn sie nicht bald die Gelegenheit bekam mit ihm zu reden.
Vorerst musste sie auf diese Chance aber noch warten. Troy schien sie auf weiteres nicht aus den Augen lassen zu wollen. Sogar seine Schicht tauschte er, damit er Tätigkeiten nachgehen konnte, bei denen es Tess erlaubt war bei ihm zu bleiben. Sie hätte es sich anders gewünscht, hatte es sich im Endeffekt aber selbst eingebrockt. Irgendwann würde man aber auch ihn wegrufen und dann würde sie Jake suchen um ihm alles zu erklären. Ihn zu verletzen war das letzte gewesen, was sie wollte. Erfolgreich hatte sie aber genau das hingekriegt. Von all diesen Grübeleien bekam ihr Freund gar nichts mit. Die ersten Stunden am Morgen hatte er damit verbracht ihr alles ausführlich zu erklären. Wirklich zugehört hatte sie nicht und jetzt fand sie sich auf einer Kiste sitzend wieder und beobachtete Troy dabei wie er Essen an die Menschen ausgab. In dieser Umgebung hatte er so viel mehr von dem jungen Mann, den sie zu kennen glaubte. Trotzdem beruhigte es sie nicht. Immer wieder wanderte ihr Blick zu dem Gebäude, in das Jake mit seiner Schwester gegangen war, in der Hoffnung zu sehen, wann er dieses verließ.
Troy hatte für die Leute hier sein freundliches Lächeln aufgesetzt, während er an jeden sorgfältig die Ration fürs Frühstück verteilte. Spielen musste er das hier nicht mal wirklich. Die Zone und die Menschen lagen ihm wirklich am Herzen. Seine Freunde, falls er sie noch so nennen konnte, sahen das aber nicht. Er konnte es in Tess Augen sehen und auch ihre ungewohnte Stille, verriet ihm das. Fürs Erste hatte er aber beschlossen all das zu ignorieren und abzuwarten. Schon bald würde sie sicherlich erkennen wie gut hier alles war und das er Recht gehabt hatte mit dem, was er ihr zugeflüstert hatte. Mit manchen Dingen musste man einfach Geduld haben.
Jake Landlow
Anders als seine Schwester hatte Jake die Dusche abgelehnt. Er hatte seine Zeit quasi an Sarah übertragen, damit sie sich etwas erholen konnte. Da er sowie so nicht geschlafen hatte, sondern nur so tat, bis seine Schwester schlief, ging es seinem Körper wie noch am Abend zuvor. So hatte er es zumindest ein wenig bei Sarah wieder gut machen können. Glaubte er zumindest, auch wenn sie wohl behaupten würde, dass es gar nichts gab das er wieder gut machen müsste.
So saß er also auf einem der Besucherstühle in dem Raum und hatte seine Ellenbogen auf den Oberschenkeln abgestützt, so dass er sich nach vorne lehnen konnte. Mit den Fingern drehte er immer wieder das schmale Lederarmband an seinem Handgelenk und sah nur starr vor sich auf den Boden.
Jake versuchte schon seit Stunden die Puzzelstücke zusammen zu setzen. Erst war Tess so unglaublich sauer auf Troy gewesen, dass er Sorge hatte, sie würde noch etwas unüberlegtes tun. Und nur einen Augenblick später fiel sie ihrem Freund wieder um die Arme. Was hatte er ihr also gesagt, das so wichtig oder so bewegend sein konnte, dass sie all ihre Wut einfach vergaß? Denn hatte sie zuvor Jake dafür klein gemacht, dass er schlichten wollte, so war ihr Verhalten am Ende doch das schlimmere von beiden gewesen. Nicht, dass Jake sich Chancen bei Tess ausgemalt hätte. Oder vielleicht hatte er das, wusste aber genau, dass diese nicht wirklich ernsthaft bestanden. Aber egal was es gewesen war, es hatte ihn wie ein Schlag getroffen. Sich so sauer zu erleben, war selbst etwas vollkommen Ungewohntes für ihn. Normalerweise war er ausgeglichen und stritt nur in den aller größten Ausnahmen. Und dann auch niemals so, wie es am Vorabend passiert war.
Erst als Sarah ihn ansprach, kam er aus seinen Gedanken über die Nacht zurück, die jeglichen anderen Gedanken in seinen Kopf bereits aufgefressen hatten. "Hm?" machte er, als er zu ihr aufsah. Er hatte wohl verstanden, was sie sagte, aber es war wohl eine Art Reflex, den man einfach jedes Mal hatte, wenn man mit dem Kopf gerade woanders gewesen war. "They both are .." seufzte Jake schwer und ließ sich in den Stuhl zurück sinken. "But she was so angry with him, you know? He left her with her dying father, knowing what could happen" erklärte er, wobei er wieder zu Sarah sah. Sie wusste ganz sicher, was genau er meinte, ohne es dabei aussprechen zu müssen. "I was angry with him for doing this! I still am .. but she .. I don't know what happened last night. I wanted to help both of them to let go. They are like poison for one another. Or maybe they're just poison to me .. I have no idea what to do, Sarah. I'm not fine, I feel like shit! I hate myself that I couldn't save Cassie and I don't know but maybe I just left Tess to her own faith with no light at the end of the tunnel. Plus I'm the reason you got hurt .. I'm a total mess and I think I'm about to lose it."

Cage war wie jeden Morgen früh auf den Beinen. Er war der Letzte auf der Nachtschicht und der Erste im Frühdienst. Sein Glück war wohl, dass sein Körper so kräftig war und dies ohne große Probleme auszuhalten schien. Aber er musste es auch. Cage hatte es sich zur Mission gemacht, auf jeden hier aufzupassen so gut er nur konnte. Ob es sich dabei um die Zivilisten handelte oder um seine Männer war vollkommen egal. Einige sahen es zwar nicht, aber Cage sollte das nicht stören. Er wusste, dass es genau so war und nur weil der ein oder andere mit seiner Art nicht klar kam, konnte er diese nicht ändern. Er musste Strenge zeigen um selber konsequent zu bleiben. Ein nicht ganz so leichtes Unterfangen, aber wenn erst einmal Ruhe eingekehrt war, würde auch er mal einen Tag Urlaub nehmen können. Bis dahin galt es einfach nur durchzuhalten.
Mittlerweile hatte er wohl schon den zweiten Kaffee intus und steckte sich gerade mindestens die fünfte Zigarette in Folge an. Ein Ritual das weder gesund noch wirklich empfehlenswert war. Aber irgendwie musste Cage ja wach werden. So schlenderte er also zu dem großen Sammelzelt, vor dem er seinen Vater auch schon gleich ausmachte. "Morning" grüßte er diesen, überhaupt nicht überrascht davon, dass Malcolm bereits auf den Beinen war. "I told you it's getting better with sunlight" schmunzelte er, während er die Kinder beobachtete, wie sie den Ball hin und her kickten. Es war noch ein wenig Zeit bis zum morgendlichen Appell. Meist wartete er dafür eine kurze Berichtserstattung aus der Krankenstation ab. Wahrscheinlich würde es heute länger dauern, was aber nicht weiter schlimm war. So hatte Cage wenigstens einen Moment für sich und seine Familie. "Hm?" machte er fragend, wobei er seinem Vater die Schachtel Zigaretten hin hielt. Diese waren hier wie bares Geld und dem entsprechend heiß begehrt. Normalerweise machte Cage sich nichts aus dem Vorteil, dass er hier das Sagen hatte und somit an alles ran kam, das er wollte. Nur dieses eine Laster konnte er nicht ablegen.
Clara dagegen war erst spät in der Nacht eingeschlafen. Die ganze Zeit über hatte sie wach gelegen und auch mit Malcolm und Sam in ihrer Nähe wurde das ganze nicht wirklich besser. Es war ein ganz furchtbar blöder Tick den sie hatte. So viele Fremde machten sie bei Tag nur wenig nervös, aber mit ihnen allen in einem Zelt zu schlafen war für sie wie jemanden mit panischer Höhenangst auf den Eifelturm zu zwingen. Erst als die Müdigkeit stärker war als ihre Augenlider, konnte sie dieser nachgeben. So hatte sie also nicht besonders viel geschlafen, als Sam sie weckte. Verschlafen blinzelte sie die Blonde an, brauchte aber nicht sehr lange um richtig wach zu werden. Im Tiefschlaf war sie nämlich nicht gewesen und so saß sie nur einen Moment gerade in ihrem Bett. Eine Hand hielt sie sich gähnend vor den Mund, als sie sich umsah. Das Zelt war beinahe leer. "Yeah, yeah, I'm coming" sagte sie noch ein wenig neben der Spur, stand jedoch auf. Die dünne Jacke, welche sie als Decke benutzt hatte, zog sie sich noch über, bevor sie der Blonden aus dem Zelt folgte.

Liza hatte sich in der Nacht wie eine Schlange um ihren Mann gewunden und schlief so halb auf ihm und halb auf dem Sofa. Seit dem Tod ihres Sohnes, litt sie vor allem Nachts unter Verlustängsten. Tagsüber hatte sie es unter Kontrolle, aber Nachts wollte ihr Körper einfach nur so nahe bei dem von Michael sein, wie es ihr nur möglich war. Sie hatte es für eine gewisse Zeit therapieren lassen, gebracht hatte es jedoch nichts. So ließ sie dem einfach freien Lauf. Immerhin gab es wesentlich schlimmeres, als eng umschlungen mit ihrem Ehemann einzuschlafen. Das einzige was daran wohl störte waren ihre eingeschlafenen Gliedmaßen und der krumme Rücken am nächsten Morgen. Und ohne warmes Wasser war es jetzt zur Tortur geworden das alles schnell und angenehm wieder los zu werden. Deshalb war Liza seit Tagen schon in der Früh voll mit einer halben Kanne Kaffee, damit ihr Körper irgendwie wach wurde. Sie hatte quasi jeden Tag eine 24 Stunden Schicht. Wenn Cage oder einer der anderen einen Notfall in der Nacht hatten, fragten sie nie ihre Helfer sondern kamen gleich zu ihr. Der Kaffee war also bitter nötig.
Die Haare hatte sie zu einem unordentlichen Dutt nach oben gebunden. Normalerweise zierten ihre Haare immer dekorative Haarnadeln. Seit sie aber quasi die ganze Zeit in Alarmbereitschaft waren, hatte Cage sie gebeten auf diese zu verzichten, da man ja nie wusste wen man da behandelte. So stieg sie also von Haarnadeln auf Gummibänder um und dem entsprechend unordentlich sah ihr lockiges Haar am Ende aus. Im Vergleich zu ihr sahen die beiden Insassen der Isolationszelle aber wesentlich mitgenommener aus musste Liza schließlich feststellen. Beide wirkten sie müde und blass waren sie auch. Wahrscheinlich weil ihnen der Magen bis in die Kniekehlen hing, aber noch mussten sie etwas warten. "Morning" begrüßte auch Liza die beiden.
Healey schenkte ihnen jedoch keinerlei Beachtung. Sie saß noch immer auf der Liege und ließ die Beine von dieser baumeln, während sie sich ihre Haare zu einem Pferdeschwanz hoch band. Das ihr Rücken sie dabei aber fast umbrachte, verschwieg sie. Sex auf dieser schäbigen alten Liege zu haben, war vielleicht nicht die beste Idee gewesen, aber definitiv half es mal für einen Moment abzuschalten. Erst als Michael sie dann aber direkt ansprach, wandte sie den Blick zu ihm. Das einzige was Healey dabei wirklich gelockt hatte waren die Aussichten auf ein Wiedersehen mit ihrem Bruder. Denn noch immer hatte sie keine Ahnung wo er war oder wie es ihm wirklich ging. "I have to" wandte sie sich an Mike, sprach jedoch leiser, damit die anderen es nicht unbedingt mitbekommen mussten.
Healey rutschte von der Liege und ging zu Mike. "I need to know how Roman is doing" erklärte sie, bevor sie sich zu ihm hoch streckte und sanft seinen Mundwinkel küsste. "I'll be right back. And remember: I almost am a lawyer, I can handle him" schmunzelte sie und versuchte so ihrem Verlobten ein wenig gut zu zusprechen. Noch einmal schenkte sie ihm ein Lächeln, bevor dieses verschwand, als sie Michaels Bitte nachging und vorausging. Liza wartete noch bis die beiden den Raum verlassen hatten, bevor sie auf die Liege deutete. "Please have a seat, Mike" nannte sie ihn beim Vornamen, da sie keinen Sinn dahinter sah, jetzt noch förmlich zu bleiben.

Ella war wie an jedem Morgen schon früh auf den Beinen gewesen. Nur weil sie sich jetzt in einer Quarantänezone befand, konnte sie nicht einfach aus ihrem Trott heraus und ihre morgendliche Routine schleifen lassen. Noch bevor es überhaupt richtig hell war, joggte die junge Frau bereits die zweite Runde um den Block in welchem sich auch die Krankenstation befand. Mit Absicht hatte sie sich diese Route ausgesucht. Hier passierten zu jeder Tages- und Nachtstunde einfach die spannensten Dinge. Heute war es jedoch ruhig gewesen, da Liza etwas später anfing, als normalerweise. Wahrscheinlich war es eine umso längere Nacht für die Ärztin gewesen.
Nach ihrer Rückkehr zum Zelt fand auch schon das doch sehr sparsame Duschen statt. Wasser war begrenzt, da der Strom begrenzt war. Hatten sie eines nicht, wurde das andere auch schnell knapp. Deshalb gab es pro Kopf nur ein paar wenige Minuten unter dem Wasser. Kalt war es noch dazu, da sich den Strom für die kalten Tage aufsparen wollte, den sie durch Notstromaggregate erzeugen konnten. Zwar konnte Ella schwören, dass hier einige Leute eine Sonderbehandlung bekamen und warmes Wasser benutzen durften, auf sie hören würde aber wahrscheinlich sowie so niemand.
Zurück im Zelt suchte sich die junge Frau frische Kleidung unter ihrem Bett hervor und versuchte wie jeden Tag ihrer Linie treu zu bleiben. Sie war von anfang an in der Zone gewesen, wohnte gar nicht weit weg von hier und hatte es so doch ziemlich leicht her zu kommen. Ihre Eltern lebten immer noch in Mexiko, also war sie alleine hier und hatte niemanden auf den sie groß hätte Rücksicht nehmen müssen. Einige ihrer Freunde hatten es zwar auch her geschafft, aber irgendwie hieß es wohl doch mehr "Der Stärkere gewinnt" anstatt "Einer für alle und alle für einen". Und als ob das ganze nicht schon merkwürdig genug wäre, Ella hielt irgendwie an ihren Notizen und Büchern für ihr Studium fest. Abends blätterte sie darin rum, markierte sich Dinge oder schrieb neue auf. Es war wie das letzte bisschen Alltag, das sich wohl jeder irgendwie versuchte zu bewahren. Dem entsprechend war sie auch gekleidet. Sie hatte sich von der Kleiderstation ein Jeanshemd geholt, welches ihr mindestens zwei Nummern zu groß war. Die Ärmel hatte sie hoch gekrempelt und die unteren Knöpfe bis unter die Brust geöffnet, damti sie sich den Stof zusammen knoten konnte. Dazu trug sie eine ihrer vielzähligen schwarzen Leggins, welche an den Oberschenkeln transparente Muster hatte und ihre schwarz weißen Sneaker. Mit ihrem dunkeln Haar, welches nach dem Trocknen in großen Wellen über ihre Schulter fielen, sah sie nach einer typischen Studentin einer Großstadt aus.
So machte sie sich also auf den Weg zur Rationenvergabe. Diese fand genau zwei Mal am Tag statt und entweder man hatte Glück und bekam irgendetwas Gutes das man bis zum Abendbrot genießen konnte oder man hatte Pech und bekam eine Dose eingelegter Pfirsiche. Die meiste Zeit hatte Ella doch aber ziemliches Glück gehabt. Andere würden sagen, sie nutzte ihr hübsches Gesicht um besser behandelt zu werden, aber eigentlich war Ella nur nett zu den Soldaten. Die meisten Leute hier waren angespannt und dem entsprechend gestresst. Begegnete man den Männern aber mit einem Lächeln, behandelten sie einen einfach gleich ganz anders, da die Situation auch für sie entspannter war. Zu ihrem Glück erwischte sie auch so gleich die Reihe, in welcher Troy die Rationen verteilte. Wenn sie ehrlich war, hatte sie sich sogar mit Absicht an dieser und nicht der kürzeren Reihe angestellt. Ihrem Gesicht sah man auch gleich an wieso. Denn immer wenn sie mit Troy ins Gespräch kam, schien es als hätte sie vorher eine extra Ladung Zucker gegessen, um besonders süß zu ihm sein zu können. "Hey" sagte sie, wobei sie sich dabei erwischte einen Moment zu lange auf seine Lippen gestarrt zuhaben. Schnell besann sie sich aber wieder und versuchte nicht noch auffälliger zu wirken als sowie so schon. "So" fuhr sie fort wobei sie etwas versuchte auf seine Liste zu schauen. "What do you have for me today?" schmunzelte sie schließlich wieder zu ihm hoch. Tess schien ihr dabei überhaupt nicht aufzufallen. Für sie war die Brünette einfach nur eine weitere Überlebende, die es sie gemütlich gemacht hatte und wartete, bis die Schlangen leerer wurden.
Sarah Landlow
So erleichtert Sarah auch darüber war, dass Jake ehrlich zu ihr war, überdeckte es doch nicht ihre Sorge. Allein sein Anblick hätte sie schon furchtbar besorgt. Es war ein sehr ungewöhnliches Bild ihn so in Gedanken versunken zu sein. Genau so war sie es nicht gewöhnt ihn so wütend zu sehen wie am Vorabend. Das war nicht ihr Bruder, den sie da gesehen hatte und sie hasste es das er sich so quälte und es anscheinend nichts hab da sie tun konnte. Sie ließ ihn ausreden, während er sich das Herz ausschüttet. Das er abblockte, hätte sie jetzt auch nicht zugelassen. „First of all, don’t you worry about me.”, bat sie ihn mit sanften Augen. „The headache is gone and everything else is just a scratch.”  Um nichts davon musste er sich sorgen. Wie sich die Ereignisse auf lange Zeit auf ihre Psyche auswirken würden, vermochte sie jetzt noch nicht zu sagen, hatte aber beschlossen nicht zu sehr darüber nachzudenken. Es würde nur ihre wirren Gedanken nähren und bis sie wussten was wirklich los war, hielt sie Verdrängung für die bessere Option. 
Die Brünette rutschte von der Fensterbank, auf der sie eben noch gesessen hatte. Aus der Ecke zog sie sich einen von den weißen, sehr unbequem aussehenden Stühlen mit auf dem auch Jake saß. Nah zu ihm stellte sie diesen Stuhl damit sie sich direkt neben ihn setzen konnte und griff nach seiner Hand. 
“You did nothing wrong, Jake. Please remember that.”, bat sie ihn inständig. „I didn’t know Cassie but I do know that you did everything to protect here. Just like you did with me or Tess.” Für sie war es schwer zu sagen was ihm am meisten auf der Seele lastete. Vermutlich fühlte er sich genauso durcheinander wie sie am Abend zuvor. „From what I’ve seen I think Tess really needs you and she probably knows that. But Troy.. what they have and after what you’ve told me.. he is not good to her and he is not a good friend to you. Whatever you said must’ve scared her, I’m sure. Even if people treat us bad or especially then it’s hard to let go. Remember that one boyfriend of mine from college?“, fragte sie ihn. Nie hatte sie einen Freund wie Troy gehabt, aber vielleicht war die Situation vergleichbar. „He kept cheating on me over and over again and I still stayed because I thought he was going to change. I always thought there was good in him and that it was my fault that he did those things. It took me a while to realize I was wrong. Maybe Tess feels the same way. You should talk to her and find out.”, riet sie ihm mit einem fürsorglichen Lächeln. „Don’t give up on her yet. You would never forgive yourself, I know you.”

Schon aus der Ferne konnte Malcolm seinen Sohn erkennen. Trotz des Getummels war Cage aufgrund seiner Größe auch kaum für irgendwen zu übersehen. Doch war dies nicht der Grund warum er ihn ausfindig machte. Seine Kinder würde er unter tausenden erkennen. Durch seine Zeit beim Militär hatte Cage sich zunehmend verändert. Äußerlich wie auch innerlich, aber dennoch war er sein Sohn. Nichts würde sich daran jemals ändern und stolzer könnte er auf ihn gar nicht sein. Vorallem wenn er sich ansah, was er hier aufgebaut hatte. Natürlich hatte die Regierung ihren Teil dazu beigetragen, dem war er sich sicher. Nichtsdestotrotz hatte er hier die Verantwortung.
Mit einem freudigen Lächeln begrüßte Malcolm ihn. Heute war er guter Dinge. Der Schlaf war nicht wirklich ausreichend gewesen um sich fit zu fühlen, aber er hatte genug Kraft um endlich alles in sich aufzunehmen und zu begutachten. Für ihn gab es keinen Grund für irgendeine Beunruhigung. „Good morning to you as well.“ Bei dem Angebot der Zigarette hob er seine Hand um abzulehnen. Jeder Mensch hatte seine eigenen Laster, aber er war froh darüber das weder Rauchen und Trinken zu den seinen zählte. Hin und wieder gab es ein Feierabendbier, aber das war dann auch schon alles. „It really does. What you built here is impressive, Cage. I'm proud of you.“, lobte er ihn direkt, auch wenn er noch nicht viel der Zone gesehen hatte. Das musste er aber auch gar nicht. Auf seine Kinder war er immer stolz also war es nie gelogen. Lange Zeit hatte er seinen Sohn jetzt nicht gesehen, da sah er keinen Grund warum er um den heißen Brei herumreden sollte anstatt es ihn gleich wissen zu lassen.
In der Zwischenzeit verließen die beiden Frauen das Zelt. Dort war das Licht noch so schummrig gewesen, dass Sam sich eine Hand an die Stirn hielt um die ersten Sonnenstrahlen abzuschirmen. „Morning.“, begrüßte sie den Rest der Familie mit einem schwachen Lächeln. „Sleep well?“, fragte er die beiden. Leicht zuckte die Blonde mit den Schultern. „Not really.“, gab sie schmunzelnd zu, war aber doch auch besser gelaunt als noch am Abend. „I have really no idea how you manage to sleep on one of those things for months.“, richtete sie das Wort an ihren Bruder, der das Schlafen auf den Feldbetten mehr gewohnt war als irgendwer sonst, den sie kannte. Schon nach einer Nacht vermisste sie ihr richtiges Bett.

Sonderlich begeistert war Mike nicht, dass Healey so bereitwillig mit dem Polizisten gehen wollte, der ihn Stunden vorher noch hatte erschießen wollen. Anwältin hin oder her. Wie wenig ihnen das Gesetz an diesem Ort helfen würde, hatte man ihnen schon beigebracht. Trotzdem konnte er verstehen wie wichtig es für sie war Roman wiederzusehen, von dem sie noch nicht wirklich etwas gehört hatten. Sowie er dessen Temperament kannte, würde es kein gutes Ende nehmen sobald er aufgewacht war und Healey nirgends fand. Dies behielt er aber lieber für sich. Sie hatten schon genug Ärger gehabt. „Be careful.“, bat er seine Verlobte eindringlich. Eine Hand legte er für einen Moment sachte an ihre Seite.
„You get her back in one piece, don't worry.“, versprach Michael ihm, der das Szenario beobachtete hatte. Das er gerade nicht die vertrauenswürdigste Person war, war ihm bewusst. Dennoch meinte er es, im Gegensatz zu dem Glauben der anderen, tatsächlich nur gut. „And you will always be able to see her.“, ließ er ihn noch wissen und machte eine ausschweifende Bewegung zu der transparenten Wand. Er hatte nicht vor einen Krieg gleich hier anzufangen und wusste, es würde Mike beruhigen, wenn er ein Auge auf die Situation hatte und damit das Gefühl etwas Kontrolle zu haben auch wenn dem nicht so war.
Seufzend ließ Mike sich auf der Liege nieder, wie Liza es von ihm verlangt hatte nachdem Healey mit dem Polizisten den Raum verlassen hatte und die Tür ins Schloß gefallen war. „He isn't planning on shooting us all seperately now, is he?“, wagte es Mike zu scherzen. Wenn man darüber nachdachte kein guter Scherz. Vorallem nicht Liza gegenüber, wenn man mal die gemeinsame Vergangenheit betrachtete. Nur fühlte er sich immernoch ratlos und das war ein Gefühl, dass ihn schon immer in die Enge getrieben hatte.
In dem anderen Zimmer schloß Michael die Tür hinter sich. Abschließen hielt er nicht für nötig. Sie beide wollten Informationen des jeweils anderen, da würde sie nicht versuchen zu fliehen und es gleichzeitig riskieren ihren Bruder nicht wiedersehen. „Sit down.“, wies er die Blonde an und verwies dabei auf einen Stuhl der an einem kleinen Tisch stand. „I want to talk to you about your brother. Who isn't really your brother, if I'm all correct?“, fragte er sie, meinte es aber doch rhetorisch, denn die Antwort kannte er schon. Wenigsens auf die eine. Nur weiterhelfen tat sie ihm nicht sehr viel.
„What does the name Arnold Edwards mean to you?“, fragte er sie als erstes. Genau beobachtete er dabei jede Regung ihres Gesichts. Wenn sie etwas wusste, würde sie schon auf den Decknamen ihres Bruders reagieren. Die Akte, die er bei sich hatte legte er vor ihr auf den Tisch. Er öffnete diese sogar damit sie einen Blick auf den Inhalt erhaschen konnte, schob sie aber noch nicht zu ihr hinüber.

Immer mal wieder sah Troy während der Essensausgabe zu Tess hinüber. Mit jedem Mal schien sie gelangweilter zu werden, so schien es ihm. Die Zeit sie zu bespaßen fehlte ihm aber gerade. Dafür war er außerdem nicht hier. Der einzige Grund warum er überhaupt immer wieder zu ihr sah war der, dass er befürchtete sie könnte doch verschwinden. Seine Worte von gestern trugen aber anscheinend Früchte und sie blieb brav dort, wo er sie abgesetzt hatte. Woanders konnte sie auch gar nicht hin. Er selbst wusste nicht wohin man Jake gebracht hatte, genauso wenig wusste es Tess und dessen Reaktion nach zu urteilen, hatte er kein Interesse sich mit seiner Freundin zu unterhalten. Besser war es so. Das alles waren Dinge um die er sich später kümmern konnte. Erstmal musste die Arbeit getan werden. Sie waren dabei hier etwas großes und wichtiges aufzubauen. Jeder musste also seine Arbeit machen und Troy war in diesem Fall sehr pflichtbewusst. Mehr als man es von ihm erwarten würde, aber diese Sache hatte das Militär ihm gelehrt. Disziplin und Ordnung war das Wichtigste.
Darum führte er alles was auf der Liste stand auch genau so aus, wie es von ihm verlangt wurde. Hin und wieder machte er eine Ausnahme für diejenige, die er mochte oder von denen er einen Gefallen später mal gebrauchen konnte. Viele waren das nicht, aber aufpassen musste er trotzdem. Aufzufliegen stand absolut nicht auf seiner To-Do-Liste. „Hey there.“, begrüßte er Ella mit seinem typischen Lächeln, dass früher einmal wirklich ehrlich und aufrichtig gemeint war. Diese Zeit war aber lange vorbei. Schon vor einiger Zeit hatte er bemerkt wie das Mädchen ihn hin und wieder anhimmelte, was absolut kein Nachteil für ihn war. Mit den richtigen Worten könnte er sie bestimmt dazu bringen alles zu tun. Er musste nichtmal auf seine Liste sehen um zu wissen was sie bekam. „It's canned ravioli for you.“, antwortete er ihr und reichte ihr auch gleich die Dose. „It's not as bad as it looks, promise.“ Ein Schmunzeln huschte über seine Lippen bevor er einen eingepackten Schockoriegel aus seiner Brusttasche zog und ihr auch diesen überreichte. „Don't tell anyone.“, bat er sie mit einem Zwinkern.
Tess konnte nur die Augen verdrehen während sie diese Situation beobachtete. Wieder einmal wurde ihr klar, wie dumm sie doch gewesen war. „Do you mind if I take a look around while you're busy?“, richtete sie das Wort an Troy nachdem sie sich von der Kiste erhoben hatte. Während er beshcäftigt war mit flirten, hatte sie eigentlich sagen wollen. „Yeah.. I actually do.“, antwortete Troy ihr etwas kühler als er gerade noch mit Ella geredet hatte, hatte seinen Blick aber von dieser abgewandt um Tess anzusehen, die mit verschränkten Armen nicht weit von ihm weg stand.
Jake Landlow
Jake vergrub sein Gesicht in seinen Händen und atmete tief durch. Er war kein Soldat und schon gar nicht aus dem Holz geschnitzt, aus dem man sein musste, um einer zu werden. Solche Rückschläge steckte er ganz anders weg als Troy es eventuell tun würde. Denn diesen schien es vollkommen kalt gelassen zu haben, dass die Welt dabei war unterzugehen und das Tess es beinahe nicht geschafft hätte, wenn sie bei ihrem toten Vater geblieben wäre.
Erst als Sarah eine seiner Hände nahm, sah er wieder zu ihr, ließ jedoch eine Gesichtshälfte noch immer verborgen in seiner freien Hand ruhen. Während sie erzählte stieg seine Wut auf seinen besten Freund jedoch an. Es war vielleicht nicht unbedingt das beste Beispiel, denn Jake erinnerte sich daran, wie gerne er diesen Typen zusammen geschlagen hätte, der Sarah so behandelt hatte. Damals war er zu jung und schmächtig gewesen. Heute würde er es ganz sicher schaffen. Und so ging es ihm gerade auch mit Troy. Wieder war er der Unterlegende und es machte ihn wütend, dass er nichts dagegen tun konnte. "I don't want to lose any of them" antwortete er aber entgegen seiner inneren Gefühlslage. "But how should I talk to her when Troy is there to stop me from doing so? He seemed angry when he thought Tess and I would be on the same side against him while I only tried to bring everything back to its normal balance again. I mean .. The more I try to get them to the point at which they see themselves that it would be better to let go, the more faster they get back together. She will be with him now for another couple of days before they'll fight again. It's always like this. And I want to help, you know?" unterstrich er das noch einmal deutlich. Jake hatte das Herz am rechten Fleck. Egal wie oft Troy noch ausflippen würde oder wie oft die beiden sich noch stritten, Jake wollte immer beiden von ihnen helfen. "He is my best friend for so many years .. I don't know what happened to him .. Maybe I've already lost him months ago already" seufzte er schließlich. Mit keinem der beiden wollte er sich zerstreiten. Momentan schien er es aber mit gleich beiden zu sein. In seinem Kopf herrschte das blanke Chaos. Er hatte keine Ahnung was er tun konnte, um das irgendwie wieder hinzubekommen. Ob Sarah eine Lösung für ihn hatte, wusste er nicht. Aber es tat gut einfach mal über alles zu reden, da er doch immer derjenige war, der nur zuhörte.

Cage schnaubte amüsiert über das Ablehnen seines Vaters. Er trank nicht, er rauchte nicht, er regte sich nur selten über irgendetwas auf. Alles Dinge, welche sein Sohn gerne und viel tat. Vielleicht hatte er es von seiner Mutter geerbt. Ganz so sicher war er sich da jedoch nicht. Wenn er ehrlich war, verblassten seine Erinnerungen an sie mit jedem Tag etwas mehr. Zwar hatte er ein Bild von ihr und trug es auch immer bei sich. Aber das half ihm nur sich daran zu erinnern wie sie ausgesehen hat. Den Duft ihres Lieblingsparfüms hatte er schon lange vergessen und er war gerade drauf und dran dabei auch noch ihre Stimme zu vergessen. Cage hatte viel zu viele Mühen sich daran zu erinnern wie das Lachen seiner Schwester klang oder wonach der alte Wagen seines Vaters roch. Dinge die ihn an Zuhause erinnerten, wenn er nicht im Land war. Malcolm davon zu erzählen hielt er aber für unklug. Es würde ihn sich wieder nur Sorgen machen lassen und das wollte Cage nun wirklich vermeiden.
"Thank you, really. This means a lot to hear it from you" sagte der Hyne mit einem Schmunzeln auf den Lippen, wobei er jedoch immer noch die Kinder beobachtete. "Building this within days takes a lot of good men though. I'm lucky to have them all" wollte er das Lob jedoch nicht nur für sich alleine einheimsen. Seine Männer trugen genau so viel für das alles hier bei, wie er es tat. Der einzige Unterschied war wohl, dass sie alle auf ihn hörten und er dafür im Gegenzug sorgte, dass jeder von ihnen so viel Freizeit bekam, wie sie es nur einrichten konnten. Denn auch sie hatten Familien die noch immer da draußen waren. Viele nutzten ihre freie Zeit damit Verschollene ausfindig zu machen. Einige kehrten erfolgreich zurück, andere wiederrum waren bereits sieben oder acht mal gefahren ohne Erfolg. Und noch andere wiederrum kehrten überhaupt nicht zurück. Für diese hatte er eine Wand fertig machen lassen, an der sie Andenken, Fotos oder auch Hundemarken aufhängen konnten, damit sie den gebührenden Respekt verdienten. Schnell war es aber klar, dass sie alle einen Ort für ihre Trauer brauchten. Und so durften später alle die Bilder ihrer Hinterbliebenden an der Wand anbringen.
"Morning" begrüßte Cage dann aber auch die beiden Frauen, die ihn gerade aus seinen Gedanken geholt hatten. Clara sah immer noch etwas verschlafen aus und hob nur die Hand zur Begrüßung. Die Hände schob sie dann in die Taschen ihres Cardigans. "Same" stimmte die Brünette auf Sams Antwort mit ein. Sie vermisste ihr Bett jetzt schon fürchterlich, aber die Aussichten auf etwas Bequemeres als die Feldbetten, hatten sie bislang nicht. "You get used to it" scherzte Cage dann jedoch, was Clara nur sehr schwer glauben konnte. "We've got a little time before the morning routine begins. Want me to show you around properly?"

Der Drang danach Mike einfach mitzunehmen war so unheimlich groß, dass man Healey ansah, wie schwer es war von ihm abzulassen. Nicht nur waren sie sich letzte Nacht wieder näher gekommen, was sowie so bereits viel zu lange gedauert hatte, sondern fürchtete sie auch, dass Michael erneut so über die Strenge schlagen konnte wie zuvor. Mit ihrem Verlobten an ihrer Seite fühlte sie sich einfach sicherer. Noch kurz nickte sie ihm zu, begleitete dann aber Michael ohne Widerworte in den Nebenraum. Gott sei Dank gab es eine transparente Trennwand. So war sie nicht ganz so alleine, sondern konnte immer mal wieder zu Mike rüber sehen, wenn sie sich unsicher fühlte.
Die erste Frage ließ Healey über sich ergehen, während sie zu dem Stuhl ging und wie verlangt Platz nahm. "It doesn't matter if he's my brother by blood. He still is my brother" antwortete sie dem Polizisten mit ihrer gewohnten Stärke, die sie auch im Gerichtssaal anwandte, wann immer sie die Möglichkeit dazu hatte, bei einem Fall mit dabei sein zu dürfen.
"Really, I have no idea what you want from me. I don't know this name and I don't see what it has to do with how my brother is feeling. After you almost shot my fiancé, I think you are the one who owes me some answers" drehte die Blonde den Spieß einfach um. Zumindest wollte sie das. Michael war Mike gegenüber gewaltätig geworden und hatte ihn bedroht. Da sie nichts zu verbergen und schon gar nichts verbrochen hatte, fand sie sich im Recht.
Lizas Gesicht schien sich kein Bisschen zu regen, bei Mikes wirklich schlechtem Versuch einen Witz zu machen. Die Ärztin fand die Situation aber überhaupt nicht zum spaßen. Ihr Mann hatte am Vorabend komplett die Fassung verloren, obwohl er genau wusste, dass Mike Ross nur der Anwalt gewesen war. Es hatte ihr Angst gemacht. Sie befürchtete, dass Michael ihr nun ganz aus den Fingern gleiten würde. Noch war es gut gegangen, aber was war wenn die angestaute Wut und die Trauer ihn irgendwann übermannten? Und genau deshalb fand sie den Witz über ihren verrückt werdenden Mann mehr als nur humorlos. "I'm sorry for his behavior yesterday" sagte sie stattdessen um Mike zu zeigen, wie weit daneben er mit seinem Witz getroffen hatte. Dabei machte sie sich einige Notizen, sah dem Anwalt danach aber nicht ins Gesicht. Auch nicht, als sie begann ihn zu behandeln. "Please take off your shirt. I need to make sure there are no bites or scratches" bat sie ihn monoton.

Ella würde lügen müssen, wenn sie sagte, dass sie nicht fast ein wenig enttäuscht die Ravioli Dose in ihrer Hand wog. Sie lebte in einem der großen Sammelzelte, obwohl sie quasi nur ein paar Häuserblocks außerhalb der Zone gewohnt hatte. Aber die Anwohner, die schon vorher in der Zone gelebt hatten, konnte man schlecht aus ihren Häusern werfen. Die meisten waren aber so freundlich Fremde bei sich aufzunehmen, damit sie mehr Leute unterkriegen konnten. Keller wurden umfunktioniert zu kleinen Schlafräumen und auch sonst, bemühte sich jeder so gut es irgendwie ging die Überlebenden unterzubringen. Trotzdem hatte Ella es bislang noch nicht in eines der Häuser geschafft und so musste sie die Sammelmikrowelle benutzen, an welcher man gut und gerne ein bis zwei Stunden anstand, wenn man Pech hatte. Es würden für sie also kalte Ravioli werden und daher rührte auch ihre Enttäuschung. Troys Worten konnte sie dabei nicht so wirklich glauben, schmunzelte jedoch trotzdem ein wenig, weil er es gut gemeint hatte. Erst der Schokoriegel hob ihre Laune um ein vielfaches. Etwas ungläubig sah sie ihn an, nahm den Riegel aber gleich entgegen, damit niemand anderes davon Wind bekam. Süßigkeiten waren wie Zigaretten oder Alkohol jetzt schon eine Mangelware. "How did you -?" fragte sie ihn leise, schien aber vollkommen begeistert von seiner kleinen Geste zu sein. "You should come for a visit after your shift. We could share it" schlug Ella schließlich vor, wofür sie all ihren Mut hatte zusammen nehmen müssen. Doch lange hielt das nicht an. Denn Tess kippte die Stimmung merklich.
Vorher hatte sie die Brünette überhaupt nicht richtig wahrgenommen wenn sie ehrlich war. Die meiste Zeit nahm sie nicht wirklich jemanden wahr, wenn Troy in der Nähe war. Es war furchtbar. Sie kannte sich selbst so überhaupt nicht. Das letzte Mal, dass sie so sehr verknallt war, war in einen Jungen in ihrer Klasse, als sie 15 war. Aber egal wie sehr sie auch versuchte dagegen anzukämpfen, klappen tat es am Ende nie. Nur ein Lächeln oder das Zwinkern wie eben und schon war sie Troy wieder vollkommen verfallen. Die Art wie aber Tess und Troy miteinander sprachen und auch die Wortwahl der jungen Frau ließen Ella eins und eins zusammen zählen. Sie wusste ja, dass der Soldat irgendwo da draußen eine Freundin gehabt hatte. Das hatte man ihr schnell erzählt, damit sie sich in nichts verrannte. Aber sie hatte sich komplett verrannt, kam da alleine nicht mehr raus und jetzt war auch noch die besagte Freundin wie aus dem Nichts aufgetaucht. "Ehm .. maybe .. I should go now" setzte sie vorsichtig an. Nicht nur, weil sie die Schlange ja sowie so bereits hinter sich viel zu lange aufhielt.
Sarah Landlow
Sarah suchte verzweifelt nach aufmunternden Worten für Jake, musste aber feststellen, dass sie keine fand. Zu seinem Problem gab es keine Lösung, die alle Beteiligten zufriedenstellte. Vom Militär wusste sie nicht genug um sich ihrer Antwort sicher zu sein, doch hatte sie oft genug gehört wie sehr Menschen sich dort veränderten. Nicht alle, aber manche schafften es einfach nicht klar zu kommen sobald sie wieder Zuhause waren. Lange Zeit war es für eine einfache Grundschullehrerin wie sie schwer gewesen zu verstehen. Mit der jetzigen Situation aber begann sie zu begreifen wie schwer es sein musste in die Normalität zurückzukehren. Wie man jemanden helfen konnte der in dieser Lage war und ob es Hilfe gab, wusste sie nicht. „Sometimes people change and as much as we would like to help them we can't.“, sagte sie vorsichtig, denn sie wusste, dass ihrem Bruder diese Worte nicht gefallen würden. Als große Schwester war es ihre Verantwortung ihm gute Ratschläge zu geben und zu sagen das die Welt wieder in Ordnung kam, aber dieses mal konnte sie es nicht, so sehr sie es auch wollte. „I hate to say this but you'll have to make a decision one day. Staying on both sides will hurt you and I can't see you be hurting because of someone who doesn't appreciate you.“ Dabei meinte sie Troy, denn so wie sie Jake und Tess bei der Tankstelle gefunden hatten, bedeuteten sie einander etwas, dass war klar zu sehen. Selbst wenn ihr Bruder es vielleicht noch nicht wahrhaben wollte. „I can't help you make that decision and I wish I had more encouraging words for you but.. Troy is manipulative and not good for either one of you. After all you told me that's what I think so you have to think about in whose side you are. On the side of your best friend or the girl you like.“ Ein sanftes Lächeln bildete sich auf ihrem Lippen. „Don't deny it, I've seen the way you look at her.“ Es lag keinerlei Vorwurf in ihrer Stimme. Das Herz stellte manchmal Dinge an, die wir uns selbst nicht erklären konnten. Sie war nicht in der Position Jake irgendwas in Frage zu stellen. „This is bad advice.“, schmunzelte sie über sich selbst und schüttelte den Kopf. „Whatever you do, I'll have your back but don't sacrifice yourself for them. Just talk to Tess.. see what she says about yesterday and then decide whch story you believe.“

Den Scherz, dass Sam sich an das unbequeme Bett gewöhnen sollte, gefiel ihr nicht wirklich. Bei Cage konnte sie nie einschätzen wie ernst er seine Witze nun tatsächlich meinte. Stirnrunzelnt sah sie ihren Bruder an, stark am nachdenken darüber, ob sie nun wirklich auf ewig auf dem Feldbett schlafen musste. Sicherlich hatte er sich ein viel bequemeres Bett ausgesucht auf dem er wie auf Wolken schlief. „My bed neighbour told me a few things yesterday already. There are jobs here?“, war es ihre erste Frage, denn es interessierte sie doch tatsächlich am meisten, wie sie sich die Zeit vertreiben konnte. Solange sie nur herumsaß würden böse Gedanken sie einholen, von denen es am Ende vielleicht kein zurück mehr gab. Malcolm musste über den euphorischen Einsatz seiner Tochter schmunzeln. Immer schon vor Sam voller Tatendrang gewesen und das Gespräch mit dem Fremden schien ihre Laune erheblich verbesser zu haben. Etwas was weder ihm noch Cage gelungen war, wofür er aber wirklich dankbar war.
„Slowly, Sam.“, bat er sie. „Let's take a look around first before you go wandering off to work somewhere.“ Dies hier war ein sicherer Ort, aber er wollte sie trotzdem fürs Erste lieber bei sich behalten und sie nicht einfach umherwandern lassen. Jeder wurde ihr aufgenommen, da hatte er lieber erstmal ein Auge auf sie. Normalerweise vertraute er ihr, aber sie befanden sich in einer Ausnahmesituation, in der eben auch anders gehandelt werden musste. Mit einem ertappten Lächeln sah seine Tochter ihn an. „Okay.. slowly.“, stimmte sie zu und wandte sich wieder ihrem Bruder zu, der hier sowas wie das sagen hatte, was merkwürdig war. Soldat hin oder her, Zuhause war ihr Vater das Oberhaupt der Familie. Aufgrund der Umstände schien sich dies jedoch geändert zu haben. Alle sahen sie Cage an und fragten ihn, was zu tun war, denn er war der einzige, der wirklich wusste was los war. Malcolm, der immer mit Verstand und Ruhe an etwas ging, wusste es und versuchte deshalb gar nicht erst sich in den Vordergrund zu drängen. Ohne die nötige Erfahrung konnte er als ältester auch nicht ausrichten und in einem Fall wie diesem vertraute er niemandem mehr als seinen Kindern. „Lead the way, son.“, stimmte er deshalb zu.

Michaels Miene verändert sich kein Stück als Healey versuchte ihm Schuldzuweisungen zuzuführen. Gestern waren seine Nerven mit ihm durchgekommen, dass mochte stimmen, aber war das nicht der Grund für diese Unterhaltung. „Sorry to disappoint you but you're not the one asking questions here. Ask Mike if you want to know why I pointed a gun at him. It's not relevant right now.“, sagte er. „Your relations to your brother however are.“ Was die Adaption anging war der Polizist sich nicht sicher gewesen, war es aber jetzt, da die Blonde ihm soeben bestätigt hatte, dass sie nicht wirklich verwandt waren. Sehr viel weiter brachte ihn das nur leider auch nicht, wie er zugeben musste. „You see, Arnold Edwards is an alias your brother uses from time to time to hide all of the crimes he comitted. Worked for a time but we still found out his real name is Roman Kruger.“ Einige der Bilder nahm er aus dem Ordner und breitete sie nun vor Healey aus. Auf keinem von ihnen war Roman zu sehen. Sie zeigten verschiedene Tatorte von ermordeten Politikern, CEOs oder Anschläge, die viele Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen hatten. „Tell me what you truly really know about your brother and don't play dumb with me because I have enough proof to lock him up for more than just 24 hours.“, ließ er sie gleich wissen. Sie mit den Straftaten zuerst zu konfrontieren, schien ihm der beste Weg zu sein um eine ehrliche Reaktion von ihr zubekommen. Das er dabei mit einer Terrororganisation zusammenarbeitete, wollte er ihr für das erste noch vorenthalten. Wenn das alles Neuigkeiten für sie waren, würde sie eine entsprechende Reaktion zeigen. Roman war eine Gefahr für jeden in der Zone, dmait konnte er nicht leichtfertig umgehen.
Mike merkte sofort, dass er mit seinem Spruch gleich mehrere Schritte zuweit gegangen war. Schuldbewusst sah er Liza deswegen an, auch wenn diese seinem Blick jetzt auswich. „Sorry.. that was inappropriate.“, gab er zu. Seine Versuche die Lage wieder etwas zu retten waren furchtbar fehl geschlagen. Der Bitte der Ärztin kam er aber gleich nach und zog sich sein T-Shirt über den Kopf aus um es zur Seite zu legen. „This place.. we had a rough start here because Healey was worried about her brother and no one let us explain anything. A dozens of gun pointing at you doesn't really help to relax.“, wollte der Anwalt erklären warum er und seine Verlobte so von der Rolle gewesen waren. Nichts davon hatten sie irgendem gegenüber böse gemeint, aber man hatte sie ja auch nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst. Ob Liza diese Worte glauben und Verständnis haben würde, wusste er nicht, aber es sorgte zumindest dafür, dass er sich besser fühlte. „But why is he interrogating Healey? She did nothing wrong.“ Sie alleine mit jemandem zu lassen, der am Vortag so die Kontrolle verloren hatte, behagte ihm nicht. Er wollte lieber bei ihr sein und sie in dieser Sache zu unterstützen. Auf ihrem Weg zur Anwältin war sie gut, aber er war sich nicht sicher ob sie jemandem wie Michael gewachsen war.

„What? No.. stay.“, bat Troy Ella gleich ohne zu zögern. In einer anderen Zeit hätte er noch vieles für Tess getan. Heute dachte er viel mehr an sich selbst. Sogar fast ausschließlich nur noch an sich selbst. Mit beiden Armen vor der Brust verschränkt sah Tess ihren Freund an. Die Gesichtszüge waren ihr komplett entglitten. Aus ungläubigen Augen sah sie ihn an als hätte sie sich soeben verhört. „Excuse me?“, sprach sie dann auch endlich ihre Überraschung aus. Für sie war es kaum zu glauben, dass Troy ein fremdes Mädchen bat zu bleiben, während sie ganz offensichtlich in einem Streit waren. „You know what? Forget it.. I'm going to look for Jake.“, fuhr die Brünette fort noch bevor der Soldat auf ihre Frage antworten konnte. Jake hielt man immernoch irgendwo fest wegen der Untersuchung. Durch Troy war sie selbst dieser Untersuchung entgangen, was sie überhaupt nicht wollte. Ihr war es lieber zu erfahren, ob sie nun angesteckt war oder nicht. Außerdem hatte sie einen größeren Drang mit Jake zu reden asls hier bei Troy und diesem Mädchen zu bleiben, welches sie nicht kannte. Das sie damit ihren Freund herausforderte seine Drohung vom Vorabend wahr zu machen, wusste sie. Gleichzeitig wusste sie sich aber auch nicht anders zu helfen und seine Glaubhaftigkeit nahm rapide ab in dem er so viel Interesse an Ella zeigte. Sollte er sie doch verfolgen und mit in den Wahnsinn treiben. Auf eine Antwort von ihm wartete sie gar nicht mehr sondern wandte sich einfach ab um dorthin zugehen wo sie Jake vermutete. Nur kurz hatte sie gesehen in welche Richtung er gebracht wurde, beschloss aber genau dort anzufangen, da sie sich hier sowieso nicht auskannte. Seiner Reaktion zufolge wollte er sie gar nicht sehen, aber ihr war ein Streit mit ihm lieber als Troys Spielchen mitzumachen. „Tess! Come back.“, rief er hier noch hinterher. Ohne sich nochmal umzudrehen schrie sie ihm ein „Screw you.“ entgegen und setzte ihren Weg fort.
Troy, dem es immer schwer fiel sich in solchen Situationen zu beherrschen, versuchte sein versteiftes Kinn wieder zu entspannen und fuhr sich mit einer Hand über den Hinterkopf. „Sorry about that.“, entschuldigte er sich bei Ella mit einem schmalen Lächeln. In der Zone versuchte er das Vertrauen von jedem zu behalten. Hier vollkommen auszuflippen, sodass es alle Menschen in der Schlange sehen konnten, würde das alles ruinieren. „She just arrived yesterday and her father has died. She's jazzed but as soon as she has settles down I'm sure you'll get along.“, meinte er zuversichtlich damit Ella sich nicht ganz so vor den Kopf gestoßen fühlte. „Sharing the chocolate sounds nice and it's very kind but it's all for you. You should enjoy it.“, bat er sie. Er konnte sich ganz leicht selbst welche besorgen, wenn er denn überhaupt Schokolade so sehr mögen würde. Für ihn war es gerade nur Mittel zum Zweck um das Mädchen weiter um seinen Finger zu wickeln. Sie war so unscheinbar, dass er sie sicherlich das ein oder eine Mal noch gut gebrauchen konnte.
Jake Landlow
Wenn doch alles nur mal so einfach wäre, wie Sarah es gerade erklärte, wäre Jake sicher nicht in der Situation in der er jetzt nun einmal war. Wenn ein wenig reden ihm wirklich helfen würde, hätte er das schon längst getan. Meist half reden aber nur zweien von ihnen und er war nie einer der beiden. Kaum, dass sie nämlich ein klärenden Gespräch geführt hatten, war meist wieder alles gut zwischen Troy und Tess. Vielleicht weil Jake nicht aus seiner Haut raus konnte und einfach nur helfen wollte. Er war niemand der anderen raten würde ihren Partner zu verlassen, egal wie schlimm es für ihn war mit anzusehen, wie sehr Tess darunter litt. Aber sie war so klug. Mit Sicherheit gab es einen Grund, wieso sie noch immer mit Troy zusammen war. Wer war da Jake, der ihr diesen Grund madig reden würde? Es war ein unsinniger Gedanke. Wahrscheinlich würde er sogar tatsächlich mehr damit helfen, wenn er mal auf den Tisch hauen würde, aber das konnte er nicht. Das hatte er noch nie gekonnt. Auch Cassie hatte damals meist ihren Willen bekommen. Nicht, dass es etwas Schlimmes gewesen war. Niemals hatte sie Dinge verlangt, die vollkommen absurd waren. Aber trotzdem hatte Jake nie dagegen gehalten.
All diese Gedanken legten sich wie ein dicker schleier über ihn und machte seine Schultern zu schwer um sie oben zu halten. Schwer seufzte er und sackte noch etwas mehr in sich zusammen. "Troy is my best friend, Sarah" erinnerte er seine Schwester müde daran über wen sie hier redeten. Seit Jahren waren die beiden jetzt schon Freunde. Viel länger schon, als sie beide Tess kannten. Jake kannte ihn anders. Und genau da lag der Punkt. Er wusste, dass Troy irgendetwas belasten musste oder vielleicht hatte er etwas erlebt, das ihn so verändert hatte. Was wäre er denn für ein Freund, wenn er ihn einfach aufgeben würde? "How can I leave him behind just like that? Even if I really do like Tess .. damnit, I like her a lot! But I can't do it. Not like this. I can't betray Troy, Sarah .. I couldn't look myself in the eyes anymore if I would." Wieder seufzte er, stand dann aber schließlich auf um zum Fenster zu gehen und ein wenig frische Luft zu schnappen, die durch den kleinen Spalt herein kam, da das Fenster gekippt stand. Dabei entdeckte er Tess, die geradewegs in ihre Richtung kam. Auf sich aufmerksam machte er jedoch nicht, sondern beobachtete sie lediglich. "Decide between my best friend and the girl I like. Should be an easy one, shouldn't it? But hell .. it's not. Not at all."

"Relax, pumpkin" grinste Cage zu seiner Schwester herüber, als die kleine Gruppe sich langsam in Bewegung setzte, nicht ahnend, dass sie bereits beobachtet wurden. "None of you guys will sleep one more night in those beds, I made sure of that." Auch wenn sie es versucht hatte zu verhindern, entglitt Clara ein erleichterter Seufzer. Dafür erntete auch sie ein Grinsen des Soldaten. Es war doch immer das Gleiche mit den Frauen, dachte er sich. Sie alle schliefen halt lieber in Watte gepackt und schön kuschelig in den eigenen vier Wänden. Und da Malcolm gleich zwei von ihnen mitbrachte, von denen eine noch dazu Cages Schwester war, war es für ihn nur selbstverständlich, dass er seine Machtposition ein wenig ausnutzte und eine ordentliche Unterkunft für die drei fertig machen ließ. Am Abend würden sie schon einziehen können, so lange mussten sie aber noch warte. Da er aber davon ausging, dass keiner von ihnen einen Mittagsschlaf halten wollte, war das wohl das kleinste Problem.
"But your bed neighbour was right" wandte er schließlich das Wort wieder an seine Schwester, während sie die spielenden Kinder langsam hinter sich ließen und sie ins Innere der Zone kamen. Die Menschen hier hatten schnell improvisiert. Viele, die keinen Platz in den Häusern gefunden hatten, arangierten sich mit den Einwohnern und bauten sich kleine Unterkünfte in den Vorgärten auf. Tücher, Fahrzeuge mit leeren Tanks, Holzbretter und ähnliches wurde benutzt um sich ein einigermaßen gemütliches kleines Eigenheim zu bauen. Cage wusste nicht ob es wirklich angenehmer als in den Sammelzelten war, aber laut den Leuten die darin lebten, war alleine die wiedergewonnene Privatsphäre schon der reinste Luxus. Und weil alles so gut lief und die Menschen hier wirklich selbstständig waren, war es für Cage eine Selbstverständlichkeit, dass er sporadische Leitungen verlegen ließ, damit jedes dieser selbst gebauten Häuser zumindest über eine große Glühbirne verfügte, damit sie auch in der Nacht so lange etwas sahen, bis der Storm abgestellt wurde und sie nicht nur von Kerzen leben mussten.
"Here are plenty of jobs to do. We have people who take care of the fence, to people helping out in the medical station. We're even trying to build up some sort of school for the kids. I know, I know" sagte er aber gleich, wobei er wieder zu den dreien sah. "This sounds a bit .. you know, as if there was no turning back and all. But these people really want to be ready if the worst case happens. They want their kids to be taken care of, so they do everything to keep the daily bases as normal as possible."
"This sounds incredible" musste Clara erstaunt feststellen, auch wenn es tatsächlich etwas entgültig klang, was Cage da so erzählte. "Right? I was surprised myself. People in such situations mostly can't keep calm. There's always that one person that panics who takes everyone with them. But not here. And believe me, guys. I'm more than glad about that" grinste er, bevor er vor einem alten Kiosk zum Stehen kam. "This is every kid's favorite spot in the entire zone. Actually it was really meant to be some sort of drug store in case you need something beside the normal rations. But somehow that old man turned it into a playground for the little ones."
"Who you're calling old, Sir?" fragte Eli, der schmunzelnd im Türrahmen auftauchte und sich mit verschränkten Armen vor der Brust dagegen lehnte. "Morning, Sam" begrüßte er danach Sam, die ihm gleich ins Auge gefallen war. "So he told you already, huh?" fragte Cage seine Schwester, nahm es aber keinem wirklich übel, dass man sich etwas erkundigte, wenn man neu angekommen war. Es war wohl ganz normal, dass jeder wissen wollte, wo er hier war, egal ob nun Cage dieses Zone leitete oder jemand anderes.

"It is god damn relevant that you've threaten to kill my fiancé" wurde Healey nun sogar etwas lauter, wobei sie sich auf eine Hand und etwas über den Tisch nach vorne lehnte. Jedoch schien hier jegliche Rebellion sinnlos. Michael schien knallhart und Healey war zu ausgelaugt um sich jetzt mit ihm anzulegen. So ließ sie sich also wieder in ihren Stuhl zurück sinken und ließ den Cop stattdessen nicht mehr aus den Augen. Irgendwann würde er einen Fehler machen. Irgendwo hatte auch er seine Schwachstelle, damit sie den Spieß umdrehen konnte. Über den Fall seines Sohnes wusste sie viel zu wenig um ihn als Druckmittel zu benutzen. Irgendetwas anderes musste her und zwar schnell. Die Blonde hatte nicht vor sich hier ausquetschen zu lassen wie eine überreife Orange. Und schon gar nicht über ihren Bruder.
Abfällig schnaubte sie, als Michael meinte, dass Roman auch noch unter einem Alias arbeiten und Verbrechen ausüben würde. Völliger Unsinn, wie sie fand. Natürlich war ihr Bruder kein unbeschriebenes Blatt. Healey war nicht so naiv um zu glauben, dass Roman ein unschuldiger Engel war. Aber das ging zu weit. Viel zu weit.
Als Michael ihr die Bilder zuschob blieb ihr Atem für einen kurzen Moment stehen. Sie war auf dem besten Weg Anwältin zu werden, ja. Deshalb war sie trotzdem noch lange nicht den Anblick von Tatorten gewöhnt, an denen Morde passiert waren. Je mehr Bilder es wurden, desto mehr hatte Healey Schwierigkeiten damit ihr Gesicht unter Kontrolle zu halten. Man sah ihr deutlich an, dass der Gedanke daran, das Roman dies alles getan haben sollte, sie deutlich mitnahm. Vorsichtig zog sie eines der schlimmeren Bilder mit den Spitzen ihres Zeige- und Mittelfingers zu sich. Nach vorne beugen, um besser zu sehen, tat sie sich nicht. So wie sie war, sah sie von oben auf das Bild vor sich. "This is wrong" sagte sie schließlich mit zitternder Stimme. "You must be after the wrong guy." Mit diesen Worten schob sie Michael die Bilder wieder zu. "Roman could never do such things .. He may has his flaws but he is no killer" versuchte sie wohl mehr sich selbst einzureden, als dass es etwas bei Michael bewirken sollte.
"It was" stimmte Liza ruhig zu, damit Mike gar nicht erst glaubte sie würde sich mit ihm gut stellen. Ihre Moral als Ärztin und die persönlichen Probleme die sie mit dem Anwalt hatte, machten es ihr wirklich schwer neutral zu bleiben. Solche Konflikte mit sich selbst hatte sie nur sehr selten. Dennoch wollte sie zumindest versuchen Mike wie einen ganz normalen Patienten zu behandeln. Die Menschen hier starben wie die Fliegen. Alleine deshalb musste sie schon tun was sie konnte um selbst Mike am Leben zu halten. Er hatte genau so Familie wie jeder andere auch. Das musste sie sich einfach nur immer wieder einreden. Schwer seufzte sie deshalb.
"I know what happened" ließ die Ärztin ihn wissen, begann dann aber seinen Rücken abzuhören. Erst als sie fertig war und wieder klar hören konnte, fuhr sie fort. "Cage .. the General, he is under a lot of pressure. Everything he does could cause the virus to spread inside the zone. I've seen her brother and the bandage. And after what the soldiers told me, he seemed to have caused a panic reaction by the men." Während sie so erzählte, tastete sie Mike hier und da an einigen Stellen ab, um sicher zu gehen, dass auch seine Knochen alle in Ordnung waren und er sich anderweitig nichts getan hatte. "But he is okay. He lost a lot of blood and probably stills sleeps but he is okay" räumte sie sogar ein, damit Mike seine Freundin damit gleich beruhigen konnte, wenn Michael und sie fertig waren. Denn nur ein kurzer Blick rüber reichte um zu wissen, dass es die junge Frau da drüben nicht einfach haben würde. "She might did not. But you certainly did .. and you know as much as I know that her brother did as well. Michael only wants to know if it's safe to let you stay." Dabei stand sie auf und ging um den Tisch herum, damit sie in Mikes Augen leuchten konnte um seine Pupillen genauer anzusehen. "He believes she's more likely to tell the truth."

Man konnte Ella wohl deutlich ansehen, wie unangenehm ihr das ganze war. Nicht nur hatte sie vor Tess mit deren Freund geflirtet, sondern schien Troy auch so überhaupt nicht daran zu denken Ella jetzt gehen zu lassen, wo es wohl doch deutlich unangebracht gewesen war, würde sie jetzt bleiben. Dazu kam noch, dass sich die Schlange hinter der Brünetten gestaut hatte. Die anderen Soldaten, die Troy bei der Ausgabe halfen, hatten reichlich Probleme ihre eigenen Leute abzufertigen, bekamen jetzt aber nur noch mehr, da sie nun noch eine Reihe zeitweise übernehmen mussten.
Ella dagegen schlang ihre dünnen Finger etwas kräftiger um die Ravioli Dose, als der Streit vollkommen drohte zu eskalieren, da Tess reiß aus nahm. Bei all dem hatte sie versucht Troys Freundin einfach nicht anzusehen. Vielleicht half es ja ein wenig deutlich zu machen, dass es wirklich nicht ihre Absicht gewesen war Tess so auf den Schlips zu treten. Blöder Weise glitt ihr Blick so stattdessen zu Troy. Nicht unbedingt die beste Idee wenn man bedachte, dass man sich genau deshalb ja quasi gerade anfing zu streiten. Aber was sollte sie schon tun? Sich dagegen wehren und einfach fern bleiben? Wäre wohl die einfachste Möglichkeit gewesen, wenn da nicht dieses blöde Ding mit dem Zaun wäre. Ellas Möglichkeiten Troy auszuweichen waren geringer als man vielleicht meinen wollte. Alleine bei der Essensausgabe konnte sie ihm immer wieder über den Weg laufen. Aber die Menschheit war dabei auszusterben. Wollte man da wirklich noch auf andere Rücksicht nehmen? Oder nahm man sich lieber das was man wollte? Ihr Instinkt sagte ihr wohl zweiteres, denn den Blick abwenden tat Ella nicht. "We all have people that we've lost" sagte sie schließlich zustimmend, als Tess dann doch abgehauen war. "I'm sure she'll find a way to handle things" schob sie gleich nach, damit es bloß nicht so klang, als wolle sie sagen, dass sie sich doch nicht so anstellen sollte. Ella konnte selbst ein Buch darüber schreiben wie es war, wenn man seine ganze Familie verlor. Da wollte sie keinem vorschreiben wie man zu trauern hatte.
"Still" versuchte sie noch einmal das Thema zu wechseln. "I would really -" setzte sie an und betonte die Worte extra etwas mehr. "- really like to share this one with you, Troy. You could really need some distraction as it seems" schmunzelte sie und versuchte es so unschuldig klingen zu lassen wie nur möglich. "Yeah, Otto, go and get some of that" rief einer seiner Kameraden grinsend rüber, welche mittlerweile Verstärkung bekommen hatten und mit der Masse klar kamen. "We'll take it from here, buddy."

Während all die Menschen mit dem Virus zu kämpfen hatten und immer noch versuchten herauszufinden, wie man ihn stoppen oder gar komplett auslöschen konnte, wuchs die Anzahl der Primaten immer weiter und weiter. Sie bildeten Stämme, wickelten sich weiter, bauten sich etwas auf. Man konnte wohl fast sagen das, je schwächer die Menschen wurden, ihre Stärke um eine Vielzahl anstieg. Einige der Affen hatten beinahe schon Mitleid mit ihnen. Andere fühlten einen so großen Hass, dass es jeden Tag in ihnen brodelte und jeden Moment drohte aus ihnen heraus zu explodieren. Und wieder andere standen all dem neutral gegenüber und solange sie keine Gefahr in dem Menschen als solche sahen, würden sie ihnen einfach fern bleiben.
Kobas Natur war die der zweiten Kategorie. Jeder wusste wohl wie sehr er die Menschen für das hasste, was sie ihm angetan hatten. Sein Auftreten war kein schönes mehr. Narben, die man ihm zur Strafe und vor allem aus Langeweile zugefügt hatte, zierten den Körper des Bonobos. Eines seiner Augen war erblindet und an diversen Stellen hatte er sich schließlich angefangen das Fell herauszureißen, als man ihn nach all den Qualen in ein Labor gesteckt hatte. Für ihn gab es nichts Gutes in den Menschen. Sie bezeichneten ihn und seine Kameraden nur zu gerne als wilde Tiere, die zu dumm seinen um zu verstehen. In Wahrheit, so fand er, war es aber genau anders herum. Sie verstanden nicht, wie Primaten ihre ach so ausgeklügelte Intelligenz übersteigen konnten. Doch das taten sie. Jeder einzelne von ihnen. Und dank des Virus hatten sie endlich eine Plattform, um sich auszudrücken, damit auch wirklich jeder sie verstand.
Aber Caesar, ihr Anführer, hatte ein striktes Regelwerk und sein Wort war eben Gesetz. Ließ man sie in Ruhe, würden die Affen auch sie in Ruhe lassen. So einfach. Koba sollte es Recht sein. Sollten sie doch alle an dem Virus krepieren. Hatte er am Ende weniger Arbeit, falls es doch einmal hart auf hart kommen sollte. Er war allzeit bereit Menschen zu töten, ihm vollkommen egal wie alt oder ob Mann oder Frau. Am Ende waren sie alle gleich und würden seines Gleichen einfach wieder einsperren, wenn sie könnten.
Doch auch wenn Caesar keinen Krieg anzetteln wollte, waren die Menschen ihrem Stamm unbewusst viel zu nahe gekommen, seitdem sie ausbrechen konnten und der Virus begann die Menschheit auszurotten. Bislang war es gut gegangen, aber die Quarantänezone machte einen standfesten Eindruck. Sie sah nicht danach aus, als müssten die Menschen sie bald aufgeben und verlassen. Ganz im Gegenteil schien sie auch noch zu wachsen. Späher hatten Caesar und seinem Beraterstab davon erzählt und jetzt fanden sie sich wieder, auf Dächern von Häusern und auf Bäumen rund um die Zone herum. Sie waren am Ende der Stadt, danach kam nur noch Wald und Berg. Trotzdem gab es zu wenig Bäume um sich einmal ringsherum in ihnen zu verstecken. Aber von Häuserdächern konnte man auch ganz wunderbar sehen, vor allem wenn man dabei selbst nicht gesehen werden wollte. Koba hatte sich aber einen dicken Ast gesichert, der weit aus einer großen Weiß-Eiche herausragte. Das Blattwerk war dabei so dicht und dunkel, dass man sein lichtes Fell überhaupt nicht von außen sehen konnte. Nur seine noch funktionsfähiges Auge funkelte zwischen den Blättern hervor, begleitet von dem trüben Weiß des anderen, über welchem sich zu allem Übel gleich noch eine lange Narbe schlängelte. Der Baum war groß genug für mehrere Affen, aber die meisten hielten sicherheitshalber etwas Abstand von ihm. Nur Caesar und ein paar der Mutigen, saßen mit ihm zusammen in dem Baum, während sich die anderen rings um die Zone verteilten. "Hhm" machte Koba schließlich, um seinen Anführer auf sich aufmerksam zu machen, bevor er begann sich mit Zeichensprache zu verständigen. "Humans" sagte er. "They are too close" deutete er. "They are dangerous" zeigte er weiter und hoffte Caesar würde seine Ansichten teilen, damit sie endlich was gegen dieses Ungeziefer tun konnten.
Sarah Landlow
Sarah kam nicht umhin ihren Bruder mahnend anzusehen. Er war ein durch und durch guter Mensch. Leider damit aber auch viel zu gut für diese Welt. Er schaffte es nicht, sich von den Leuten zu lösen, die nicht gut für ihn waren. Sie selbst wusste, dass es nicht einfach war eine solche Entscheidung zu treffen. Irgendwann musste man sich dazu aber durchringen, bevor man selbst daran zerbach. Ihr Bruder konnte unmöglich von ihr verlangen, dass sie nur zusah, wie er sich selbst zugrunde richtete. „Troy isn't a really good best friend, Jake.“, erinnerte sie ihren Bruder. Auf ihrem Stuhl blieb sie aber sitzen um ihm den nötigen Freiraum zu gewähren. Der Raum war nah genug, dass sie sich fast immernoch auf der Pelle saßen. Er brauchte seine Zeit um durchzuatmen. „Not only did he leave Tess alone. Not once did he show up at your place to warn you and Cassie about what it's to come and we both know that he knew about everything. He left you to die. All of you and you know it's the truth. No good friend does that.“, redete sie eindringlich auf ihn ein. Leise seufzte sie. Jetzt klang sie schon ganz wie die gemeinsame Mutter, die ihren Kindern Kontakt zu gewissen Leuten verbot um sie zu schützen. „I sound like mum..“, sprach sie diesen Gedanken murmelnd aus. Ratlos kratzte sie sich über die Stirn. Wie er alles mit Tess regeln würde, wollte sie ihm selbst überlassen. Keiner konnte ihm diese Entscheidung abnehmen und wäre sie in der gleichen Situation wie er, würde es ihr sicherlich genauso schwer fallen herauszufinden was das Richtige zu tun war.
Vor der Tür kam es zu einem Stimmengewirr, doch war es durch die Dicke der Tür unmöglich ein Wort zu verstehen worum es ging. Sarah wandte ihren Blick der Tür zu, die sich kurz danach öffnete und zeigte das es Tess gewesen war, die mit dem Wachmann diskutiert hatte. Ganz offensichtlich hatte sie ihr Ziel erreicht. Dem Gesichtsausdruck der Wache nach zufolgen hatte er nur sehr widerwillig die Tür geöffnet, doch er hatte es getan und wartete nun darauf, dass sie mit ihrem Anliegen begann damit er die Tür wieder sicher schließen konnte. Liza war noch nicht hier gewesen um den Check-Up bei den beiden durchzuführen, weswegen die Tür aus reinen Sicherheitsgründen verschlossen blieb. „I'll wait outside.“, bat Sarah direkt an. Dies war eine Sache zwischen Tess und Jake in die sie sich nicht einzumischen brauchte. Nur kurz lächelte sie Jake nochmal aufmunternd zu bevor sie aus dem Raum ging. Die Wache schloss die Tür hinter ihnen wieder, ließ sie diesmal aber unverriegelt.
„Jake... I..“, begann Tess, stoppte sich aber selbst, da sie nicht die richtigen Worte fand bevor sie nicht wusste wie wütend er immernoch auf sie war. Direkt nach der Tür war sie stehen geblieben damit er sich nicht zu sehr bedrängt fühlte. „Can we talk about yesterday, please? I know you're mad at me but I really didn't have another choice than going with him.“

Für die Mädchen musste es eine Erleichterung sein zu wissen, dass sie bald wieder in einem richtigen Bett schlafen konnten. Zugebenermaßen hatte auch Malcolm die Nacht auf dem Feldbett unangenehm empfunden, nahm dies aber gerne in Kauf, wenn es hieß das die Ruhe in der Zone gewahrt wurde. Genau dort lagen nämlich seine Bedenken. Cage meinte es nur gut und schon in den wenigen Stunden hatte er gezeigt, dass er ein guter Anführer war. Dennoch war es töricht zu glauben, dass diese Panik nicht immer noch ausbrach. Momentan gab es immer noch Hoffnung, aber sobald die Hoffnung starb, veränderten sich die meisten Menschen. Darum hielt er es auch nicht für eine gute Idee die eigene Familie in einem besseren Quartier unterzubringen. Es gab immer jemanden der sich benachteiligt fühlte und deshalb Unruhen begann. In einer ruhigen Minuten würde er seinen Sohn darauf ansprechen, jedoch nicht vor allen anderen. Auch wenn er hier der Ältere war, war Cage die Führungsposition und seine Authorität in Frage zu stellen würde für nur noch mehr Ärger führten. Abgesehen davon gab es dafür gar keinen Grund, denn er hielt ihn durchaus für fähig die richtigen Entscheidungen zu treffen. „Let's hope it stays that way.“, sagte er nur, um seine eigene Sorge zum Ausdruck zu bringen, würde das Thema nun aber nicht weiter vertiefen. Was auch gar nicht ging, denn eine weitere Person stieß zu der kleinen Gruppe.
„Good morning, Eli.“, begrüßte Sam ihn mit einem breiten Lächeln. „I always was better in making new friends than you.“, grinste die Blonde zu ihrem Bruder hinüber. Tatsächlich war es für sie leicht in einer neuen Gruppen Anschluss zu finden. In diesem Fall hatte sie aber wohl auch Glück gehabt auf jemanden so ausgeglichen wie Eli getroffen zu haben. „You already know Cage and that's my dad Malcolm and our neighbour Clara.“, stellte sie diesem gleich die anderen beiden vor, da am Abend zuvor die Zeit gefehlt hatte sie alle einander vorzustellen. Zur Begrüßung hob Malcolm kurz die Hand und nickte dem Mann zu. Noch wusste er ja nicht, was sich zwischen diesem und seiner Tochter anbahnte. Selbst wenn er es aber wüsste, war er niemand, der grundlos unfreundlich zu jemandem war. „Nice to meet you.“, lächelte er noch. „Where is Bill? Already working?“, fragte die Blonde interessiert nach, nicht ahnend das Bills Schicht heute viel später begann, da Liza noch einen wichtigen Auftrag hatte, den sie vorher erfüllen musste. Die Zeit hatte der Junge genutzt um sich auch mal etwas Freizeit zu verschaffen und war in der Nähe des Zauns zum Spielen gegangen. Er war ein neugieriger Junge, weshalb es ihn oft an Orte verschlug an denen er eigentlich nichts zu suchen hatte, aber da er seinem Vater hoch und heilig versprochen hatte nichts unüberlegtes zu tun, hatte er dennoch gehen dürfen.

Von Anfang an hatte Michael gewusst, dass Healey die Wahrheit nicht einfach so hinnehmen würde. Es war nur zu verständlich. Er war nicht so herzlos um nicht zu wissen wie es war so eine harte Wahrheit einfach aufzunehmen. Als man ihm vom Tod seines Sohnes erzählte, hatte er für Stunden versucht es zu leugnen. Erst als er den toten Körper seines Sohnes in der Autopsie sah konnte er akzeptieren was geschehen war. Für Healey, egal was er nun über sie dachte, hoffte er, dass sie es nicht auf so harte Weise erfahren musste, dass sie mit ansah wie Roman eine seiner Taten vollbrachte. „I'm afraid he's exactly the guy we're looking for.“, widersprach er ihr mit ehrlichem Bedauern in der Stimme. „Did you never ask yourself where he got the gun from? Or why he disappears for days and sometimes weeks without telling where he went?“, stellte er der Blonden Fragen damit sie selbst begann über das nachzudenken, was bisher alles geschehen war. Jetzt holte er auch das Bild heraus, dass er am Abend zuvor seiner Frau gezeigt hatte. Auf diesem war Roman klar zu erkennen wie er sich vor einem der Attentate an exakt dem gleichen Ort aufhielt. Natürlich bewies dieses Foto alleine noch lange nichts, aber er unterstützte seine Aussage mit einem weiteren Bild in dem Roman in einer Zelle des FBI-Quartiers saß. Es war ein verpixeltes Bild, aber Healey kannte ihren Bruder gut genug um ihn darauf erkennen zu können.
„But you are right about one thing, Healey. Your brother is not a killer. He's a terrorist.“, fuhr er ruhig fort. Diese Ruhe zu bewahren fiel ihm unheimlich schwer, aber jetzt noch Druck auf sie auszüben war sinnlos. Dann machte sie nur komplett dicht. „It's hard to accept, I know but sometimes we don't know the people we love as good as we think we do.“ Was tröstend und entlastend für sie klingen sollte, bewirkte aber wohl das Gegenteil, denn dass ihr Schock tief sitzen musste, wenn sie es überhaupt schaffte zu akzeptieren was er ihr erzählte.
Tief atmete Mike ein und aus während Liza seinen Rücken abhörte. Das kalte Metall ließ ihn erschaudern, aber er vermied es sich darüber zu beschweren. Er war bei weitem schon unangenehm genug aufgefallen. Die Worte der Ärztin konnte er aber dennoch nicht einfach auf sich sitzen lassen. „I did what everyone in the situation would've done. I only tried to protect them and Roman was injured. He almost bled to death on the way here. Shouldn't the soldiers be expierenced with a situation like that? Without a doubt it was a war situation and they hurt all of our rights within minutes. Makes it hard to stay calm and relaxed when you have no idea what's going on.“, erklärte er sich. Sein Blick wanderte dabei nach drüben. Healey's unsicherer und verletzter Gesichtsausdruck besorgte ihn. Seine Verlobte war eine starke Frau und sie so zu sehen war ungewohnt. „This is not about safety. Don't try to fool me. You know I'm not stupid so what's on these pictures?“, fragte er direkt und suchte nun den Blick in Lizas Augen. Sie hatte ihn im Gerichtssaal erlebt und sollte wissen, dass er eine Lüge nicht einfach hinnahm. In seiner Aufmerksamkeit war ihm nicht entgangen wie Michael Healey immer wieder irgendwelche Bilder zuschob. Sowie man es in einem Verhör eben tat. Liza konnte ihm da noch so viel erzählen, dass es nur um Sicherheit ging. Dahinter steckte noch etwas ganz anderes, was sie ihm nicht sagen wollte.

Bei jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand hätten sich zu diesem Zeitpunkt schon Schuldgefühle eingestellt. Schon am Abend zuvor wäre es angebracht gewesen sich schuldig zu fühlen. Nicht nur gegenüber Tess sondern auch gegenüber seines besten Freundes Jake. Nichts davon stellte sich aber ein. Hier an diesem Ort hatten sie nichts zu sagen und auch wenn er nicht der oberste Anführer war, war er dennoch mehr in Kontrolle als die anderen beiden. Ihm lag etwas daran diesen Ort zu beschützen. Auf einzelne Personen konnte er dabei keine Rücksicht nehmen. Früher oder später würden sie sich alle fügen müssen. Er war zuversichtlich, dass seine Freunde das noch lernen würde und merkte dabei gar nicht, wie sich beide immer mehr und zurecht von ihm abwendeten. Sie stellte ihn in Frage und alles was er tat, doch sah er es nur als Verängstigung geboren aus der momentanen Situation an. Nichts bedrohliches als. Genauso wenig wie Ella eine Bedrohung für irgendwen darstellte. Tess schien es anders zu sehen. Anstatt aber ihr Revier zu markieren, war sie gegangen. Er spürte, dass ihn dieser Gedanke nervte, beschloss aber vorerst nicht danach zu handeln.
Stattdessen musste der Soldat schmunzeln als Ella ihm erneut bot die Süßigkeit mit ihm zu teilen. Auch ihr schien der Vorfall mit Tess absolut egal zu sein. Oder sie sah es wirklich nur als eine Ablenkung für ihn an, weil sie glaubte, dass die Situation ihn belastete. „Fine. But don't dare to complain later.“, grinste er zu seinen Kameraden hinüber, die anboten seine Schicht mit zu übernehmen. Ihm sollte es nur Recht sein. Die Essensausgabe war der lästigste Job von allen. Warum Cage gerade ihn dazu verdonnerte, verstand er nicht und hatte es auch das ein oder andere Mal schon in Frage gestellt. Jedes Mal erfolglos. Sein Klemmbrett gab er an einen Soldaten weiter, der an seiner Stelle die Schicht übernehmen würde.
Danach hatte er voll und ganz Zeit für die niedliche Ella, die stets so unschuldig wirkte. Für keine Sekunde aber glaubte Troy, dass sie es tatsächlich war. „Now I'm all yours.“, lächelte er. „Are you always that stubborn?“, fragte er sie scherzend, denn sie machte nicht den Eindruck, dass sie nachgelassen hätte bevor sie ihren Willen bekam.

Hoch oben auf den Bäumen hatte man eine perfekte Sicht auf die gesamte Quarantänezone. Von hier aus sahen die Menschen unendlich viel kleiner aus als sie es tatsächlich waren, aber die Entfernung reichte aus um festzustellen, wie die Zone von Tag zu Tag wuchs und neue Menschen hinzukamen. Die Welt befand sich in einem Wandel, nur hatten die Menschen dies noch nicht bemerkt. Zu sehr waren sie damit beschäftigt den Virus zu bekämpfen. Caesar verstand ihre Handlungsweisen. Wie auch er selbst, versuchten sie die Überbleibsel ihrer Art zu sichern, ihre Familien zu erhalten und ein neues Leben zu beginnen. Einige Affen machten sich die Hoffnung, dass sie bald komplett verschwanden. Auch diese Sichtweise konnte der Anführer der Affen nachvollziehen. Anders als sie, kannte er jedoch beide Seiten der Menschen. Nicht alle von ihnen waren schlecht. Nicht alle von ihnen waren gut. Jeden Tag arbeitete er daran es seinem Stamm verständlich zu machen und ihnen einen guten Weg aufzuzeigen in dem sie alle friedlich leben konnten. Leider hieß dies nicht, dass sie den Menschen deswegen die Welt überlassen konnten. Um ihr eigenes Überleben zu sichern, mussten sie ein Auge auf sie haben. Die Menschen besaßen viel Temperament und oft vergaßen sie jede Vernunft deswegen. Caesar hatte nicht vor die Affen zu gefährden in dem er unvorsichtig war. Darum sahen seine Späher jeden Tag nach, was in der Zone vor sich ging. Für den schlimmsten Fall wollte er vorbereitet sein. Ihnen blieb immernoch die Wahl sich weiter in die Wälder und Berge zurückzuziehen, doch hier hatten sie genug Nahrung und Wasser. Es war ein zu guter Ort um ihn einfach aufzugeben.
Konzentriert hatte er seinen Blick auf die Zone gerichtet. Junge Menschen spielten, andere arbeiteten oder saßen und unterhielten sich. In vielerlei Sicht unterschied sich der Stamm der Affen und der Zone nur sehr wenig von den Menschen. Erst durch Koba wurden seine Gedanken unterbrochen und er sah zu dem gequälten Bonobo. Bis heute hatte er den Menschen noch nicht vergeben können und doch war Caesar stolz und froh, dass er sich zügelte und auf ihn hörte, ihm vertraute. „What should we do?“, fragte er ihn in Zeichensprache. „If we start a war we could lose everything we built.“ Sein Wort mochte das Letzte sein, dass gesprochen wurde, aber die Meinungen seiner Berater wollte er trotzdem hören. Darum waren sie ja seine Berater, denn Caesar war nicht allwissend, sowie es auf viele des Stammes den Anschein machte. Auch er kämpfte mit Ratlosigkeit und Zweifel, wusste dies aber stets vor allen zu verbergen.
Jake Landlow
Jake wollte Sarah gerade darum bitten ihn nicht jedes Mal an das zu erinnern was Troy falsch gemacht hatte, als ihr selbst auffiel, wie sehr sie wie ihre Mutter geklungen hatte. Es war eben leicht die Fehler in anderen zu sehen. Aber egal wie deutlich sie für Jake auch zu sehen waren, wie sollte er seinen Freund einfach so im Stich lassen? Sie saßen hier alle jetzt im selben Boot. Egal was vorher vorgefallen war. So schnell würden sie die Zone nicht mehr verlassen. Irgendwie musste Jake sich also mit Troy wieder gut stellen. Es würde im Chaos enden, wenn dem nicht so wäre. "Just .. let me think about all of this, okay?" bat er Cassie also stattdessen. Er wusste ja, dass seine Schwester es nur gut mit ihm meinte. Aber den Weg musste er alleinge gehen. Er musste eine Lösung finden, die er mit sich vereinbaren konnte. Der einfache Weg war es wohl, einfach alles mit Troy hinter sich zu lassen und sich das zu nehmen, was sein Herz wollte. Aber Jake konnte nicht einfach. So war er nie. Immerzu suchte er eine Lösung, die allen irgendwie entgegen kam. Und auch hier würde er es versuchen. Dabei musste er nur aufpassen, nicht selbst daran kaputt zu gehen. In so einer Notsituation, in welcher die Menschheit sich nun einmal gerade befand, war das aber wohl einfacher gesagt als getan. Hier stand sowie so jeder immer unter Strom. Es galt also noch etwas vorsichtiger zu sein, als sowie so schon.
Jake wandte sich vom Fenster ab und drehte sich zur Tür, als man das Gerede von draußen hören konnte. So etwas bedeutete immer, dass man im nächsten Moment Besuch bekommen würde. Und fast als hätte er es geahnt, stand im nächsten Augenblick auch schon Tess im Raum. Um ehrlich zu sein passte es Jake überhaupt nicht, dass seine Schwester den Raum extra dafür verließ. Noch hatte er einfach nicht vorgehabt weder mit Tess noch mit Troy über den Vorabend zu sprechen. Jetzt würde er aber praktisch dazu genötigt. Deshalb seufzte er schwer und ließ sich auf die Festerbank sinken. Die Arme verschränkte er dabei vor der Brust und musterte die Frau vor sich streng. Noch wartete er bis Sarah den Raum verlassen hatte und die Tür wieder geschlossen war. Auch ließ er die Brünette ausreden. Dennoch konnte er die Wut die er fühlte nicht verstecken, auch wenn er normalerweise mehr der Typ dafür war, sie so gut es eben ging zu vertuschen. "You had no other choice? Really?" fragte er ironischer als er es beabsichtigt hatte. "I tried to calm this situation down when you thanked me with accusing me of taking his side" erinnerte er Tess gerne daran, was sie getan hatte, bevor sie ganz plötzlich ihre Meinung über Troy geändert hatte und mit ihm mitgegangen war. "You accused me of betraying you right before you fell back into his arms. Because he did what? Promised you for the thousand time that everything gets better? That he's sorry? That he loves you? Guess what Tess? It never gets better with him" wurde er lauter, wobei er sich sogar von der Fensterbank abstieß. Danach rieb er sich aber seufzend mit einer Hand über die Stirn. Er war niemand der gerne jemanden anbrüllte. Aber kaum das er Tess wieder gesehen hatte, kam einfach alles wieder hoch, was er am Vorabend runter geschluckt hatte. "You always say you have no choice, Tess" sagte er nun wieder ruhiger. "That you can't leave him. But why is that? How can you love a person who treats you so badly, Tess? He is my best friend but this is not okay! It never was okay. Why can't you see this?"

Sam hatte gar nicht mal so Unrecht. Entweder man mochte Cage oder man mochte ihn nicht. Bei ihm gab es da kein mitten drin. Er war rau, grob und laut. Dabei vertrat er stets seine eigene Meinung und war ein Dickkopf wie er im Buche stand. Nicht umsonst hatte er hier das Sagen. Der Blonde wusste eben wie man sich durchsetzte. Dazu kam sein äußerliches Auftreten. Groß, breit gebaut und ein dichter Bart. Ein wenig hatte er wohl was von einem Bären, auch wenn seine Haarfarbe nicht ganz übereinstimmte. Aber zusätzlich zu seiner Persönlichkeit, verhalf es ihm den Respekt zu behalten, den er hier in den Zone genoss. Eli hatte damit Gott sei Dank kaum Probleme. Man musste sich zwar erst an den rauen Umgangston gewöhnen, aber das war letztlich gar nicht so schwer, wie es am Anfang wohl ausgesehen hatte. Denn Cage hatte Anstand und wies Respekt vor dem Alter auf. Selten in seinem Alter. Aber es half ihm und Eli ganz wunderbar miteinander auszukommen. Außerdem nahm er Cage sie Aufgabe mit den Kindern ab und verschaffte ihm so etwas mehr Zeit, wofür der Soldat ihm dankbar war.
"Nice to meet you too" lächelte der groß gewachsene Mann herzlich und gab erst Clara die Hand, da es ganz selbstverständlich war, die Dame als erstes zu begrüßen. Danach begrüßte er auf gleiche Weise aber auch gleich Malcolm. Es gehörte sich eben so. Vor allem waren sie wohl alle irgendwie sowas wie Nachbarn. Da half es immer, wenn man sich gleich auf einem guten Fuß erwischte.
"Nah, he has the morining off" erklärte Eli schließlich, als er sich zurück gegen den Rahmen der Tür lehnte. "Is Liza still busy?" fragte Cage interessiert und versuchte dabei so kryptisch wie nur irgend möglich zu sprechen. Da Bill auf der Krankenstation arbeitete, wusste Eli mehr als so manch anderer. Deshalb kannte er auch den Grund, weshalb Bills Schicht heute später begann als normal. "Seems so. She said something about a group?" Doch weiter kam er überhaupt nicht, da Cage ihm gleich einen mahnenden Blick zuwarf. "Not here, Eli. Please" bat er ihn. "Of course, sorry about hat" entschuldigte er sich und wandte sich stattdessen wieder den anderen dreien zu. "Come in" bat er sie. "I think it's okay when I give you a little something from our storage as a welcome present?"
"Yeah, sure. Maybe you find something useful" bestärkte Cage den Vorschlag und wartete noch kurz, bis die beiden Frauen mit Eli in den Laden gegangen waren, bevor er seinen Vater abhielt ihnen ebenfalls zu folgen. "I need to talk to you alone as soon as possible" erklärte er fast schon flüsternd, da er seine Schwester kannte. Sam hatte ihre Ohren immer überall da, wo sie diese nicht haben sollte. "It's important" fügte er noch hinzu, bevor er Malcolm auf die Schulter klopfte und für alle Außenstehenden wieder ein besser gelauntes Bild abzugeben. "But for now take a look too. Maybe you find something for that really nice neighbour of yours" grinste er, wobei er fast schon etwas zu viel Spaß an der Sache hatte.

Einen Arm hatte die Blonde mittlerweile um ihre Mitte geschlungen. Irgendwie musste Healey sich selbst Halt geben. Roman wurde hier verdächtigt und das mit so vielen Druckmitteln, dass ihre Erfahrungen als Anwaltsgehilfin ausreichten um ihr sagen zu können, dass es wirklich schlecht um ihren Bruder stand. Er würde ihr hier so schnell keinen Halt geben. Und Mike hatte man wieder von ihr getrennt und er musst sich mitansehen, wie seine sonst so starke Freundin ein weiteres Mal kurz davor stand die Fassung zu verlieren. Zwei Mal innerhalb nur eines Tages war neuer Rekord. Normalerweise gab es kaum einen Grund, weshalb Healey so emotional wurde. Mikes Verurteilung war einer dieser Gründe gewesen. Genauso wie der Tod des Großvaters, zu dem die Blonde immer ein wenig mehr aufgesehen hatte, als zu ihrem richtigen Vater, auch wenn sie beide gleich geliebt hatte. Nur selten hatte Roman etwas damit zu tun. Denn auch wenn er vielleicht etwas zwielichtig erschien, immer hatte er alles daran gesetzt seine kleine Schwester zu beschützen. Deshalb traf es sie jetzt auch wie ein Schlag in die Magengrube. "Every third person" versuchte sie irgendwie ihre zittrige Stimme unter Kontrolle zu kriegen. "- in the US owns a gun." Wie unsinnig ihr Argument für Romans Besitz einer Waffe war, wusste sie selbst. Es war der letzte Versuch sich einzureden, dass alles was Michael sagte, gelogen war. Erst als er die beiden letzten Bilder zu ihr herüber schob brach es aus Healey heraus. Sie versuchte es aufzuhalten, indem sie sich eine Hand vor den Mund presste. Ihren Tränen war es aber egal und rannen um die Wette ihre Wangen herunter.
Den Blick wandte sie ab und atmete tief durch. Dabei sah sie für einen Moment zu ihrem Verlobten im Nebenraum. Ob er deuten konnte, was hier gerade vor sich ging? Mike war so unglaublich clever, dass Healey es beinahe vermutete. "Please let me see my brother" bat sie aber Michael nun und sah ihn wieder an. "I know we caused you trouble and I'm sorry for everything .. But please let me see Roman! Let me talk to him. I'm sure this is all but a big mistake."
Während Mike seine kleine Rede hielt, begann Liza seinen Hals abzutasten. Die Untersuchung hier dauerte nicht umsonst schon länger als die von Healey. Nachdem der Mann vor ihr schon gelogen hatte, was seinen Job anging, wer sagte ihr das er nicht auch lügen würde, was seine Gesundheit anging. Man musste eben ganz sicher gehen. "You have no idea with what these men have to deal every day since the outbreak. With what I have to deal with" erklärte sie streng. Natürlich hatte er keine Ahnung und regte sich jetzt über eine Kleinigkeit auf wie die Verletzung ihrer Menschenrechte. Es hätte bei weitem schlimmer kommen können als das. Nur wusste Mike es jetzt noch nicht. Aber je länger er hier bleiben würde, desto eher würde er schon verstehen und am Ende würde er es nicht mehr als so schlimm empfinden wie er es jetzt gerade tat. "Maybe this wasn't the right way to deal with this. But as I was told, her brother pointed a gun in the General's direction. I can understand that you are afraid. Everyone is. But in situations like these, people need to do what has to be done to minimize the possible damage. You're all alive and you will get released soon. Don't cause more trouble by questioning Cage's decision, Mike" warnte Liza ihn, auch wenn sie es am liebsten nicht getan hätte. Dennoch war mit Cage und seinen Männern nicht zu spaßen. Mike sollte es wissen, nicht für sich selbst, aber um seine Freundin zu schützen.
Erst als er erneut die Befragung im Nebenzimmer ansprach, stoppte Liza die Behandlung und trat einen Schritt zurück. Dabei zog sie sich die Handschuhe aus, die sie vor der Behandlung erst angezogen hatte. Man musste eben jedes Risiko auf dem kleinst möglichen Wert halten. "Her brother" antwortete sie kurz, während sie das lila farbende Gummi im Mülleimer entsorgte. Dann sah auch sie kurz rüber zu den anderen beiden. "And as it seems Michael was right about him."

"Never" lachte Troys Kollege, der das Klemmbrett entgegen nahm. Die Soldaten hatten hier sowie so nur wenig Freizeit. Wenn sich einem von ihnen also so eine Chance bot, konnten sie ihn nicht einach so auflaufen lassen. Da hieß es Zusammenhalt. So machte man das einfach. Und Ella war eine reinste Freude für das männliche Auge. Sie hätten Troy schon sehr hassen müssen, wenn sie ihm das versauen wollten. Aber sie taten es nicht. Stattdessen gab es sogar noch ein paar anzügliche Pfiffe hinter her, fast so als würden sie ihren Kollegen anfeuern, was Ella aber nur schmunzelnd den Kopf schütteln ließ.
"Well" begann sie, sah Troy aber mit einem der unschuldigsten Blicke an, die sie zu bieten hatte. "Only when I really want something" gestand sie, was ihm wohl mehr Einblick gewährte, als sie es eigentlich bezweckt hatte. Aber warum noch groß um den heißen Brei herum reden? Tess muste sie wahrscheinlich sowie so bereits hassen. Troy hatte gerade keinerlei Anstalten gemacht seiner Freundin hinter her zu eilen und schenkte viel lieber seiner Verehrerin die Aufmerksamkeit. Wieso sollte Ella jetzt also noch hinter dem Busch halten? Vermutlich wusste er eh bereits mehr, als er sollte. Deshalb, kaum das sie aus der Hörweite der Soldaten waren, hakte sie sich bei dem Soldaten ein. Zu ihrem Glück war sie nicht ganz so klein geraten, weshalb es ihr ein leichtes war ihren zierlichen Arm einfach um seinen zu schlingen.
"You really work so hard every day. I've never seen you actually taking some time off since we're here" fuhr sie fort. Dabei fiel Ella ein, dass sie ja blöderweise in diesem bescheuerten Sammelzelt unter gekommen war. Zeit zu zweit konnte man da definitiv vergessen. Aber sie wusste wo Cage einen seiner Lieblinge untergebracht hatte. Troy konnte es verleugnen wenn er wollte, aber Cage hatte definitiv seine Lieblinge und er gehörte zu diesen. Das sah selbst ein Blinder.
So bog sie also einfach mit ihm ab, die Richtung in die sie gingen musste ihm wohl mittlerweile bekannt vorkommen. "Every good soldier needs time off sometimes. Even if it's just for an hour or two. And this is what we're going to do now. Believe me, you'll enjoy it and thank me later for it" versprach sie ihm und kam schließlich vor dem Haus stehen, in dem er untergebracht wurde. "Well .. I'm living in one of the group tents. Not very comfortable and definitely no place to take some time off. So .. I hope you don't mind" sah sie entschuldigend zu ihm auf, dass sie einfach mit ihm her gekommen war.

Koba nickte zustimmend, denn auch wenn er die Menschen hasste, er wusste wann die Affen ihnen unterlegen waren. Und noch waren sie es. Es gab nur primitive Waffen und durch die errichteten Zäune, waren sie im Nachteil. Wahrscheinlich machte es auf Caesar den Eindruck, dass er ihm wirklich ernsthaft zustimmte. Aber eigentlich war für Koba nur noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen. Abwarten mussten sie. Aber bei dem Tempo, in dem die Zone der Menschen wuchs, blieb bald keine Zeit mehr zum Abwarten.
Er wandte seinen Blick zurück auf den errichteten Zaun. Ein schäbiges altes Ding. Jeden Tag arbeiteten sie daran, damit sie besser und stärker geschützt waren. Aber einen Affen würde der nicht abhalten. Teilweise gab es Stacheldrahtzaun oben auf den Kanten, manche waren frei. Ein leichtes für Koba dort einfach drüber zu klettern und ein wenig für Angst und Schrecken zu sorgen. Aber er musste warten. "Hhm" machte er wieder und sah zurück zu seinem Anführer. "If we let them grow, they will find us" deutete er wieder mit Zeichensprache. Je nach Rasse hatten es manche Affen einfacher mit dem Sprechen. Bonobos, so wie es Koba war, fiel es schwerer als beispielsweise einem Schimpansen wie Caesar. Der allerdings sowie so noch einmal ein ganz anderes Kaliber auf Grund seiner Mutter gewesen war. Dennoch wich Koba deshalb die meiste Zeit auf Zeichensprache zurück. Es ging schneller und es fiel ihm leichter sich auszudrücken. "Many guns" sagte er dennoch deutlich. "Many soldiers -" sprach er weiter, wechselte aber dann zurück, um mit seinen Händen zu reden. "You don't want to fight humans. But they will fight apes." Kobas ganze Körperhaltung war dabei nur wenig angespannt. Er wollte Caesar nicht Verdacht schöpfen lassen. Deshalb tat er mehr besorgt, als wütend und zeigte nicht, wie sehr er auf Tod und Verderben für die Menschheit aus war. "Maybe we need to show them that this land is no good for them. It belongs to apes" wurde er am Ende aber doch etwas deutlicher. Koba musste aufpassen und durfte Caesar nicht drängen. Aber irgendeinen Weg musste es geben.
Dann fiel ihm etwas ins Auge. Etwas, was da nicht sein sollte. "Hooh" machte er und richtete sich etwas auf um besser durch das dicke Grün sehen zu können. "Caesar" sagte er und schob das Blattwerk etwas auseinander, damit der Affe neben ihm besser sehen konnte. Es legte die Sicht frei auf einen kleinen Affen, der sich wohl mit raus geschlichen haben musste und nun auf direktem Weg zum Zaun gewesen war. "Human" sagte er strenger und war schon drauf und dran von der alten Eiche zu stürmen, um den jungen Bill, den er durch ein Loch im Zaun erspäht hatte, davon abzuhalten dem kleinen Affen auch nur einen Schritt zu nahe zu kommen. "Human" warnte er lauter, was durch das dicke Blattwerk aber nach außen hin kaum zu hören war. Aber ohne Caesars Erlaubnis konnte er nicht einfach voraus preschen. Es ging dabei um Ranghöhe und Authorität. Aber Kobas gesamten Körper sah man an, wie angespannt er binnen nur weniger Sekunden geworden war, drauf und dran von diesem Baum zu stürmen und ihr kleines Stammmitglied vor drohender Gefahr zu bewahren.
Tess Graysmark
Tess hatte keineswegs damit gerechnet, dass Jake ihr sofort vergeben würde, aber sie hatte auch nicht gedacht das er ihr nach noch nichtmal einem Satz sofort wieder alles an den Kopf schmiss. Nun staute sich auch in ihr Wut an, wodurch sie ihre Hände zu Fäusten ballte. Dennoch ließ sie Jake ausreden und zerbrach ihn in seinem Ausbruch kein einziges Mal. „He threatened to do something to himself, okay?!“, brach es aus ihr heraus, kaum das Jake seinen letzten Satz gesprochen hatte. „Tell me, what was I supposed to do? Just let him do it? I don't know if he only manipulated me or if he was serious but how could I have taken the risk?!“ Einige Schritte hatte sie auf ihn zugemacht während sie gesprochen hatte. Ihre Ratlosigkeit war deutlich in ihrer Stimme zu hören. Nachdem Troy ihr diese Worte zugeflüstert hatte, hatte sie nicht anders reagieren können. Ein anderer, selbstsüchtiger Mensch, hätte sich vielleicht abgewandt von ihm und wäre dennoch gegangen in der Hoffnung, dass Troy es selbst beenden würde und sie ihn dann los war. Doch so war Tess nicht und er wusst es genau. Bewusst hatte er sie unter Druck gesetzt.
„I'm only still with him because of you! How many times did I ask you if it was time to leave him and everytime you said no? I came to you.. always and you always told me to give him another chance so I did. But you're not the one waking up to him having nightmares and sitting on his bed with a gun every night! You have no idea what it's like to live with him and listen to his crazy ideas that are nothing like the man we both loved. Don't blame it on me. Now you tell me for the first time that it's not okay what he's doing. Now when it's almost too late! I wish I could've saved him but I can't!“ Vor Wut stiegen ihr schon die Tränen in die Augen. Tess hatte nicht vor zu weinen, aber sie war einfach so wütend, dass ihr Körper gegen sie arbeitete. Schnell hebte und sank ihre Brust. „I don't love him anymore.. I'm afraid of him. Please don't think the moment at the gas station didn't mean anything but I can't let him turn me into a murderer.“ Nach dem langen Tag und dem Verlust ihres Vaters, hatte sie am Vorabend nicht anders handeln können. Sie war einfach ratlos gewesen. All die Zeit hatte sie sich auf Jake's Urteil verlassen, dass es noch Hoffnung für Troy gab. Zu hören, dass auch er nicht mehr daran glaubte, war ein schwerer Schlag. Auch wenn sie keine Liebe mehr für den Soldaten empfand, so hatte sie es für eine lange Zeit getan und zu bemerken wie machtlos man war, schmerzte. Gleichzeitig hoffte sie auf Erleichterung, wenn sie es endlich schaffen würde sich von ihm zu lösen. Schuld daran, dass er sich etwas tat oder womöglich sogar wirklich umbrachte, wollte sie trotzdem nicht sein. Obwohl Troy bereits begann sich nach etwas Neuem umzusehen und ihr Verlust ihn womöglich nicht zu sehr treffen würde. Nur aufgrund des Treffens mit Ella gerade, hatte sie es gewagt herzukommen, denn es gab ihr die Hoffnung vielleicht doch von ihm freizukommen.

Sams Blick wechselte zwischen ihrem Bruder und Eli hin und her. Sie war noch keine 24 Stunden hier, aber das er Geheimnis vor ihr hatte, nervte sie schon jetzt. Noch nie hatte er viel über seine Einsätze erzählt, aber zuvor hatte es sie auch nie selbst betroffen. Natürlich wollte er sie nur schützen, aber sie bezweifelte, dass sie einen solchen Schutz nötig hatte. Da sie in einer Tierpraxis arbeitete, kannte sie sich mit dem Verbreiten von Viren aus und wusste sich und andere dagegen zu schützen. Cage ignorierte diese Fakten aber wohl ganz gerne. Diesmal war sie aber bereit sich ablenken zu lassen. Zu ihrem Glück fiel es der Blonden immer leicht sich ablenken zu lassen, was ihr gerade sehr gelegen kam. „Always so secretive, brother.“, schmunzelte sie nur bevor sie Elis Bitte nachkam und mit Clara den kleinen Laden betrat. Falls man dies so nennen konnte, denn die Regale waren nicht halb so voll, wie sie es von einem normalen Geschäft kannte. Vermutlich hielt man Vorräte zurück für den Fall, dass irgendwer auf die Idee kam zu plündern.
„Something useful is never pretty, is it?“, lächelte sie während sie durch die Regale wanderte. Das man in dieser Zeit nicht darauf achtete was schön war, wusste sie und nach den letzten Tagen hatten schöne Dinge an Wichtigkeit verloren, doch war es bisher immer einer ihrer Leitsätze gewesen, wenn es darum ging ein Geschenk für jemanden zu besorgen. „What do you suggest is something useful?“, fragte die Blonde nun aber an die beiden anderen, da sie nicht wie das verwöhnte Mädchen rüberkommen wollte, was wohl sowieso jeder von ihr denken würde. So war es in ihrem Leben schon immer gewesen. Egal wie sehr sie sich auch bemühte, die Menschen achteten immer nur auf ihr Äußeres und interessiertens ich nicht dafür was wirklich in ihr steckte. Die meiste Zeit über bestärkte sie die Menschen aber wohl auch mit ihrer Art.
Malcolm hatte sich unterdessen von Cage zurückhalten lassen. Vor Sorge legte sich seine Stirn in Falten, denn diesen Tonfall hörte er bei seinem Sohn nicht häufig. Allerdings waren sie auch noch nie in einer solchen Situation gewesen. „What kind of monster would I have been if I left her alone?“, antwortete er ihm aber erstmal auf seine kleine Witzelei, die er ihm nicht übel nahm, auch wenn er seine Andeutung für überflüssig hielt. Die Tür, die bis gerade noch geöffnet war, zog er nun ein bisschen zu damit die beiden Frauen nicht doch noch auf das Gespräch aufmerksam wurden. „Is there any trouble, Cage?“, wollte er dann aber bei weitem besorgter wissen. Er wusste um die Last, die auf seinen Schultern lag und war nur gerne dazu bereit nach einem Rat für ihn zu suchen, auch wenn er wirklich nicht allwissend war. Kinder glaubten dies immer von ihren Eltern, aber auch sie waren hin und wieder ratlos.

Nun da Healey so aufgelöst war, hatte Michael nicht vor weiterhin drohend über ihr zu stehen sondern setzte sich auf den Platz gegenüber von ihr. Bei ihr fiel es ihm leichter die Emotionen über seinen toten Sohn herauszuhalten. Sie war tatsächlich unbeteiligt gewesen also konnte er sie wie jede andere Person in einem Verhör behandeln. „Yes, every third person owns a gun but not every one of them is found with a bullet wound in their apartment.“, widersprach er ihr. „I don't think of Roman as dumb enough to do this to himself.“
Die Bilder vor ihr legte er zurück in die Akte, ließ diese aber offen zugänglich auf den Tisch liegen, falls sie doch nochmal etwas nachsehen wollte. Ihre Reaktion auf alles schien so ehrlich, dass er für ihr für das Erste Glauben schenkte. „You will see him very soon, I promise.“, sagte er ehrlich. „My wife took care of him and he's doing fine, but he's also still asleep and needs the rest.“ Selbst wenn er also keine Fragen mehr hätte, wäre es jetzt sinnlos sie zu Roman zu bringen, da er nicht in der Lage war irgendwelche Fragen zu beantworten. „In the meantime, why don't you tell me anything you know about him? He's your brother and you're close, aren't you?“, wollte er wissen, denn ihrem Verhalten nach zu urteilen, musste es einfach so sein. „Everything you tell me could help to clear him of suspicion if it's really all a mistake, Healey. Trust me, I'm the last person who wants to tear a family apart for the wrong reasons. So try to remember anything that was suspicious in his life. Friends, former family members, his birth place.. just anything. Every detail is important.“ Michael bemühte sich sehr um eine ruhige Stimme, damit er die Frau nicht noch mehr aufwühlte. Sobald sie dicht machte war es nämlich vorbei, doch er glaubte sich gerade auf einem guten Pfad mit ihr zu befinden, denn sie stritt es nicht komplett ab, was für ihn hieß, dass sie hinter dem richtigen Mann her waren.
Mike seufzte schwer. Er hasste es im Unrecht zu sein, aber die Ärztin hatte wohl Recht. Jetzt auf ihre Menschenrechte zu pochen, brachte sie alle kein Stück weiter. In einer Ausnahmesituation regierten andere Gesetze, an die sie sich jetzt nunmal anpassen mussten. Nur weil sie zu dritt hier für etwas Ärger sorgten, würden sie ja keinen Schritt weiterkommen. Ob es ihnen nun also passte oder nicht, klüger war es sicherlich, sich einfach anzupassen.
Nach der Behandlung nahm sich der Anwalt wieder sein Shirt und zog es über. Da Liza sich während der ganzen Untersuchung nicht zu seiner Gesundheit geäußert hatte, ging er davon aus das alles in Ordnung war. Eine große Erleichterung im Angesicht der Umstände, die man ihm sogar ansah. „Roman?“, fragte er nach. „Right about what? I know he comitted a couple of minor felonies but that can hardly be the reason to interrogate Healey now. I bet there is more important stuff to take care of in a zone like this.“ Viel hatte er nie von Roman mitbekommen, da er ständig irgendwo unterwegs war und ihn zu erreichen für andere, abgesehen von Healey, kein leichtes Unterfangen war. Meistens hatte er ihn nur bei irgendwelchen Familientreffen gesehen bei denen auch die Eltern anwesend waren. Dort hatte es ständig etwas zu besprechen gegeben, doch gewundert hatte er sich darüber nie, da er stets glaubte das seine Adoptiveltern ihn nur dazu bringen wollten mehr aus seinem Leben zu machen. Das die geheimen Besprechungen im Kaminzimmer aber immer dazu gedient hatten die gesamte Regierung zu stürzen, ahnte der junge Anwalt nicht im geringsten, da er sich mit den Smiths immer sehr gut verstanden hatte und sie als nette und zuvorkommende Menschen kennen gelernt hatte.

Schon als Ella nicht die Richtung zu den Sammelzelten einschlug, wusste Troy was sie vorhatte. Das Mädchen machte die Sache für den Soldaten immer amüsanter. Jeder Betrachtete sie als jemand so Unschuldigen und Reinen, aber ein genauer Blick zeigte ein anderes Bild. Es stand im Gegensatz zu allem was Tess war. Seine Freundin, sofern er sie noch als solche bezeichnen konnte, trug ihr Herz auf der Zunge und war so einfach zu lesen wie ein Buch. Noch nie hatte sie irgendwelche Emotionen verstecken können. Ella schien dieses Talent allerdings zu besitzen. Bis vor wenigen Minuten hatte der Soldat noch geglaubt, die Brünette könnte keiner Fliege was zu leide tun. Sie selbst wusste es vermutlich noch gar nicht, aber nach allem was er im Krieg gesehen hatte, wusste er das jeder, wenn man ihn nur den richtigen Schubs gab, zu Großem fähig war. Er beschwerte sich also gar nicht, dass sie ihn stattdessen zu seiner eigenen Unterkunft brachte. Woher auch immer sie wusste, wo genau er untergebracht war. Normalerweise hielt er gerne alle Fäden selbst in der Hand, aber in diesem Fall wollte er sehen was die kleine Ella genau vor hatte. Ganz leicht könnte er es in das umwandeln, was er haben wollte. Anders war es aber erstmal interessanter.
„There's simply no time to take time off.“, antwortete er ihr pflichtbewusst. „The people here need guidance and we're here to provide it. We can't let them run around like headless chickens, can we?“ Ein Schmunzeln kam über seine Lippen. Seit seinem ersten richtigen Einsatz hatte er sich schon keine Pause mehr gegönnt. In seinen Augen brauchte er das nicht. Die Welt aber brauchte ihn. Vorallem in einer Zeit wie dieser, in der Cage nicht fähig war zu tun was nötig war. Schon bald würde er selbst hier die Führung übernehmen und die Menschen auf den richtigen Pfad führen. Noch waren sie alle naiv und glaubten daran, dass sie eines Tages wieder in ihr altes Leben zurück konnten. Ein sehr naiver Glaube, wie er fand.
Angekommen an seiner Wohnung öffnete er die Tür und hielt sie Ella auf. „Ladies first.“, bat er sie. Seine Wohnung war mehr praktisch als schön eingerichtet. Die meisten Dinge die er nicht brauchte hatte er an andere gegeben oder eingetauscht. Nun war nur noch das nötigste da. Dadurch das er sich so wenig Zeit frei nahm, brauchte er eben auch nicht viel. Die Tür schloss er hinter Ella wieder. „Make yourself comfortable.“, bot er ihn an und deutete auf die Couch, die an einer Wand stand. „Something to drink?“

Mit einem nachdenklichen Blick, die Augen mehr menschlich als affengleich, beobachtete Caesar seinen Berater bei seiner Erklärung. Vollkommen im Unrecht war Koba nicht. Die Menschen hatten schnell Angst und griffen zu Waffen um sich zu verteidigen. Nichts anderes taten aber auch die Affen, wenn man mal ehrlich war. Ein Krieg würde auf beiden Seiten Welten zerstören. Das war es, worüber sich beide Gruppen klar werden mussten. Caesar wusste es. Es war seine Aufgabe in einem Notfall, auch den Anführer der Menschen davon zu überzeugen, dass sie von einer Co-Existenz mehr hatten als von einem Krieg. Die Affen würden seinem Wort folgen, wenn die Menschen sich darauf einließen, daran hatte er keinen Zweifel, selbst wenn Koba, von Angst getrieben, gerade nicht richtig denken konnte.
Leicht lehnte der Schimpanse sich in Richtung des geöffneten Blattwerks um nach unten zu sehen. Kurz nachdem Koba lauter auf sich aufmerkam machte, hob er nur eine Hand um ihn und die anderen Affen, die mit nervösen Schnauben eingestimmt hatten, zum Schweigen zu bringen. Sein Wort war Gesetz und daran hielten sich alle im Stamm.
„Child.“, korrigerte er Koba nachdem Ruhe in den Bäumen eingekehrt war. Der Junge war mittlerweile in die Hocke gegangen und der kleine Affe war ihm bis auf eine Armlänge entgegengekommen um ihn neugierig zu beobachten. Aus seiner Tasche zog der Mensch ein en Ball, den er dem Affen hinhielt. „The human child is not a danger.“, sprach der Anführer in Zeichensprache weiter und wandte sich seinem Volk zu. „Human and apes can live in peace, Koba.“ Bevor er eingriff, wollte er die Situation weiter beobachten. Sie waren alle nah genug dran um sofort unten zu sein, sollte ein Eingreifen notwendig werden. Bisher sah Caesar aber keinen Grund dafür. Viel mehr erinnerte es ihn an sein früheres Leben bei den Menschen. Am Ende war es schief gegangen, aber nicht jeder Mensch war schlecht. „If we attack them, they will fight back. Many apes will die.“
Ganz ohne Bedenken war selbst Caesar nicht, doch hatte er nicht vor jetzt schnelle Entschlüsse zu ziehen. Was sich vor seinen Augen abspielte, war Hoffnung. Der Junge und der Affe waren ein Zeichen dafür, dass ein friedliches Zusammenleben möglich war, wenn man es richtig anging. Ihm jetzt etwas zu tun war ein fataler Fehler. Angst in ihm auszulöse, würde auch die Älteren der Menschen änstigen und zu seinem Angriff bewegen. Noch war es nur ein Kind, dass einen kleinen Affen sah. Davon ging keinerlei Bedrohung aus und für das Erste, wollte er es dabei belassen. Niemand von den Menschen, musste von ihrer Intelligenz wissen.
Jake Landlow
Jakes Gesichtsausdruck machte klar, wie verwirrte er von Tess' Aussage war. Niemals hatte Troy auf ihn den Eindruck gemacht, er könne sich je etwas antun, egal wie schlimm eine Situation auch wurde. Jetzt damit seiner Freundin zu drohen und es als Waffe gegen sie zu verwenden, war selbst für seinen besten Freund ein neuer Tiefpunkt. Jake hatte ja keine Ahnung gehabt was passierte, wenn er nicht bei den beiden war. Nur weil sie stritten, zog er ja nicht gleich bei ihnen ein. Er wusste, dass Troy sich verändert hatte, schob es aber einfach auf das Militär und bat Tess deshalb Geduld mit ihm zu haben. Das es sich schon wieder hinbiegen würde. Aber scheinbar hatte es alles viel größere Ausmaße, als er sich es vorstellen konnte. "Why haven't you told me all of this earlier, Tess? I thought you guys were only ever fighting over normal stuff" erklärte er sich, nachdem er erst einmal durchgeatmet hatte. Seine Stimme klang nun wieder viel ruhiger als zuvor. Wieder mehr wie der Jake, den sie alle kannten. "You both have temper .. I never thought it was ever this serious, Tess. If I only knew how bad he really was .. of course I would've never asked you to give him more time! But who would I've been to tell you to leave my best friend for the greater good? I thought .. I believed he only needed time to work things out since he joined the army. And that you would hate me both for telling you to leave him only because he doesn't know what to do with himself at the moment" seufzte er. Wieder ließ Jake sich zurück auf die Fensterbank sinken. Seine Körperhaltung hatte jetzt nichts mehr von Angriff oder Wut. Nicht gegen Tess. Sie hatte, ähnlich wie er, nur einen Weg gesucht Troy zu helfen. Vergeblich.
Mit beiden Händen rieb er sich müde über sein Gesicht. Zu allem übel hatte er nämlich auch so gut wie überhaupt nicht geschlafen. Es kam normalerweise nicht vor, dass er ins Bett ging, wenn er noch mit irgendwem etwas im Raum stehen hatte. Er stritt sich so gut wie nie. Wenn es also dann doch einmal passierte, wollte er es immer gleich geklärt haben. So mit Troy und Tess auseinander zu gehen hatte ihn sichtlich mitgenommen. "I shouldn't have yelled at you" sagte er schließlich mit müder Stimme, wobei er sie wieder ansah. "I'm sorry." Mit den Händen stützte er sich nun auf dem Fensterbrett ab und legte den Kopf in den Nacken. Einen Moment blieb er so. "You don't have to go back" begann er erneut, wobei er wieder den Blick zu Tess wandte. "I'm here now. I won't let him scare you this way ever again! He won't scare anyone this much ever again" versprach er. "I promise you, Tess."

Clara fühlte sich sichtlich fehl am Platze, als sie Eli und Sam in den kleinen Laden folgte. Immerhin war sie ja nur hier, weil die Halls so ein gutes Herz hatten und jetzt hing sie an ihnen wie eine Klette. Gott sei Dank schien es ihnen gar nicht so viel auszumachen, wie es Clara selbst ausmachte. Sie war einfach nicht gerne wehrlos irgendetwas ausgeliefert. Aber genau das waren sie hier. Zwar sicher in einer Zone bewacht von guten und trainierten Soldaten, aber dennoch irgendwie wehrlos. Keiner wusste so wirklich was hier los war und es machte es nicht wirklich besser, dass Cage seinen Vater alleine draußen zurückhielt. Sam mochte es vielleicht nicht aufgefallen sein. Clara bewunderte sie für die Gabe sich schneller abzulenken, als es ihr selbst gelang. Aber der Britin wurde ganz unwohl bei dem Gedanken, dass man sie einfach im Unwissen ließ. Und mit Sicherheit würde sie bei Sam damit auf Zustimmung stoßen, doch riss diese sie aus ihren Gedanken, als die Blonde laut überlegte, was wohl nützlich sein würde. Eli hatte bemerkt, wie Clara die Tür des Ladens beobachtete und schob sich nun etwas in ihr Blickfeld. Er selbst wusste mehr, als ihm lieb war. Sein Sohn wahrscheinlich auch. Die zwei jungen Frauen sollten sich darüber nun wirklich nicht den Kopf zerbrechen.
Fast etwas beschämt lächelte Clara, als sie von Eli auch noch erwischt worden war, wandte sich aber nun Sam zu. "Well, how about a good book?" meinte sie und zog einen alten Schmöcker aus dem Regal. Natürlich hatte Eli hier auch Bücher. Ohne diese konnte er wohl einfach nicht leben. "I also have some more blankets in store. I can only assume how bad your first night must've been" schlug der Dunkelhaarige vor, der die erste Nacht auf einem Feldbett ähnlich unbequem gefunden hatte.
Wäre die Situation eine andere würde Cage seinem Vater sicher sagen, dass er die Dinge nicht ganz so ernst sehen sollte. Aber er hatte Recht. So wie Clara aussah hätte sie es alleine wohl kaum so weit geschafft. Die paar Male, die er bei seinem Vater gewesen war, hatte er nie ein Auto bei ihr vor dem Haus gesehen, obwohl sie daheim war. Keinen fahrbaren Untersatz zu haben machte es also fast unmöglich von dort aus zur Zone zu kommen. Deshalb schien der kleine Witz die Stimmung nun doch noch etwas mehr herunter zu ziehen. Ohne Malcolm und Sam wäre es nämlich ziemlich sicher gewesen, dass Clara es nicht überlebt hätte.
Cage seufzte und lehnte sich angestrengt gegen die verwaschene Schaufensterscheibe des kleinen Ladens, in dem die anderen drei gerade waren. "We may have a problem" gestand er. Der Soldat gestand sich nur sehr ungerne Fehler ein, denn nur selten machte er überhaupt welche. Wenn seine Entscheidungen dazu führten, dass viele Menschenleben gerettet wurden, nahm er die Quittung gerne in Kauf. Denn nicht immer hieß es das, nur weil er Leben rettete, keiner dabei um kam. Jetzt sah er aber keine Möglichkeit mehr das kommende Übel abzuwenden. "The virus is spreading fast" sagte er ehrlich. "Faster than we thought. I was informed last night that we're on our own now. Means no more supply trucks, no more medical trucks, no more anything from the HQ. It was their last call .. Wished us good luck" nickte er, als ob er sich selbst davon überzeugen wollte. Wischte sich dann aber mit der Hand durchs Gesicht und schüttelte so jeden positiven Gedanken daran wieder ab. "They're all dead, dad" sagte er in einem Ton, als würde er hoffen Malcolm hatte einen passenden Rat für ihn. "No more supplies means that I can't let more people in. We wouldn't make it through the Winter ... But how am I supposed to tell a mother, she and her baby can't come in? How am I supposed to tell the people inside that we reached a point at which is no turning back from all of this? I have to lower the rations, cut the gas and water, change the rules .. People will get scared and scared people do irrational things .. If I do it wrong, this place will turn into a mad house."

Healey stemmte die Ellenbogen auf den Tisch und fuhr sich verzweifelt durch blonden, noch immer etwas zerzausten Haare. Wenn sie nur halb so furchtbar aussah, wie sie sich gerade fühlte, musste Mike im Nebenzimmer wohl glauben, sie durchlebe hier gerade einen Horrorfilm. Und ganz so falsch würde er damit gar nicht liegen. Was war wenn auch nur eine Anschuldigung von Michael wahr gewesen war? Es würde Healeys komplettes Familienbild zerstören. Ihr Bruder konnte kein Terrorist sein. Er durfte es einfach nicht sein. In ihrem Kopf sah sie die kleine Healey, wie sie es versuchte ihrem Bruder einfach zu verbieten. Ohne Erfolg.
Für einen Moment blieb sie einfach nur mit dem Gesicht in Richtung Tischplatte gerichtet sitzen und versuchte alles ein wenig zu ordnen. Michaels Fragen hatte sie dabei gehört, aber er würde sicher noch einen Augenblick Zeit haben, bevor sie antworten musste. "My parents -" rang sie langsam mit ihrer Fassung, damit sie einigermaßen ordentliche Antworten geben konnte. "- they adopted him when we were too young to understand what adoption even means. I think .. he was abused there. He never really talks about this time of his life. But the scar he has .." meinte sie und sah Michael nun wieder an, um ihm die Narbe ihres Bruders über ihrem eigenen Auge zu deuten. "I don't know him without it."
Jetzt lehnte sich die Blonde zurück in ihren Stuhl und verschränkte einen Arm vor der Brust, damit sie den anderen darauf ablegen und sich nachdenklich die Hand an ihr Kinn legen konnte. "But he is my brother, no matter what your papers might tell you" stellte sie gleich klar, bevor Michael wieder darauf anspielte, dass sie gar keine richtigen Geschwister seien. "Our parents were always busy, even on the holidays. They traveled somewhere before all of this started .. I don't know where exactly. But sometimes it felt like we only had each other, you know? And .. I might've helped him a few times" gestand sie, wobei es dem Polizisten wohl gleich klar sein musste, von was genau sie da sprach. "But this doesn't make him a terrorist! He just had some troubles. Please, you must mistaken him with someone else! Or maybe he was just in the wrong place at the wrong time? I don't know .. There must be anything, another explaination for all of this" sagte sie fast schon flehend und deutete auf die Akte. "After the last time he promised me that he would stay out of trouble .."
Liza versuchte den beiden im Nachbarzimmer nicht allzu viel Beachtung zu schenken. Healey sollte sich zu allem Übel nicht auch noch beobachtet vorkommen. So wie sie aussah, bereitete ihr Mann der jungen Frau wahrscheinlich schon genug Magenschmerzen. Also widmete sie sich lieber Mikes Akte, der wie jeder andere hier in der Zone auch eine bekommen hatte. Die Übersicht zu behalten war wichtig. Wenn Cage Informationen brauchte, musste Liza diese schnell übermitteln können. Ordnung musste deshalb sein. Hier trug sie ein paar Dinge ein: sein Herzschlag war auf Grund der angespannten Situation leicht erhöht, er hatte normale Temperatur, kein Anzeichen bei den Schleimhäuten auf eine Infektion. Keiner der dreien, nicht einmal Roman mit dem hohen Blutverlust, wies irgendwelche Anzeichen auf den Virus auf. Medizinisch gesehen konnten die drei also bei nächster Möglichkeit entlassen werden. Wäre da nur das Problem nicht mit dem Bewusstlosen ein Stockwerk über ihnen.
"I really don't think I'm the one who should tell you about this, Mike" wies sie seine Argumentation ruhig ab. Sollte Roman tatsächlich gefährlich sein, war es durchaus etwas, das jetzt geklärt werden musste und nicht erst dann, wenn es zu spät war. "Give them a little more time, I'm sure everything will clear up eventually." Und so wie Healey sich verhielt, würde sie ihrem Freund sowie so alles mitteilen, wenn Liza und Michael erst einmal den Keller verlassen hatten.

Schmunzelnd schüttelte Ella über Troys so pflichtbewusste Art den Kopf. Sie bewunderte so viel Disziplin, gar keine Frage. Aber früher oder später würde sein Körper einfach streiken. Da konnte sein Wille noch so stark sein. Menschen waren nicht dafür gemacht ihr Leben lang auf Hochtouren zu arbeiten. Und hier in der Zone machte es den Anschein, als würde es genau darauf hinauslaufen. Die ein oder andere Stunde Freizeit, an den ruhigen Tagen, so wie es jetzt einer war, konnte sich da sicher auch Troy mal nehmen. Und so sehr sie sich auch anstrengte nicht so zu denken, so fand sie, dass Tess dafür hätte Sorge leisten müssen, dass ihr Freund genau so etwas bekommt. Sie war jetzt aber nicht hier, sondern Ella. Schokoriegel hin oder her, es war nun sie, die dafür sorgen würde, dass Troy mal etwas abschalten konnte. Auch wenn es nur für ein paar Stunden war. Eigentlich sollte sie wohl Tess eher für ihre sture Art dankbar sein. Denn ohne sie hätte Ella niemals so einen großen Satz in die Richtung machen können, in die das ganze hier nun zu gehen schien. Ohne diesen kleinen Streit von eben hätte Ella es niemals gewagt hier her zu kommen.
Ihre gute Laune konnte sie jetzt nur noch wenig verstecken, als sie an Troy vorbei in sein Apartment ging. Wie sehr sie die Ruhe in eigenen vier Wänden vermisst hatte, fiel ihr erst auf, als der Soldat hinter ihnen die Tür schloss. Es war angenehm einfach mal nichts zu hören, außer die Stimme Troys. Denn normalerweise befand sich Ella immer in riesigen Menschenmengen, sei es nun in einem der großen Auffangzelten oder in der Schlange für die Rationen. Nie war man da draußen alleine, wenn man nicht das Glück hatte und eine eigene Wohnung besaß oder zumindest ein eigenes Zelt.
"I'm good, thank you" bedankte sie sich für das Angebot, aber für einen Drink blieb da keine Zeit, wenn der Soldat sich tatsächlich nur für ein paar Stunden Freizeit überreden hatte lassen. Langsam schlenderte sie stattdessen in Richtung Couch. Das die Süßigkeit nur eine faule Ausrede war, um sich etwas mehr Mut zu verschaffen Troy überhaupt danach zu fragen etwas Zeit zusammen zu verbringen, durfte dem Soldaten wohl schon klar geworden sein, als er sein eigenes Haus gesehen hatte. Aber wäre ihm seine Freundin tatsächlich so wichtig, wäre er ihr gerade hinter her gegangen und hätte nicht einer Ablenkung mit Ella zugestimmt, wenn sie mal ehrlich zueinander waren. Sie hatte nur so viel Zurückhaltung gezeigt, weil man sie relativ schnell über Tess aufgeklärt hatte und sie niemand war, der jemandem einfach den Freund ausspannte. Aber so wie es aussah, gab es da sowie so nicht mehr so viel das man da ausspannen konnte. "You know .. the chocolate bar was kinda a lie" schmunzelte sie, wobei sie begann die oberen Knöpfe ihres Hemdes zu öffnen, bevor sie sich wieder zu Troy umdrehte. Jetzt öffnete sie auch den Knoten, der das einzige war, was ihr Hemd noch zusammen hielt. Und nur einen Moment stand sie oben rum nur noch in ihrem BH vor ihm. "Your girlfriend doesn't appreciate you enough .. I'll give you what you deserve, Troy -" sagte sie wobei sie sich etwas auf die Unterlippe biss. "- What you need."

Man konnte in Kobas Gesicht nur selten irgendwelche Anzeichen für Freude oder Glück deuten. Dafür war es umso offensichtlicher, wenn ihm etwas nicht passte. Er schnalzte mit der Zunge und ließ dabei das Blattwerk etwas zurück in seine normale Form fallen. Einen Schritt wich er so zurück und schaubte. Wütend, aber zustimmend. Wer war er schon, der sich dem großartigen Caesar einfach so widersetzen würde? In letzter Zeit kam es hier und da zu Meinugsverschiedenheiten und Koba wusste von den Affen, die sich im Falle eines Falles ihm und nicht ihrem eigentlichen Anführer anschließen würden. Aber noch bestand für Koba kein Grund Caesar stürzen zu wollen. Auch wenn er ein anderes Bild der Menschen hatte, so handelte er doch im Sinne der Affen. Koba würde immer die Liebe seines Freundes der anderen Rasse gegenüber im Auge behalten, noch war diese aber lediglich fragwürdig.
Doch gerade, als Koba ganz von den Blättern ablassen würde, weil er sich hatte überzeugen lassen, dass der junge Bill keine Gefahr darstellte, wurde er aufmerksam. Sein Körper stand sofort unter Spannung und er lauschte nur den Geräuschen, bevor er auch mit seinem noch funktionierenden Auge die Gefahr ausmachte, die sich nun ganz offensichtlich näherte.
"Hey" rief einer der Soldaten Bill zu, dem das Loch im Zaun aufgefallen war. "This is no place for you, boy" meinte er, klang aber eher weniger wütend. Bill war eben nur ein Kind, da musste man sich eben ein wenig anpassen. Erst als der Mann aber den kleinen Affen sah, sprang seine Stimmung um. "Get away from him" wies er Bill an und hatte ihn mit einem guten Griff hinter sich gezogen, damit der Soldat nun zwischen dem Jungen und dem Affen stand.
Nun wurden auch die anderen Affen in den Baumwipfeln nervös und das ganz ohne Kobas Anstacheln. Dessen Hände hatten sich nun krampfend um das Holz des Astes gelegt, auf dem er noch immer saß. Der Soldat hatte seine Waffe noch nicht gezogen. Koba durfte einfach nicht überreagieren, nur weil einer von ihnen angebrüllt wurde. Es hieß zu warten und nicht dabei die Nerven zu verlieren. Dennoch konnte der Bonobo nicht verhindern, dass sein Maul sich gefährlich öffnete und seine Zähne begannen zu fletschen. Oh wie er die Menschen hasste. Jeder einzelne trug Schuld auf seine ganz eigene Art. Jedes Kind, das sich im Zoo die Affen ansah, jeder Wissenschaftler, der in den Laboren an ihnen herumhantierte, jeder Vater, der seine Familie mit in den Zirkus nahm, sie alle hatten Schuld daran, dass Kobas Art über Jahrzente lang gefoltert und gedemütigt wurde. Caesar mochte es anders sehen, er hatte aber auch ein gutes Leben vor all dem hier gehabt. Koba, so fand er, sah die einzig wirkliche Wahrheit. Menschen waren schlecht. Menschen waren gefährlich.
"Piss off, you filthy animal" pfiff der Soldat nun den kleinen Affen an und trat nach diesem, wobei er ihn aber nicht erwischte. Dieser quiekte trotz allem auf und stolperte ein paar Schritte zurück. "The hard way, huh?" Der Mann zog sein Gewehr, nicht um damit auf den Affen zu schießen, aber um ihn damit zu verscheuchen. Das reichte Koba und so wie es aussah nicht nur ihm. Er, ein paar der anderen Schimpansen und Bonobos und selbst Caesar stürmten von der Eiche herunter, durch das Dickicht, über die kurze Grasfläche zum Zaun der Menschen. Ihr Anführer hatte den Soldaten als Erster erreicht und nahm dem wirklich verängstigen und verwirrten Mann auch sogleich sein Gewehr weg. Koba übernahm den Rest und stieß den Menschen mit seiner Schulter kräftig zu Boden, damit er es ja nicht wagte sich gegen Caesar zu erheben. Der kleine Affe dagegen hatte schnell den Schutz des Anführers gesucht und kletterte auf dessen Rücken, während der große entstellte Bonobo einige Schritte in Bills Richtung tat. Der Mann unter ihm wollte um Hilfe rufen, aber diesem legte er einfach die Hand vor den Mund und hockte nun auf allen Vieren vor dem Jungen. Sein Gesicht war sowie so bereits gruselig genug aber gerade bemühte Koba sich noch viel mehr, dem Menschen Angst zu machen.
Ein lauter Aufschrei ertönte. Der Soldat hatte unbemerkt ein Messer gezogen und es dem entstellten Affen in die Hand gerammt. Andere Menschen wurden aufmerksam. Doch der Mann richtete sein Messer nur auf Caesar. Sein ganzes Auftreten wirkte viel menschlicher als das der anderen, auch wenn Koba mit seinem Gesicht sicher der unheimlichste von allen war. Schwer schnaubte dieser und man konnte mit jedem Atemzug sehen, wie schwer es dem Bonobo fiel den Soldaten nicht in Stücke zu reißen.
Tess Graysmark
Tess schüttelte kaum merklich den Kopf. „You said that before.“, murmelte sie so leise, dass Jake es vermutlich gar nicht hören würde. An der Tankstelle hatte Jake ihr genau das gleiche versprochen und dennoch war sie bei Troy gelandet. Einen Vorwurf wollte sie ihm nicht machen, aber er war nunmal der einzige Mensch auf den sie sich gerade noch verlassen konnte. „This is not about the greater good, Jake. This is about my well-being.“, warf sie ihm dann aber doch seinen unglücklich gewälten Ausdruck vor. Die junge Frau hatte sich an das Gitter des Bettes gelehnt. Immer noch hielt sie so Abstand zu Jake. Nachdem was gestern geschehen war, wusste sie nicht so Recht wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. „Why do I have to tell horror stories for you to believe how bad he got?“ Leise seufzte sie. Nur weil Troy ihr gegenüber nie die Hand erhoben hatte und sichtbare Spuren hinterlassen hatte, hieß es nicht das seine Behandlung nicht doch einer Misshandlung gleich kam. Jake jetzt aber Vorwürfe zu machen brachte sie auch nicht weiter und verdient hatte er es genauso wenig. Ihren Ärger an ihm auszulassen war nicht fair. „You're not the one to blame, Jake.. I didn't want you to worry so much. I thought I could fix it.. fix him. But now.. this entire situation is just.. too much. I don't know what to do.“, sagte sie ehrlich. So ratlos wie gerade, hatte sie sich in ihrem Leben bisher noch nie gefühlt und sie hasste jeden Sekunde davon.
„He lied, you know? He won't do something to himself. He only said that to manipulate me and it worked. Before I came here I was with him.. and there was another girl. Of course we got into a fight but he insisted she stays and when I left he didn't even say a thing.“, erzählte sie Jake noch was kurz bevor geschehen war. Ihren Blick wandte sie jetzt wieder zu ihm. Troy wollte sie ganz klar nicht gehen lassen, aber genauso wenig liebte er sie noch. Eingepfercht in dieser Zone gab es für sie keinen Weg ihn zu meiden. In der Stadt wäre es einfacher gewesen, aber hier hatte er die Kontrolle und dieses Gefühl machte sie ganz krank. Von niemanden wollte sie sich kontrollieren lassen, aber ihm war sie körperlich ganz klar unterlegen. „And this girl.. she likes him. Genuinly likes him and doesn't even know that she's in danger but she won't listen to me even when I try.“ Ella zu bewahren war nicht ihre Aufgabe, aber tatenlos zu sehen konnte sie eben auch nicht. Aufgeben kannte sie sonst nicht, aber gerade wusste sie nicht weiter. „He clearly doesn't love me anymore but he also won't let me go.. for whatever reason that may be.“ Ihm auch noch Probleme zu bereiten nachdem er gerade erst Cassie verloren hatte, lag ihr fern. Nur gab es auch niemanden sonst an den sie sich wenden konnte. Selbst jetzt, wo alles so auswegslos schien, war sie froh bei ihm zu sein.

Abgesehen von ihren Büchern aus dem Studium hatte Sam nie viel gelesen, wenn sie mal ganz ehrlich war. Trotzdem ließ sie für einen kurzen Moment ihren Blick über die alten Schmöcker gleiten. Obwohl sie gar nicht so alt waren, denn es befanden sich durchaus noch sehr neu aussehende Bücher darunter. Da man hier sehr sparsam mit dem Strom umging, war es aber wohl die beste Ablenkung, wenn man nicht gerade die Arbeit fand, die Gedanken genug beschäftigte. Auch die Blonde nahm sich einer der Bücher und blätterte darin. Sollte es ein Buch über Überlebenstipps geben würde sie definitiv darüber nachdenken es sich zur Gemüte zu ziehen. „The night was fine.“, winkte sie ab, auch wenn ihr Nacken etwas komplett anderes sagte. „There are people that will need them more than we do. Unless you want some, Clara?“ Sam wollte nicht auch für ihre Nachbarin sprechen, wenn diese um eine zweite Decke vielleicht dankbar war. Da Cage aber angedeutet hatte, dass sie nicht sehr lange in dem Sammelzelt bleiben würde, war sie bereit darauf zu verzichten. Kinder oder ältere Menschen konnten davon besseren Gebrauch machen als sie. „But back to the books.. what's your favorite?“, fragte sie Eli. „What would you recommend offers the best distraction?“ Wenn sie schon etwas laß, sollte es auch etwas sein, dass sie auf Dauer ablenken und beschäftigen konnte. Zumindest so lange die Seitenanzahl dafür ausreichte.
Es schien eine ganze Weile zu dauern bis Malcolm die richtige Antwort fand. Einfach zu verdauen war diese Nachricht selbst für ihn nicht. Nicht, weil er sich um sich selbst sorgte. Er sorgte sich um seine Kinder. Seitdem seine Frau bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen war, hatte er sich bemüht seinen Kindern ein gutes und Glückliches Leben zu bereiten. Leicht war es nicht immer gewesen und am Anfang hatte er sich genauso hoffnungslos gefühlt wie er es jetzt tat, da Cage ihm die Wahrheit über die Welt sagte. Kurz sah er zu Sam in den Laden, die er durch das Schaufenster sehen konnte. Mit einem Lächeln stand sie da, unwissend das sie dort und hoffte noch immer nach Hause zu kommen. „We will rebuild, Cage. We have to.“, war das erste was er nach einer längeren Pause sagte, war aber fest entschlossen. Noch war die Welt nicht verloren. Man konnte es als Neuanfang sehen, der gewiss nicht leicht wurde, aber es war machbar. Das musste es einfach sein. „It's not to late in the season to yield crops yet. We can go on supply hunts, find water resources and build generators.“, machte er einen groben Plan. Den Sand in den Kopf zu stecken war jetzt wohl der größte Fehler, den sie machen konnten, doch hatte Cage mit einer Sache Recht. Die Menschen würden in Panik geraten, wenn man es falsch anfing. Genauso würden sie aber die Kontrolle verlieren, wenn die Bevölkerung der Zone herausfand, dass man sie belog. Hierfür gab es keinen richtigen Pfad, den man befolgen konnte. Kein Lehrbuch. Malcolm wusste ja nicht mal selbst ob sein Plan der Richtige war. Er handelte rein aus seinem Bauchgefühl. „The formation needs to happen without people knowing what's going on. It will not be easy, we know so much but we will handle it. I swear that to you.“ Obwohl er versuchte positiv zu bleiben und nicht die Nerven zu verlieren, musste er dennoch schwer ausatmen. Gestern noch hatte er geglaubt hier Sicherheit zu finden, doch war dem nicht so.
„How many people know in which situation we are?“, wollte er wissen. Einige mussten sie in den Plan miteinbeziehen, denn nur zu zweit würden sie es nie schaffen die Zone zu halten. Nur ob sie es Sam sagen sollte, wusste er selbst noch nicht. Ihm war nicht wohl dabei seine Tochter zu belügen, aber Angst machen wollte er ihr genauso wenig.

Michael konnte ja verstehen warum Healey die Wahrheit nicht einsehen wollte. Gleichzeitig begann es nun aber ihn gewaltig zu Nerven, denn die Beweise waren ganz offensichtlich und nur weil sie es nicht wahr haben wollte, machte es nichts von Romans Taten ungeschehen. Seine Opfer blieben tot und die Welt noch immer bedroht. Die ganze Zone stand hier auf dem Spiel und es das noch viel mehr als Cage wusste. Nicht nur gingen Vorräte zu Neige, es kamen auch keine neuen mehr nach. Nie wieder würden irgendwelche neuen Vorräte hier ankommen. Wenn nun auch noch ein Terrorist hier für Unruhe sorgte, konnten sie sich am besten alle gleich erhängen. Eine drastische Art zu denken, aber so war es nunmal. Die Welt war am Ende. Sie brauchten niemanden, der sie noch mehr ins Verderben stürzte.
„People like him lie, Healey. It's likely that half of what he told you is not true. You don't even really know him. It's a hard fact to accept but it's the truth. Roman tried to bring the government down several times and now he is a threat to the quarantine zone. I'm sure you understand that we can't take a risk only because you think we got the wrong man. People's lives are at stake here.“, machte der Polizist der Blonden sofort klar. Weitere Worte darüber das Roman unschuldig war, konnte sie sich sparen. „How is the relationship between Roman and your parents? Why didn't they tell you where they went?“, begann er sie weiter auszufragen. Dieser eine Kommentar war es nämlich, der ihn hatte stutzig werden lassen. Im Regelfall wusste man wohin die Verwandten gingen, wenn man verreiste. Das Healey es nicht wusste, war nur ein weitere Tropfen auf dem heißen Stein. Ob sie mit drin steckten konnte er beim besten Willen nicht sagen. Vermutlich tat er ihnen Unrecht, wenn er soetwas behauptete. Romans Misshandlungen waren der wahrscheinlichere Auslöser für seine Taten. Soweit reichte sein einfaches Wissen über Psychologie gerade noch aus.
Die Erleichterung darüber nicht infiziert zu sein, hielt sich bei Mike in Grenzen. Dafür war er einfach noch viel zu aufgewühlt von all dem anderen Mist, der hier abging. Sein Shirt zog er wieder zu sich um es über zu ziehen, da die Behandlung ganz offensichtlich abgeschlossen war. Mit Lizas Antwort war er allerdings nicht wirklich zufrieden. Natürlich bekam er keine Antworten. Warum sollte er auch? Es würde sein Leben ehrblich leichter machen und das war es noch nie gewesen.
Leicht schnaubend stand er auf. „I get it.. you have to protect the zone but a little honesty would be appreciated. We didn't mean to cause any trouble and I just.. just want my family to be safe.“, sagte er ganz ehrlich. Healey und Roman waren nunmal das letzte bisschen, was von seiner Familie noch da war. Da war es wohl nur natürlich, dass er alles tun wollte um sie beide zu beschützen. Gerade mit Romans Vergangenheit, der schon so viel Leid in seinem Leben erfahren hatte, dass nichtmal Mike es sich ausmalen konnte. „But I'm sure you have work to do. I'll just wait here until they're done.“, resignierte er, denn etwas anderes blieb ihm in der momentanenn Situation auch kaum übrig. Er musste nachgeben und hoffen, dass sie einfach schnell wieder von hier verschwinden konnten. Gemeinsam mit Roman.

Troy konnte seine Überraschung über Ellas Verhalten nicht verbergen. Ihre Zuneigung war kein Geheimnis gewesen, aber das sie tatsächlich den Mut besaß diesen Schritt noch zu gehen, war selbst für den Soldaten etwas, mit dem er nicht gerechnet hatte. Eher hatte er gedacht, dass sie schüchtern wie immer Lächeln würde, aber kaum einen Ton herausbekam. Seine Vermutung von zuvor hatte sich bestätigt. In ihr fand er eine bei weitem bessere Verbündete als in seiner eigenen Freundin. Schon seit längerem lief es mit Tess keines Wegs mehr gut. Das war genauso wenig ein Geheimnis wie Ellas Schwärmerei für ihn. Nur leider war Troy niemand der einen Verrat einfach auf sich sitzen ließ. Das sie mit Jake aufgetaucht war, hatte ihn diesbezüglich nur noch bestärkt. Ellas so große Loyalität, die sie ohne Frage besaß, kam ihm da nur gelegen.
Der Soldat lehnte sich gegen die Küchenzeile und verschränkte die Arme vor der Brust, während er die junge Frau eingehend musterte. Er verfolgte hier einen Plan, aber ganz unberührt ließ es ihn eben doch nicht. Das zu verschweigen brauchte er auch gar nicht, da es sie nur noch weiter in ihrem Wahn treiben würde. „I knew from the start your innocence was only a game, Ella.“, schmunzelte er amüsiert, lachte sie aber keineswegs aus. Viel mehr sprach Bewunderung aus ihm. Nie würde irgendwer sie verdächtigen während man sich leichter tat ihm irgendetwas anzuhängen. Schon alleine weil er nicht so unschuldig aussah und sich schwer tat es vorzutäuschen. „But it's true. My girlfriend is a liar and a cheater.. not a good person.“ Jeder Mensch hatte seine Fehler und Schwächen, aber Tess als schlechten Menschen zu bezeichnen war übertrieben. Obwohl er es wusste, schaffte er es problemlos diese Worte zu sprechen und sie überzeugend klingen zu lassen. Ella dies glauben zu lassen, würde sie noch mehr zum Werkzeug in seiner Hand machen. Darum ging er auf ihr Spiel auch erstmal nicht ein. Er wollte sehen was sie noch mehr tat um ihn zu überzeugen und wie weit sie bereit war für ihn zu gehen. „She needs to be out of the way, Ella.. before that hasn't happened I fear we would have to be hiding and that's not something I would like to do to you.“
Troy musste Tess überhaupt nicht selbst auf den Weg räumen. Ella konnte dies für ihn erledigen. „Would you help me with that?“, fragte er sie deswegen auch ganz direkt nach ihrer Hilfe. Mit ihrer süßen, niedlichen Art konnte sie jeden davon überzeugen das es ein Unfall oder Notwehr war und er selbst musste rein gar nichts tun.

Caesar war stets darum bemüht Ruhe und Frieden zu wahren, aber selbst seine Geduld hatte einmal ein Ende. Wenn ein Affe in Gefahr war, egal wer diese Gefahr darstellte, war es seine Pflicht einzugreifen. Kaum das er das Metall der Waffe aufblitzen sah, sprang er allen voran mit den anderen nach unten.Auf dem bemoosten Boden angekommen baute sich der Schimpanse zu voller Größe auf, was ihn genauso groß wie den Soldaten werden lassen hatte. So war es ihm auch ein leichtes ihm das Gewehr abzunehmen und es in seinen Händen zu halten. Erst hatte er daran gedacht es einfach irgendwo in den Wald zu werfen, doch würde er damit vermutlich noch einen Schuss auslösen, der auch einen Affen verletzen konnte. Dieses Risiko ging er nicht ein.
Der menschliche Junge war einige Schritte zurück gewichen und sah die Affen aus großen Augen an. Zuvor hatte er versucht den Mann davon abzuhalten nach dem Affenbaby zu schlagen, war aber natürlich viel zu schwach um ihm am Arm mitzuzerren. Egal wie sehr er gebettelt und gefleht hatte, auf ihn hatte man nicht gehört. Bill wollte nicht, dass das Tier zu Schaden kam. Nichtmal jetzt, wo der Mann am Boden lag, einer der Affen ein Gewehr in Händen hielt und ein anderer ihn aus seinen gruseligem, vernarbten Gesicht anstarrte. „St..st...stop it.. ple.. please!“, bat Bill den Soldaten, nun da er erneut ein Messer auf die Waffen richtete. Schon allein dieses Vorhaben war dumm, wenn Caesar kein Gewehr in Händen halten wüürde. Wieder griff der Junge nach dem Arm des Mannes und begann daran zu zerren damit er ihn mit zurück in die Zone begleitete. „Let..lets.. g..g..go..“ Abstreiten, dass die Affen ihm Angst machten, konnte er gar nicht, denn das sah man ihm wohl deutlich an. Doch sie verletzt zu sehen war auch nicht sein Ziel.
Trotz des Aufschreis Kobas, zuckte Caesar nicht zusammen. Konzentriert war er auf die zwei Menschen vor sich. Von dem Jungen ging keinerlei Gefahr aus, aber von dem Erwachsenen schon. Dessen Angst konnte er förmlich riechen und ängstliche Menschen, taten viele dumme Dinge. Was sie damit zu erreichen glaubten, hatte der Anführer der Affen noch nie verstanden. Nur wusste er, dass es der Wahrheit entsprach und deshalb Vorsicht geboten war. Das kleine Äffchen auf seinem Rücken nahm er herunter und händigte es an den großen Urang-Utan an seiner Seite aus. Dort war es jetzt sicherer aufgehoben, denn Caesar machte einen Schritt auf den Soldaten zu um sich drohend über ihm aufzubauen. Aus seinen menschlichen Augen sah er ihn an, musterte ihn dabei ganz genau. Ohne den Blick abzuwenden entsicherte er das Gewehr, was durch ein leichtes Klicken bestätigt wurde. Auch er fletschte nun die langen Zähne, denn sein Ziel war es, denn Menschen zumindest so viel Furcht einzuflösen, dass er nicht wieder herkam.
„GO!“, rief Caesar so laut aus, dass es die aufkommende Stille wie ein Messer durchschnitt und die Vögel dazu brachte sich aus den Bäumen zu erheben. Zu zeigen, dass sie sprechen konnten, mochte für viele Affen eine blöde Idee sein, doch er war sich ganz sicher zu wissen was er tat. Auf den Jungen zeigte es auf jeden Fall seine Wirkung, denn er ließ von dem Mann ab und stolperte vor Schreck einige Schritte zurück wobei er schließlich über Wurzel viel und im Dreck landete. Ein Brüllen hatte er erwartet, aber der Schimpanse hatte ganz klar gesprochen. Nicht nur das, er hatte auch gewusst wie man das Gewehr bediente. Bill wollte sie nicht als Bedrohung zu sein, aber unheimlich war ihm diese Situation schon. Im Schock, schaffte er es nun aber gar nicht aufzustehen, sondern starrte die Affenbande vor sich einfach nur mit geöffnetem Bund an.
Jake Landlow
"You really think I don't know that, Tess?" fragte Jake sie fast schon etwas entgeistert. "I didn't mean .. Listen, you loved him once. For everything that he was. And I always tried to listen to the both of you. I only thought I would help you, okay? Because you shouldn't regret leaving him only because I told you to. If it was for me that you would've been unhappy .. because I was selfish and told you to leave him way earlier .. I could've never forgive myself, you know?" versuchte er irgendwie seine Worte von zuvor zu erklären. Er hatte ihr nicht geraten sich von Troy zu trennen, weil er nicht wollte, dass sie es am Ende vielleicht doch bereute aber Troy sie dann nicht mehr haben wollte. Er wollte nicht, dass Tess unglücklich war, auch wenn die Beziehung vielleicht nicht mehr das war, was sie verdient hatte. Sie hatte bei weitem besseres verdient, aber Jake wollte nicht der sein, der ihr ihre Liebe madig machte.
"But why the horror stories? Because he is like my brother, Tess .." seufzte Jake genau so wie die Brünette es getan hatte. "I know Troy longer than I know any other person in my life besides my sister. If he's as bad as you say .. how am I supposed to ignore it and not trying to help him? I'm not saying that you should go back. You stay, here with me. I won't let you be alone with him again. But maybe I can do something ..? Now that we're stuck in this god damn zone, Jesus, I have to do something, Tess! Because otherwise you won't be able to let go yourself" sagte er. Sie alleine zu Troy zurück zu lassen, würde er nicht noch einmal tun. Aber sie saßen hier nun einmal aufeinander wie Hühner auf der Stange. Sie mussten irgendwie mit dem Soldaten auskommen. Tess würde er es nicht mehr zumuten. Aber Jake selbst konnte da noch immer versuchen ihn wieder richtig hinzubiegen. Er musste es zumindest versuchen.
Dann erzählte die Brünette jedoch von Tess. Man konnte Jake deutlich ansehen, dass er gerade aus allen Wolken fiel. Hatte er doch scheinbar alles getan, damit seine Freundin am Vorabend bei ihm blieb, schien es ihm ja jetzt doch ziemlich egal zu sein was mit Tess war. "He has someone else?" fragte er deshalb noch einmal ungläubig nach. "Well .. if she really likes him .." überlegte er, fand es aber doch absurt es auszusprechen. Tess sollte sich nicht darum kümmern müssen, dass niemand anderes mehr so von Troy behandelt werden würde. Aber Ella im Dunkeln zu lassen, wenn sein bester Freund tatsächlich so abgedriftet war, würde Jake auch nicht mit sich vereinbaren lassen. "This is pretty fucked up" seufzte er schließlich nur.


Clara schüttelte nur den Kopf. "Nah, Sam's right. We're getting through fine" stimmte sie der Blonden zu und schenkte Eli ein kurzes Lächeln, bevor sie das Buch zurück legte und sich selbst ein wenig umsah. Wirklich sicher, ob sie überhaupt irgendetwas finden würde, dass sie für nützlich fand, war sie sich noch nicht. Aber es würde auf jeden Fall etwas die Zeit vertreiben sich in dem kleinen Ramschladen mal etwas umzusehen.
"Very well" nickte Eli, der es von den beiden Frauen sehr löblich fand, dass sie beide auf eine weitere Decke verzichteten. Andere hätten diese Gelegenheit gleich genutzt. Denn viele waren einfach nur noch darauf bedacht, dass es ihnen gut ging. Was da mit ihren Mitmenschen war, war ihnen egal. Danach widmete er sich Sam. "Well it depends on what you like" erklärte er, drehte sich aber zu dem Bücherregal und ließ seinen Zeigefinger über die Buchrücken gleiten. Es sah gar nicht aus, als ob er suchte. Viel mehr wusste er genau, welches Buch er greifen wollte, nur hatte er nicht mehr die genaue Position im Kopf. Schließlich zog er ein schmutzig, cremefarbendes Buch hervor. Sichtliche Gebrauchsspuren konnte man nicht von der Hand weisen. Überall konnte man kleine Knicke oder Kratzer auf der Oberfläche sehen. Auch den ein oder anderen Flecken hatte es. Aber Eli wusste, dass es nichts ansteckendes war, da es sein eigenes Buch war und sein eigener Kaffee der ihm versehentlich neben seinem Buch vor Jahren mal übergeschwappt war. "There it is" murmelte er und ließ die Seiten durch seine Finger gleiten. "Not the prettiest anymore" gestand er und reichte das Buch Sam, die ja nach seinem Lieblingsbuch gefragt hatte. Deshalb hatte er es auch dabei gehabt, als er zusammen mit Bill sein zu Hause verlassen hatte. "Sapiens: A Brief History of Humankind" nannte er dazu noch den Titel. "You really have to be interested in the human revolution for this one to be honest. But that is my favorite book."
Starr sah Cage vor sich auf den Boden, als sein Vater erzählte. Nicht weil er ihm nicht zuhörte, ganz im Gegenteil. So blendete er alles andere um sich herum aus, um nur seinem Vater zuhören zu können. Cage hatte hier das Sagen, die Leute spielten nach seinen Regeln. Aber Malcolm um Rat zu fragen, dafür war er sich noch nie zu schade. Der Rat seines Elternteils war ab und zu Gold wert. Außerdem handelten sie in den meisten Fällen zum Wohle ihrer Kinder. Und wenn Malcolm plante, um so vor allem Sam in Sicherheit zu wissen, so würde es auch die anderen Schützen. Daran bestand überhaupt gar kein Zweifel. "I don't think we have something to buid up a farm here" seufzte Cage angestrengt, was nicht hieß, dass er gegen die Vorschläge war. Aber vieles musste einfach noch besorgt werden. Niemand hatte wohl damit gerechnet, dass sie sich etwas Ernstes hier aufbauen mussten. Vor allem waren sie ja auch am Rande einer Stadt. Nur der riesige Wald hinter ihnen zeugte von Natur. Sie würden also auch die Zone vergrößern müssen, damit sie an fruchtbaren Boden kamen.
"But you're right" stimmte er Malcolm trotzdem zu. "I mean I kinda guessed that the virus is spreading faster than we thought. It's always the same with such things .. But I had no idea how bad it is already. Knowing that I'm responsible for this people now .. on my own .. it makes it hard to get a straight thought, you know?" erklärte er sich, wieso er vielleicht etwas niedergeschlagen und abweisend wirken konnte. Er hatte einfach nicht geschlafen, seit er die Nachricht am Vorabend empfangen hatte. "We have a cop here who kinda is the voice of the people. He knows because his wife is the local doctor as well. They make sure everyone stays calm for now. Some of my men do too. Otto, Johnson .. not many. The word and then the panic would spread faster than this god damn virus."

Müde rieb Healey sich die Augen. Mittlerweile hatten sich ihre Tränen eingestellt und am liebsten wollte sie einfach nur noch nach Hause. Irgendwie würden sie schon über die Runden kommen. Dafür brauchten sie diese blöde Zone ganz sicher nicht. "Their relationship is fine" entwich es der Blonden mittlerweile genervt davon ihren Bruder verteidigen zu müssen. Sie tat es immer gerne und das ohne, dass Roman sie darum bitten musste. Aber Michael war so stur und Healey bekam das Gefühl, das egal was sie sagte, es ihm letztlich sowie so egal war, weil er seine Meinung über ihren Bruder längst gefällt hatte. "Listen" begann sie jetzt und lehnte sich dabei etwas über den Tisch. Einen Arm streckte sie etwas über die Tischplatte und tippte mit ausgestrecktem Zeigefinger immer mal wieder auf diese, um ihre Worte damit zu untermauern. "My parents are old enough to travel wherever the hell they want. They don't have to tell me everything! They probably just forgot to mention where they're spending their vacation. They probably even thought they told me already. Short after they left the phones died. This is the only reason why I can't tell you where they are. They would have told me if they would've reached me" erklärte sie. Unter anderen Umständen hätte man das tatsächlich annehmen können, wenn man mal Healeys Alter berücksichtigte. Die Jüngsten waren ihre Eltern nicht mehr und würde Roman nicht unter Verdacht stehen, hätte wohl auch keiner damit ein Problem gehabt, wenn sie einfach nur vergessen hätten, wohin sie gefahren sind. Healey wusste nicht, dass das alles etwas mit dem Virus zu tun hatte. Wer vermutete so etwas auch schon von seiner eigenen Familie?
Mit beiden Händen stützte sich die Blonde nun an der Tischplatte nach oben und stand wieder auf. "I'm done here" sagte sie entschlossen. Michaels Blick wich sie dabei keine Sekunde aus. Den ersten Schock hatte sie überwunden und schaffte es endlich wieder an Fassung zurück zu gewinnen. "I'm not sick, your wife proved it" erklärte sie. "And she will tell you that Mike isn't either! This is why you will let us go" beschloss sie, denn sie kannte ihre Rechte. Auch wenn sich hier keiner dran zu halten schien, so wollte sie doch einfach nur gehen. "And we will take Roman with us" sagte sie eindringlich und mit ernster Stimme. "We will leave and you will never see us again! This is the best solution for you anyway, isn't it? This way you wouldn't be forced to see Mike every day and after yesterday I'm pretty sure this is really the last thing you wanna do. Just let us go."
Liza seufzte erneut. Sie musste sich einfach wieder ins Gedächtnis rufen, dass Mike nicht der Unfallverursacher gewesen war. Nicht er hatte ihren Jungen auf dem Gewissen. Deswegen nahm sie sich einen Stuhl und setzte sich der Pritsche gegenüber, auf welche der Anwalt saß. Dabei kehrte sie ihrem Mann den Rücken zu, da sie wusste er kam ganz wunderbar alleine zurecht. Deshalb bekam sie auch gar nicht mehr mit, wie die Blonde sich im Nebenzimmer wieder aufgerichtet hatte. "Listen, Mike" setzte sie mit ihrer gewohnten warmen Stimme an, von der Mike zuvor nur wenig mitbekommen hatte. "I learned about this only yesterday night myself. And Michael is still looking for more evidence why he's questioning Healey" erklärte sie weiter, damit er nicht glaubte ihr Mann tat es, um seiner Verlobten zu schaden. Aber momentan war sie einfach die einzige Befragungsquelle, solange sie von der Außenwelt abgeschnitten waren. "But it seems like Roman is a criminal" beantwortete sie schließlich die Frage von eben. "And not just a thief, Mike" fügte Liza noch gleich hinzu und das mit einem Blick, der dem Anwalt gleich sagte, dass es viel schlimmer zu sein schien, als nur ein einfacher Krimineller. Mike war clever genug um das in ihrem Blick zu lesen, das hatte sie schon im Gerichtsaal erlebt.

"People like to underestimate me" gab Ella nur mit einem ähnlichen Schmunzeln zurück. Hübsch war sie, doch nicht auf so eine Art, das man ihr zutraute, sie würde sich für jemanden besseren halten als es andere waren. So war es ja auch nicht, aber Ella wusste durchaus das sie etwas fürs Auge war. Immer wieder überraschte sie ihre Freunde, wenn sie erst einmal mit ihnen alleine war. Bei weitem war sie nicht so schüchtern, wie die meisten es wohl gerne hätten. Leute die schüchtern waren gaben keine Widerworte. Ella war aber lediglich einfach nicht besonders gut im Flirten in der Öffentlichkeit, weshalb Troy wohl das Bild von einem schüchternen jungen Ding von ihr bekommen haben musste.
Nicht ahnend, dass Troys Worte über Tess jedoch eine Lüge waren, empfand sie diese wie eine Bestätigung für ihre Vermutung. So wie die Brünette eben reagiert hatte, war da wohl schon einige Zeit eine dicke Luft zwischen den beiden. Während er also sprach überbrückte Ella den Abstand zwischen den beiden mit eleganten Schritten. "Neither would I want you to keep on living with her" sagte sie ruhig, wobei sie ihre langen Locken über ihre Schultern nach hinten streichte. Wenn sie nicht halb nackt vor dem Soldaten stehen würde, konnte man wohl meinen, dass es eine ganz normale und harmlose Bewegung gewesen war. Hier diente es aber einzig und alleine dazu, dass sie ihre Argumente etwas besser zum Ausdruck bringen konnte, indem er eine bessere Sicht auf ihren Oberkörper bekam. "You deserve better, Troy" schmunzelte sie nun ein wenig zu ihm rauf. Um ehrlich zu sein, hatte Ella überhaupt keine Ahnung auf was sie sich da einließ. Wenn sie Troy nicht durch eine rosarote Brille sehen würde, vielleicht hätte sie vorher gesehen, was für ein Mensch er war. Sicher hatte es schon die ein oder andere Situation gegeben, bei der sie es eventuelle hätte sehen können. Aber sie tat es nicht. Gerade ging es einfach darum eine nervige Freundin los zu werden. Normalerweise spannte Ella niemanden aus. Aber diese Situation war genau an zwei Punkten anders, als es unter normalen Umständen war. Erstens schien es zwischen Tess und Troy sowie so nicht mehr zu laufen und zweitens hatte Ella es satt zurück zu stecken. Und das was sie eben wollte, war nun mal Troy. Da führte einfach kein Weg mehr drum herum.
Eine seiner Hände nahm sie deshalb in ihre, nur um sie sich selbst an die Seite zu legen, damit auch der letzte Abstand zwischen ihnen zu nichte gemacht wurde. Auch wenn die Berührung nicht von Troy selbst aus gekommen war, verursachte sie doch eine Gänsehaut auf ihrer Haut. "I'll help you with that" versprach sie schließlich.

Hatte Koba eben noch sein verletztes Bein nicht aufsetzen wollen, war er nun wieder standhaft auf allen vieren. Denn er hatte bereits viel schlimmeres erlebt, als einen Stich mit einem Messer. Lediglich war er davon überrascht worden, was seine Reaktion erklärt hatte. Während sich Caesar in voller Größe aufbaute, blieb der Bonobo jedoch in einer geduckteren Haltung. Ein wenig schräg stand er nur, stützte sich auch nur noch mit den Fingerknöcheln einer Hand ab, während die ander Schulter bereits so weit nach oben gezogen war, dass seine andere Hand nicht mehr den Boden berührte. Wieder hatte alles mit der Unterwerfung in Richtung seines Anführers zu tun. Keiner der Affen bäumte sich auf, um nicht größer als Caesar zu wirken. Nur Maurice, der als letzter zu der Gruppe dazu gekommen war und jetzt das Affenjunge schützend im Arm hielt, war fast größer als der Rest, obwohl er sich auf seinen drei freien Gliedmaßen abstützte.
Ein tiefes und gefährliches Knurren kam aus Kobas Kehle, um Caesars Warnung zu untermauern. Waren die anderen Berater des Schimpansen mehr darauf basiert ihm eine Denkstütze zu sein, konnte man Koba wohl zu denen zählen die als eine Art General fungierten und sich um Jagd und ähnliches kümmerten. Das hier war so eine Situation und deshalb galt es auch, dass er Caesar unterstützte. Der Soldat zitterte dabei am ganze Körper. Nicht einmal wenn er ernsthaft wollte, hätte er wohl einen der Affen mit seinem Messer mehr umbringen können. Vor Angst ließ er das Messer fallen, kümmerte sich aber auch nicht weiter um Bill, sondern nahm einfach reiß aus. Doch hatte Caesars Warnung nicht nur die Vögel aufgeschreckt. Eben schon waren Menschen auf sie aufmerksam geworden. Und jetzt waren diese sich ganz sicher.
Zivilisten wurden zurückgedrängt und drei Soldaten kamen mit angewinkelten Gewehren auf die Affen zu. "Put that gun down" brüllte einer von ihnen Caesar entgegen. Und das so bedrohlich, dass ein Tier verstehen sollte, dass es etwas falsch tat. Das Caesar zu mehr im Stande war als das, hatten sie auf die Entfernung nicht richtig mitbekommen. "Move, boy" forderte ein anderer Bill auf, damit dieser aus dem Schussfeld kam.
Alleine reagieren würde aber keiner der Affen. Die Jüngeren wurden nervös, das konnte Koba selbst spüren ohne sich dafür zu ihnen umdrehen zu müssen. Auch Maurice wich einen Schritt zurück, denn kämpfen wollte er wahrlich nicht. Aber Caesar würde den Befehl gehen. Ohne ihn würde sich hier keiner von dem Geschehen entfernen. Nicht einmal Koba.
Tess Graysmark
Jakes Worte waren kaum Ausdruck genug für das, was hier vor sich ging. So sehr Tess auch versuchte Troy zu verstehen und ihm zu helfen, es wollte ihr nicht gelingen. Er war vernab allem, was sie zu kennen glaubte. Sie war sich nicht mal sicher, ob ein Psychologe ihm noch helfen konnte, denn der Soldat schien nichts davon zu wollen. Jedes Mal, wenn er nachts aufgewacht war, hatte sie versucht ihn zu trösten, aber nichts davon hatte er hören wollen. Auf Jake würde er da jetzt ganz gewiss ebenfalls nicht hören. Darum sah sie ihn auch mit einem Blick an, der klar sagte, dass er gar nicht erst darüber nachdenken sollte einer solchen Idee nachzugehen. Es bestand immer noch die Möglichkeit, dass sie selbst überreagierte, aber alles was sie bisher erlebt hatte, machte ihr einfach zu sehr Angst. „Be selfish. Please.“, bat sie ihn eindringlich. „Just this one time, Jake. Be selfish. Talking to him won't do any good. Troy won't listen. All you'll do is feed his insanity.“ Die Dunkelhaarige sorgte sich, dass alle von Troys Drohungen, nicht nur Drohungen bleiben würden. Gerade Jake gegenüber war er alles andere als gut zu sprechen gewesen, da er sich grundlos verraten von ihm fühlte. Und das obwohl er rein gar nichts getan hatte. Aber das war es, was nun aus ihrem gemeinsamen Freund geworden war.
Tess entfernte sich ein Stück von dem Bett um Jake etwas entgegen zu kommen und endlich die Entfernung zwischen ihnen zu verringern, auch wenn sie immernoch zu weit weg stand um ihn zu berühren. So emotional wie sie beide aufgewühlt waren, war es aber wohl auch eine bessere Idee, es nicht zu tun. „I wish nothing more than that there's some way to help him, believe me. But he doesn't want help.. he doesn't even know that he needs it because he's so twisted.“ Ein schmales Lächeln, dass ihn eigentlich ermutigen sollte, trat auf ihre Lippen, doch war sie selbst in dieser Sache eher mutlos. Nicht mehr zurück zu müssen war beruhigend. Schon am Abend zuvor hatte sie sich bei Jake sicherer gefühlt als jemals bei Troy seitdem er aus dem Krieg zurückgekommen war. „I'm going to be fine.. it's the one thing I can promise you. Letting go of him is not as hard as you might think. He's not himself.. I don't recogince the man I once loved anymore. There's nothing to hold onto.“ Leicht zuckte sie mit den Schulter, was fast wirkte als wäre Troy ihr gleichgültig. Ganz so war es aber nicht. Sie konnte nur nicht länger so tun als würde irgendwas wieder in Ordnung kommen. „And this girl.. to her I will talk. I'll warn her.“ So viel musste sie dann doch noch tun. Tess hegte keinen Groll gegen Ella. Vermutlich hatte sie nichts von ihr gewusst und hatte auch keinerlei Idee was auf sie zukommen würde.

Sam Selbstlosigkeit kam vielleicht davon, dass sie erst eine Nacht lang hier war. Von dem Gespräch draußen und der Ernsthaftigkeit der Lage ahnte die junge Blonde auch noch nichts. Darum war sie auch ganz froh, denn noch besaß sie die Hoffnung bald wieder nach Hause zu kommen. Das Buch von Eli nahm sie entgegen. Die Auswahl ließ sie Schmunzeln. Gut getroffen war sie, obwohl der Mann das wohl kaum mit Absicht getan hatte. „It's quite the perfect fit.“, gab sie zu. „I work at my dad's animal clinic. This has also been kind of my thing.“ Als kleines Mädchen schon hatte sie sich immer für Tiere interessiert und so waren diese Bücher stets der erste Griff ins Regal gewesen. Nur bis zu ihrem eigenen Doktor hatte sie es bisher noch nicht geschafft. Zuerst hatte sie Erfahrung sammeln wollen bevor sie sich erneut hinter eine Schulbank klemmte. „I'll give it back to you in the best shape possible.“ Noch mehr wollte sie das Buch nicht beschädigen, wenn es schon sein Liebstes war. Viele Habseligkeiten hatte man hier nicht, da wollte sie wenigstens auf das acht geben, was man ihr anvertraute. Zumal Eli seitdem sie ihn kennen gelernt hatte immer nur gut zu ihr gewesen war und Sam selbst keine zerstörerische Ader besaß.
Nur für einen kurzen Moment sah sie Richtung Schaufenster wobei ihr auffiel, dass sich Malcolm und Cage angestrengt unterhielte. Sie war so froh um die Ablenkung gewesen, dass ihr gar nicht aufgefallen war, dass die beiden draußen gelieben war. „What are they talking about?“, fragte sie Clara, ob sie wohl etwas mitbekommen hatte, worum es bei den beiden ging. Nach guten Neuigkeiten sah es nämlich nicht aus, darum war es auch nicht verwunderlich, dass man sie in dieses Gespräch nicht miteinbezog. Immerzu glaubten sie, dass sie Schutz brauchte, obwohl dem nicht so war.
Die Aussichtslosigkeit seines Sohnes konnte Malcolm verstehen. Es kostete ihn selbst Kraft nicht den Kopf zu verlieren. Über die Zone hatte er noch gar keinen Überblick und alles was er tun konnte, war Cage zu helfen. Seinen Kindern beizustehen, stand bei ihm immer an erster Stelle. In diesem Fall war es kein bisschen anders. Viel musste hergerichtet oder aus anderen Teilen der Stadt beschafft werden. Noch sah er dies als Vorteil. Sie hatten eine ganze Stadt neben der Zone, in denen sie nicht nur Werkzeuge sondern vielleicht auch noch Vorräte fanden, bis sie selbst klar kamen. Alles was es brauchte waren ein paar mutige Seelen, die es wagten nach draußen zu gehen. „That's where you're wrong, son. You're not on your own.“, verbesserte Malcolm Cage. Bisher war er es gewesen und auch wenn er kein Anführer war, würde er ihm dennoch beistehen, mit allem was er hatte. Er war nur Tierarzt, aber die Ruhe zu bewahren, wenn die Zeit es verlangte, hatte er trotzdem. Denn wenn man in Panik war, traf man immer die falsche Entscheidung.
„Don't tell more people.“, riet er ihm zuerst. „Especially not your sister. For now I want her to keep up hope.“ Es war nicht so, dass Malcolm die Hoffnung verloren hatte, aber Sam musste es noch nicht wissen, bis sie einen genauen Plan hatten. Eines seiner Kinder war schon mit der Wahrheit belastet, da musste es seinem kleinen Mädchen nicht auch noch so ergehen. Tief atmete Malcolm durch um den Schock selbst zu verdauen. „We'll get through this, Cage.. you'll see. There's always a way and mankind has survived other diseases as well.“, versuchte er ihn zu ermutigen. „All we need is a good plan and for now there still ar enough supplies aren't there?“ Malcolm hoffte sehr, dass sie wenigstens etwas Luft hatten um in Ruhe zu überlegen, was der nächste Schritt war.

Einen Moment lang sah Michael Healey nur an ohne etwas zu sagen. Natürlich hatte sie Recht. Ihre Eltern waren nicht dazu verpflichtet ihr zu sagen wohin sie gegangen waren. Ihm blieb die Möglichkeit sie hier solange einzusperren bis sie sich dazu bereit erklärte endlich zu kooperieren, fand aber, dass dies nicht der richtige Weg bei der jungen Frau war. Seinen Job machte er lange genug um zu wissen, wann Druck half und wann er einlenken musste. Dies war leider der letzte Fall. Im Einlenken war er noch nie gut gewesen, da er es als sinnlos empfand einem Verbrecher auch nur etwas Gutes zu tun. „You're wrong.“, sagte er dennoch. „The last thing I want is to see the zone be destroyed because I didn't do my job right.“ Mike jeden Tag zusehen war dicht gefolgt auf Platz zwei, doch brauchte das die Blonde nicht zu interessieren. Mit seinen Problemen musste sie sich nicht beschäftigen. Er glaubte, dass ihm ein Vorfall wie am Vortag nicht noch einmal passieren würde. Nun nahm er aber wieder seine Akte zu sich. Hier war er vorerst fertig. „I'll take you to see your brother but I can't promise that you will leave with him. Take that or leave it.“, bot er ihr an. Die Entscheidung lag ganz bei Healey. Ohne ihre Antwort abzuwarten ging er zur Tür und trat nach draußen. Alleine würde sie in dem Raum sowieso nicht sitzen bleiben sondern ihm direkt folgen, da er wieder den Nebenraum betrat, in dem er Mike vorfand als hätte er soeben einen Geist gesehen.
Lizas Worte waren noch gar nicht ganz zu dem jungen Anwalt durchgedrungen als die Tür zu dem Behandlungszimmer geöffnet wurde. Von Mikes Vergangenheit wusste er tatsächlich nicht viel, wenn er ganz ehrlich war. Er sah ihn ja auch nicht sonderlich oft. Meistens nur wenn es ein Familienessen bei Healeys Eltern gab und selbst dann war er nicht immer anwesend. Meist war er auf irgendwelchen Reisen unterwegs bei denen er sich immer fragte, wie Roman sich diese überhaupt leisten konnte, denn einen festen Job hatte er seines Wissens nach nicht. Die Zeit nochmal genau nachzufragen blieb ihm nicht, da schon Michael in der Tür stand. Dieser sah zu seiner Frau um zu überprüfen ob alles in Ordnung war. Ein Blick in ihr Gesicht reichte ihm aus um es zu wissen. „Get up. I'll bring you to Roman now.“, kündigte er Mike an.
„Liza, there are still two patients waiting for a check-up. Cage wanted that you take a look at them.“, richtete er das Wort an die Dunkelhaarige. Die zwei die gestern noch angereist waren, konnten sicher noch eine Weile warte, doch wollte der Polizist seine Frau nicht in Romans Nähe wissen. Vermutlich schlief er noch und war sowieso gut genug am Bett befestigt, aber ein Risiko wollte er trotzdem nicht eingehen. Nur für den Fall, dass Healey doch eingeweiht war und versuchen würde ihn zu überrumpeln.

Ob Ella aus Naivität, Liebe oder wegen eines kaltblutigen Herzens seinen Worten folgte, war Troy gleich. Alles was zählte war, dass sie seinen Worten folgte. Die Beweggründe dahinter spielten keine Rolle. Bevor sie es bemerkte, war sie zu seiner Marionette gewesen und das alles nur, weil sie Aufmerksamkeit von ihm wollte. Niemand aus seinem alten Leben würde ihn als manipulativ bezeichnen, aber Zeiten hatten sich geändert und er war bei weitem nicht mehr er, der er einst gewesen war. Krieg veränderte einen und auch diese Welt würde sich weiter verändern. Die Menschen waren nur zu naiv um die Wahrheit zu sehen, die direkt vor ihren Augen lag. Mit Selbstlosigkeit kam man nicht mehr weiter. Nicht mehr lange und jeder würde nur noch um sein eigenes Wohl besorgt sein. Doch er, er würde sie anführen und auf den richtigen Weg führen. Die Zerstörung der Menschheit war nämlich nicht sein Ziel, auch wenn man dies vielleicht denken konnte, wenn man seine Gedanken las. Viel mehr lag ihm die Zone am Herzen und er würde alles tun um dafür zu sorgen, dass sie bestehen blieb. Das Cage dafür nicht stark genug war, hatte er schon längst gesehen. Auch Jake und Tess standen ihnen nur im Weg. Sie waren Unruhestifter und mussten beseitigt werden.
Seine Hand, die zuvor an Ellas Hüfte gelegen war, weil sie diese selbst dort platziert hatte, fasste nun ihr Kinn. Sie sah bereits zu ihm auf, sollte ihren Blick aber auch nicht abwenden. Troy hatte noch rein gar nichts getan und trotzdem fraß sie ihm gerade zu aus der Hand, auch wenn sie noch nicht ganz bemerkt zu haben schien, worauf er hinaus wollte. Auf ihr Angebot einzugehen war verlockend und er würde es tun, aber erst musste er sichergehen, dass sie auch wusste, was er wirklich von ihr wollte. Mit dem Daumen strich er sachte über ihre vollen Lippen. Für keine Sekunde wandte er den Blick dabei von ihren Augen ab, obwohl sie so sehr versuchte ihren Blick auf ihren Oberkörper zu fokusieren, der anziehend war, aber gerade gab es Wichtigeres als sein eigenes Vergnügen. „Good.. that's what I wanted to hear.“, lächelte er vergnügt, ging aber davon aus, dass Ella noch nicht ganz verstanden hatte, worauf er hinaus wollte. „You better start planning then. I don't want you to get caught.“, wurde er nun deutlicher. Nur mit Reden war es bei Tess nicht getan. Wenn er eines über seine zukünftigte Ex-Freundin wusste, dann das sie einen furchtbaren Dickkopf hatte und sich nicht so einfach abspeisen ließ, nur weil jemand auf sie einredete. „And don't forget about Jake.. He could be a problem.“ So viel Warnung gab er ihr dann doch mit auf den Weg. Wann sich etwas zwischen den beiden angebahnt hatte, wusste Troy nicht, aber auch dies war nicht wichtig. Am Ende zählte nur, dass sie beide aus dem Weg geschafft waren und nicht mehr für Chaos sorgen würden.

Die Kraft zu haben in einer solchen Situation ruhig zu bleiben war es, was Caesar als Anführer auszeichnete. Jede einzelne Person behielt er genau im Auge, denn ein Affenleben zu riskieren kam nicht in Frage. Gleichtzeitig wollte er aber keinen Krieg riskieren, nur weil er die Nerven verlor. Das einzig verwirrend für ihn war, dass der Soldat abhaute ohne sich um den Menschenjungen zu kümmern. Ein Affe würde so nie handeln. Jetzt stand Bill aber alleine genau zwischen den Affen und den anderen Soldaten. Unsicherheit stand in seinen Augen, aber gleichzeitig ein Hauch von Mut, denn der Junge fühlte sich an all die Filme erinnert, die er geschaut hatte. Besonders dann, wenn er sich seine Mutter zurückgewünscht hatte. Ihm hatte es geholfen abzuschalten. Seither hatte er sich immer gewünscht genauso mutig wie die Helden in den Filmen zu sein. Hier war seine Chance. Nur für einen kurzen Moment sah er zu den Soldaten die, die Waffen auf die Affen gerichtet hatten. Keinem der Affen sollte etwas passieren. Genaus keinem der Menschen. In einer Kurzschlussreaktion stellte er sich schützen vor die Affen. So sehr ein 12-jähriger Junge sich schützend vor einen ausgewachsenen Schimpansen und dessen Affenstamm stellen konnte.
„N..n.. no..“, bat er die Soldaten mit seinem üblichen Stottern. Nichtmal jetzt, wo die Situation so ernst war, konnte er richtig sprechen, was ihn zusätzlich ärgerte. Niemand nahm ihn so ernst. „Don..d.. don't.. h.. hu.. hur.. hurt.. them.. pl.. plea.. please!“ Die Worte über die Lippen zu bekommen war schwierig für ihn und unterstützte seine Aufregung nur noch mehr. Aber das hier war das richtige zu tun, dessen war er sich ganz sicher.
Caesar, dessen Gesicht zuvor eisern gewesen war, schlug in leichte Verwirrung um als das Menschenkind sie schützte. Er wusste von guten Menschen, doch hatte er sie seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen. Gerade ein so junger Mensch mit solchem Mut. Nur aus diesem Grund kam er der Aufforderung des Mannes nach. Anstatt das Gewehr aber zur Seite zu legen, brach er es mit der bloßen Kraft seiner Arme auseinander. Die zwei Einzelteile warf er neben sich zu Boden. Das war ein Friedensangebot für die Menschen. „Leave.“, bat er die Menschen erneut. Diesmal ruhiger und bei weitem besser verständlich als sein Brüllen zuvor.
Jetzt war Bill sich auch ganz sicher, dass er ihn hatte sprechen hören. Trotzdem sah er sich verwundert um. Er musste es einfach selbst sehen und da er nun bei weitem näher bei ihm stand, konnte er auch die menschlicheren Augen Caesars sehen. „You... too.“, sprach der Affe zu ihm, denn dem Jungen sollte nichts passieren. Obwohl seine Worte verständlich waren, bemerkte man, dass er lange nicht gesprochen hatte. Unter den Affen war die Zeichensprache üblich. Er konnte keinem vorwerfen, dass sie sich lieber von Menschendingen abwandte. Dennoch war es jetzt nützlich.
Jake Landlow
Jakes Augenbrauen zogen sich zusammen. Bei dem Gedanken daran, dass er jetzt an sich denken und nicht mit Troy sprechen sollte, drehte sich ihm der Magen um. Er konnte doch nicht einfach zusehen, wie es mit ihm immer mehr bergab ging, jetzt wo sie alle auf einem Haufen in dieser blöden Zone zusammen saßen. Ihn zu ignorieren würde unmöglich werden. Mit ihm reden sollte er nicht. Eine dritte Option gab es nicht. Und das war es, dass Jake so sehr Sorgen bereitete. Wenn es keine Möglichkeit gab mit ihm zu reden, egal ob er Troy nun helfen oder ihn einfach nur bitten wollte, dass er sich zügelte, wie sollten sie dann hier zusammen leben? Noch durfte Jake nicht das Haus verlassen. Aber da er sich sicher war, dass er nicht krank war, würde er schon bald das OK dafür bekommen sich frei in der Zone zu bewegen. Und ehrlich gesagt graute es ihm genau davor. So wütend wie er am Abend zuvor gewesen war, wollte Jake nicht noch einmal werden. Aber er befürchtete beinahe, dass es dazu kommen würde, wenn Troy nicht mit sich reden lassen würde, würden sie einmal aufeinanderstoßen. Und dazu würde es ganz sicher kommen. Die Zone war nicht endlos groß. Irgendwann, irgendwo würde man sich ganz sicher begegnen.
"I cannot not talk to him once I see him, Tess" sagte Jake bedauernd. "I promise I won't drag him to a conversation but the moment will come when there is no way but talking to him. You know this" sagte er ruhig. Er klang schon wieder ganz wie der alte Jake, auch wenn er sich noch lange nicht so fühlte. "But for now it might be better that I don't speak with him" stimmte er zu, auch wenn er das volle Ausmaß von Troys neuer kranker Persönlichkeit noch gar nicht erlebt hatte. "Maybe when the situation around the virus has settled a bit it all will be easier" machte er den schwachen Versuch etwas Hoffnung zu schöpfen. Troy einfach ganz und gar einfach so im Stich zu lassen, brachte Jake nicht übers Herz. Vielleicht würde sich ja alles etwas beruhigen, wenn Normalität in die Zone eingezogen war. Beschwören wollte er es nicht, aber er hoffte es innigst.
"That we have to warn someone from Troy .." sagte Jake seufzend, wobei er sich mit einer Hand über die Augen rieb. Immerzu hatte er auf seinen Freund aufgepasst, ganz so wie es eben ein großer Bruder machte. Das mal der Tag kommen würde, an dem vor ihm gewarnt werden musste nahm Jake einfach mit. "How did I miss the moment when he changed so much, Tess? Why haven't I seen this coming?" fragte er sichtlich mitgenommen. Natürlich war sie seine Freundin und Jake wollte sich auch überhaupt nicht in den Mittelpunkt drängen, doch war er gerade drauf und dran seinen besten Freund zu verlieren. "I should've seen it, shouldn't I?"

"Then it seems like it perfectly fits for you" schmunzelte Eli über den kleinen Glückstreffer, den er bei Sam gelandet hatte. Nicht nur, dass es etwas war, dass der Blonden gefiel, sondern veranlassten solche kleinen Zufälle die Leute auch immer dazu, sich zu amüsieren. Gerade in einer solchen Zeit wie dieser war das wohl mit das Wichtigste. Die Leute mussten bei Laune bleiben, dass wusste auch Eli. Vielleicht half es Sam ja über die nächsten paar Tage. Es würde sie nicht für immer ablenken und es war auch nur eine Person, aber wie sagte man so schön? Mühsam ernährte sich eben das Eichhörnchen. Es ging darum kleine Schritte zu machen und das jeder dort half, wo er nur konnte. "And don't you worry about the book, Sam. It survived a coffee attack, it will surely survive a reading session with you" schmunzelte er. Es war ein altes Buch und wenn es am Ende hieß, dass er es mit Klebeband reparieren musste, dann war es eben so. Aber er hatte es ja ins Regal gelegt, damit man es sich auslieh und laß. Wenn er teilte, auch wenn es nur ein Buch war, fühlte Eli sich hilfreich und das half ihm abends zu schlafen.
"I have no idea" beantwortete Clara schließlich Sams Frage, während sie dem Laden als solchen nur sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Immer wieder hatte sie zu den Männern vor dem Schaufenster gesehen. "I fear nothing good though" fügte sie hinzu, als sie Malcolms ratlosen Blick sah. Denn Cage hatte ihnen den Rücken zugedreht. Ob es ihm also ähnlich ging, war nicht zu sagen. Aber einen der Männer schon so ratlos zu sehen reichte, um es ihr unwohl im Magen werden zu lassen. "You two shouldn't worry so much" bat Eli die zwei. "I'm sure it's nothing too serious. The General probably only needs an advise from his dad like we all do sometimes."
"Dad" sagte Cage gefolgt von einem Seufzer. Er wusste, dass er sich auf Malcolm verlassen konnte, gleichzeitig machte es ihm aber auch Sorgen. Denn eigentlich hatte er überhaupt nicht vorgehabt überhaupt jemanden da mit hineinzuziehen. Aber wenn sein Vater schon einmal da war, war es einfach zu verlockend gewesen ihn um Rat zu fragen. So lange hatte er es nicht tun können in Situationen, wo er sich gewünscht hätte, dass Malcolm bei ihm gewesen wäre. Vielleicht hatte er jetzt nur aus reinem Egoismus heraus gehandelt, weil er sich das nicht alleine aufbürden wollte. Aber er war froh, dass sein Vater ihn so unterstützte.
Cage nickte. "If I keep the population on this level we make it till the end of the year with the stuff we already have. If I let more people in .." seufzte er, denn Malcolm wusste selbst was es bedeutete, wenn Cage mehr Menschen in die Zone lassen würde. "And that's only the food. I asked Liza two days ago if she could make me a list with all the important medical supplies that we have or that she'll need to carry on. If the people here get sick it won't even last for half of them. From the medical view we're pretty much fucked" erklärte er. "I already told Johnson to study all the maps he can get from this town. Drugstores, supermarkets, gas stations, he marks everything he can find. Then we need to plan how we get the stuff without risking to get sick." Ganz unvorbereitet war Cage eben nie. Es war nur ein wenig, das er vorgeleistet hatte, aber einen groben Plan gab es zumindest schon einmal, wie sie an mehr Vorräte kommen würden.

Michael musste ihr gar nicht versprechen, dass sie Roman wieder mitnehmen konnten, dem war Healey sich nämlich auch so sicher. Um nichts in der Welt würde sie ihren Bruder hier zurücklassen. Schon gar nicht eingesperrt wie einen Schwerverbrecher. Vielleicht mochte Roman ja kein unbeschriebenes Blatt mehr sein und die Beweise standen gerade ziemlich schlecht gegen ihn. Aber die Blonde war sich sicher, dass es eine Erklärung für all das geben musste. Vielleicht war es die Naivität einer kleinen Schwester, aber was für eine furchtbare Schwester wäre sie denn, wenn sie Roman einfach so verurteilen würde? Das kam überhaupt nicht in Frage.
Sofort war sie also Feuer und Flamme, stieß sich sogar etwas die Hüfte, als sie um den Tisch herumeilen wollte, weil sie die Kurve zu kurz genommen hatte. Ein stechender Schmerz, aber das war gerade egal. Es ging darum ihren Bruder wiederzusehen, da konnte sie sich später über einen weiteren Blauenflecken beschweren. Trotzdem ließ Healey es sich nicht nehmen sich an Michael vorbei zu zwängen und zu Mike zu eilen. Er musste glauben, dass da drüben im anderen Zimmer Furchtbares passiert war. Zumindest würde sie so denken, wenn er an ihrer Stelle gewesen und in Tränen ausgebrochen wäre. Außerdem war selbst eine so kleine Trennung der beiden für Healey gerade unerträglich gewesen. Wahrscheinlich lag es nur an ihrer momentanen Situation, aber es machte der Blonden Angst alleine zu sein. Schon als Mike los war um Roman einzusammeln, hatte sie solche Panik bekommen, dass sie begonnen hatte zur Ablenkung das halbe Apartment zu sortieren. Kaum aber bei ihrem Verlobten angekommen, ging es ihr gleich besser. Sie musste dafür nicht einmal seine Hand nehmen um sich gleich sicherer zu fühlen, dennoch tat sie es.
"Sure" antwortete Liza schließlich ihrem Mann. Ihm jetzt zu widersprechen würde nur an seiner Authorität kratzen, was im angesicht der Tatsachen gerade wirklich nicht das Beste gewesen war. "Bill is probably waiting for me aleady anyway" schmunzelte sie, ging zu Michael und legte ihm eine Hand an den Bauch. "Be careful" bat sie ihn flüsternd, bevor sie ihm einen Kuss auf die Wange hauchte. "We'll see us soon" sagte sie nochmal zu den anderen beiden, da zumindest Healey sicher noch einmal zur Behandlung auf Grund ihres Rückens musste. Damit verabschiedete sich die Ärztin sich von der Gruppe und verließ den Keller. Healey dagegen schien schon ganz ungeduldig zu werden. "Would you please bring us to Roman now?" bat sie Michael, auch wenn seit seinem Angebot noch keine fünf Minuten vergangen waren. Die Gefahr war einfach zu groß, dass er sich das ganze nochmal anders überlegen würde und sie für einen weiteren Tag hier unten festsitzen würden.

Auch wenn Troy ihr mit dem Griff um das Kinn nicht weh tat, war es doch ein beklemmendes Gefühl, was Ella dazu veranlasste sich etwas an dem Saum des Oberteils seiner Uniform festzuhalten. "Caught?" fragte sie leise, da sie viel lauter gar nicht sprechen brauchte, damit Troy sie durchaus hören konnte. Erst jetzt schien ihr klar zu werden, was der Soldat genau gemeint hatte. Und das hatte überhaupt nichts mit dem zu tun, was sie im Sinn hatte. Sie verstand ja, dass es für einen selbst nicht gerade einfach sein musste eine Beziehung zu beenden die bereits über einen langen Zeitraum andauerte. Deswegen war es für Ella auch überhaupt kein Problem gewesen, gleich zuzustimmen, als sie noch davon ausging, dass sie einfach nur für Troy mit Tess Schluss machen sollte. Sie wäre der Brünetten gegenüber einfach etwas ausfallender geworden und hätte auf kaltherzig getan, damit sie den Soldaten in Ruhe ließ. Aber dieser schien seine Freundin wohl ganz aus der Welt haben zu wollen. Und man konnte Ella, kaum das ihr dies klar geworden war, deutlich ansehen, wie verstört sie von diesem Gedanken war. Auch das Jake ihr "ein Problem werden könnte" machte das ganze nicht besser. Die beiden hatten ihr überhaupt nichts getan, sie kannte sie zwei nicht einmal, wenn man die kleine Begegnung mit Tess von zuvor mal außer Acht ließ.
"You ask me to kill her?" fragte Ella jetzt ganz dirkte, wobei sie sich von Troy abstieß, damit er von ihr ablassen musste. "This is sick" fuhr sie ihn an, wobei sie zurück ging, dahin wo ihr Hemd auf dem Boden lag. Dies sammelte sie auf und zog es sich wieder über, ließ es aber erstmal offen, bevor sie sich dem Soldaten wieder zuwandte. "How could you even think that - Only because I wanted to be with you .." sagte sie fast schon etwas verzweifelt, wobei sie sich mit einer Hand ihr Haar raufte. "You're kidding me, don't you? This must be a joke" versuchte sie es auf die verleugnerische Weise. Vielleicht war es ja wirklich nur ein schlechter Scherz von Troy gewesen und sie reagierte gerade total über. "Please say you're kidding me, Troy" bat sie ihn eindringlich, wobei sie es sogar wieder wagte zu ihm zu gehen. "Because if you do, this really isn't funny at all. It scares me."

Koba war nicht der einzige der Affen, die anders als Caesar nur wenig ruhig bleiben konnten. Die anderen wurden nervös, je näher die Soldaten kamen. Koba dagegen schnaufte nur hörbar laut. Es sollte Caesar nicht ablenken, aber ihm zeigen, dass selbst er nervös war. Sie hatten nichts um sich auf dieser Entfernung zu wehren. Kugeln waren schneller als Affen, so schnell hätte nicht einmal ihr trainierter Anführer die Männer erreicht. Ein wenig mehr stützte Koba sich deshalb auf seine Hand ab, lehnte sich regelrecht darauf um sich so bereit zu machen auf die Männer zu zustürmen, falls sie jetzt nicht hören würden.
"Out of the way" mahnten sie während dessen den jungen Bill, der sich mutig in die Mitte gestellt hatte und so als Vermittler versuchte beide Parteien daran zu hindern einander anzugreifen. Das Koba sich im Hintergrund auf die Lauer legte, machte das ganze nicht besser. Er bereitete sich nur auf das Schlimmste vor. Auch Maurice, der normalerweise immer auf Caesars Befehle wartete, beschloss jetzt von alleine das es wohl sicherer war, wenn er sich etwas zurück zog. Immerhin musste er auf das kleine Äffchen aufpassen, welches in seine Obhut gegeben wurde. Auf den Platz des Roten rückten gleich zwei weitere Affen auf, die durchaus kämpfen würden, wenn es denn sein musste. Aber Caesars Bitte an die Menschen schien Wurzeln zu schlagen. Denn einen sprechenden Affen hatten sie noch nie in ihrem Leben gesehen und schon waren sie stehen geblieben. Einer von ihnen senkte sogar etwas die Waffe, während er den Anführer der Affen ungläubig musterte. Es wirkte, als würden sie die Affen ziehen lassen. Die Männer wirkten weniger bedrohlich als noch bevor Caesar mit ihren gesprochen hatte.
"Get Cage" sagte einer von ihnen zu dem anderen, welcher sich auch gleich rücklinks von der Gruppe entfernte. Kobas Blick folgte ihm sofort bis zu einer Hauswand, hinter welcher der Soldat verschwand. Nun war es nur noch ein Wettbewerb des Anstarrens. Affen bewegten sich nicht. Menschen bewegten sich nicht. "Get Cage" dachte sich Koba. Jemanden holen. Denn das es sich dabei nicht um einen Käfig handelte schloss er daraus, dass Menschen in ganzen Sätzen sprachen, nicht so wie die Affen, die, wenn sie denn sprechen konnten, ihre Sätze sehr kurz und ohne Beiwörter oder Pronomen hielten. "They called for backup" lies Koba Caesar durch Zeichensprache wissen, auch wenn er das wahrscheinlich selbst gehört hatte. "Hey" brüllte jetzt einer der Soldaten rüber. "Don't move!" Doch Koba war es herzlich egal, was der Soldat da vor sich hin rief. "We need to leave now" deutete er weiter. Die Soldaten hatten ihre Waffen nicht mehr im Anschlag. Das einer von ihnen also das Feuer eröffnen würde, war eher unwahrscheinlich, wenn sie sich jetzt zurückzogen. Bis die Menschen hier waren, waren sie verschwunden. Aber dafür mussten sie jetzt schnell handeln.
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